Die Kirche sollte ihre Helden hoch halten!

Am 19. November 2016 hat Papst Franziskus 17 neue Kardinäle ernannt. Diese Kardinäle spiegeln, noch mehr als schon bisher, den Charakter der katholischen Weltkirche wider. Auch ein Brennpunkt des „Dritten Weltkrieges“, nämlich Syrien, bekam einen Kardinal.
Es war schon bisher so, dass bei Kardinalsernennungen neben Bischöfen, auch verdiente Männer die Kardinalswürde bekamen. Dieses Mal wurde ein einfacher Priester, der 88 jährige albanische Pfarrer Ernest Simoni zum Kardinal ernannt. Ihm war Papst Franziskus bei seinem Albanien-Besuch am