Das Wort Gottes in der Verkündigung

Jesus, der ewige und einzig geborene Sohn Gottes, ist Gott und eins mit dem Vater (Joh 1,1ff; 10,30). Er ist das ewige Wort Gottes, das Mensch wurde, um uns zu erlösen. Jesus verkündet uns die Botschaft vom Reich Gottes, vom Barmherzigen Vater und der Vergebung der Sünden: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24,35). In jeder heiligen Messe wird das Wort Gottes verkündet, besonders in den Lesungen, dem Evangelium und der Predigt. Die aus dem Alten Testament entnommenen Psalmen stammen zum großen Teil von König David und seinem Sohn Salomon. Sie wurden im jüdischen Gottesdienst verwendet und von Jesus gebetet, auf den sie hinweisen. Die Psalmen werden in der heiligen Messe gesungen oder gesprochen – vor allem in den Zwischengesängen, dem Eingangsvers und dem Schlussvers. Auf ihnen basiert zum großen Teil der Gregorianische Choral, der sowohl im klassischen als auch im neuen lateinischen Ritus gesungen werden soll. Die deutschen Lieder lehnen sich teilweise an die Psalmen an.
Die ganze heilige Messe besteht aus dem Wort Gottes: Die Wandlungsworte in allen kirchlichen Messriten entsprechen sinngemäß den Worten Jesu beim Letzten Abendmahl: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (Lk 22,19). „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lk 22,20). Weitere biblische Überlieferungen der Wandlungsworte finden wir bei Mt 26,26-28; Mk 14,22-24; 1 Kor 11,23-25. Insgesamt verbindet sich in den heiligen Riten die ältere mündliche Überlieferung (heilige Tradition) mit ihrer schriftlichen Fixierung in der Heiligen Schrift und den Büchern für den Gottesdienst. So werden bis auf den heutigen Tag die Worte Jesu weitergetragen bis Er wiederkommt in Herrlichkeit. Seine Worte sind selbstverständlich auch gegenwärtig im himmlischen Gottesdienst, an dem wir durch unsere Anwesenheit an der heiligen Messe auch teilnehmen dürfen.
Wenden wir uns nun den einzelnen Riten zu. Wir konzentrieren uns dabei auf die Gemeinsamkeiten im klassischen und im neuen lateinischen Ritus, erwähnen aber auch ab und zu die Unterschiede.
Die Kirchenglocken, die vom Bischof oder Priester gesalbt werden, rufen uns zum Gottesdienst und verbreiten durch ihr Läuten den göttlichen Segen über Stadt und Land. Sie erinnern uns an das tägliche Gebet wie den Engel des Herrn, Morgengebet und Abendgebet. Denken wir etwa an das Wetterläuten bei aufkommendem Unwetter. Die Sakristeiglocke kündigt uns den Einzug des Priesters an, wozu wir uns erheben, um in ihm Christus zu ehren. Jede Ehrfurchtsgeste, die der Priester während des Gottesdienstes empfängt, gilt nicht ihm, sondern Christus. Die innere Sammlung vor und während der hl. Messe ist von herausragender Bedeutung, so dass wir nicht zu spät kommen sollten, was wir uns bei hohen menschlichen Persönlichkeiten ja auch nicht erlauben würden. In der heiligen Messe ist der unendliche Gott selbst anwesend.
Priester und Ministranten beten Christus im Tabernakel durch eine Kniebeuge an. Im klassischen Ritus folgt das Schuldbekenntnis, das der Priester zusammen mit den Ministranten betet, während der Eingangsvers (Introitus) oder ein Lied gesungen wird. Anschließend ehrt der Priester den Altar, der Christus symbolisiert und auf dem dieser gegenwärtig wird, durch einen Kuss. Dieser Kuss gilt auch den Reliquien der Märtyrer, die für Christus ihr Leben hingegeben haben. Im neuen Ritus wurde dabei die Reihenfolge vertauscht und an Stelle des Schuldbekenntnisses, das mit dem Volk gebetet wird, können auch andere Texte aus dem Messbuch gewählt werden. Die Altarstufen deuten auf die drei göttlichen Tugenden Glaube (wir haben absolutes Vertrauen in Gott und seine Offenbarung), Hoffnung (alles Gute, besonders das Ewige Leben, erwarten wir von Gott) und Liebe (Gott absolut vor allem anderen vorziehen) hin und heben den Altar als heilige Opferstätte hervor. In feierlichen Ämtern erfährt der Altar die Ehre der Beräucherung mit Weihrauch, wodurch Christus verherrlicht wird.
Das Kyrie/Christe eleison (= Herr/Christus erbarme dich) wird insgesamt neunmal gesungen, geht in dieser Form auf Papst Gregor den Großen (6. Jahrhundert) zurück und ist eine anbetende Huldigung an unseren Herrn (Kyrios) und Gott Jesus Christus. Es deutet auf die Dreifaltigkeit hin (3 mal 3) und im neuen Ritus auf die Dreifaltigkeit sowie auf die Gottheit und Menschheit Christi, da es dort auch 3 mal 2 mal gesungen werden kann. Das daran anschließende und an Festen gesungene Gloria wurde von den Engeln auf den Feldern in Bethlehem als Lobpreis Gottes gesungen und fasst das Erlösungswirken Christi zusammen, der als Sohn des Vaters und Lamm Gottes die Sünden der Welt hinwegnimmt und zur Rechten des Vaters sitzt.
Im Dominus vobiscum (= Der Herr [sei] mit euch) verbinden sich Wort und Zeichen auf wunderbare Art und Weise, da der Priester bei diesem Gruß die Hände ausbreitet und den Gläubigen den Beistand unseres Herrn und Gottes Jesus Christus wünscht. Im alten Ritus küsst er zuvor den Altar, der Christus symbolisiert.
Die Oration (Priestergebet) richtet sich in der Regel an Gott, den Vater, von dem wir durch Christus, unseren Herrn und Gott, im Heiligen Geist eine Gnade erbitten, die unserem Heil dient. Nach Dominus vobiscum folgt Oremus (= Lasset uns beten).
In der Lesung aus der heiligen Schrift (Altes Testament, Apostelgeschichte, apostolische Briefe, Offenbarung des Johannes) wird uns das Wort Gottes verkündet. Es folgen die Zwischengesänge (meistens Psalmen) sowie außerhalb der Fastenzeit das Halleluja (= lobet Gott). Währendessen betet der Priester (oder Diakon) still vor der Verkündigung des Evangeliums: „Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott. Wie du einst die Lippen des Propheten Isaias mit glühenden Kohlen gereinigt hast, reinige auch mich in Deinem gnädigen Erbarmen, und lass mich so Dein Evangelium würdig verkünden.“ Im alten Ritus wird das Buch auf die Evangelienseite getragen, die – falls die Kirche geostet ist – in nördlicher Richtung ausgerichtet ist. So wird das Evangelium in die Finsternis hinein verkündet, da bei uns im Norden nie die Sonne steht. Bei der Verkündigung des Evangeliums stehen wir aus Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, das Christus selbst ist, uns von Ihm verkündet wird und das jetzt auf geheimnisvolle Art und Weise gegenwärtig wird, weshalb auch das Evangelienbuch mit Weihrauch geehrt wird sowie vom Priester nach der Verkündigung geküsst wird.
Es folgt die Predigt, die uns das Wort Gottes auslegt. An den Sonn- und Feiertagen wird anschließend das Nicaeno-Konstantinopolitanische (große) Glaubensbekenntnis gebetet, das auf die beiden Konzilien von Nizäa (325) und Konstantinopel (381) zurückgeht und im neuen Ritus durch das Apostolische Glaubensbekenntnis ersetzt werden kann. Darin bekennen wir unseren Glauben an den dreifaltigen Gott: Den allmächtigen Vater, der uns erschaffen hat; an seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Gott, der Mensch wurde aus der Jungfrau Maria und uns durch sein Leiden, seinen Tod, seine Auferstehung und Himmelfahrt erlöst hat. Wir glauben an den Heiligen Geist, der uns in den Sakramenten in der katholischen Kirche heiligt, an die Auferstehung der Toten, die Wiederkunft Christi, das Jüngste Gericht und das Ewige Leben. Im neuen Ritus folgen noch die Fürbitten für Papst, Bischöfe, Priester, die Kirche, die Regierenden, in besonderen Anliegen und für die Armen Seelen.

Beten wir oft das folgende Gebet, um die großen Gnaden der heiligen Messe besser in uns aufnehmen zu können: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir. Amen“.

P. Dr. Andreas Hirsch FSSP:

Foto: (c) R. Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *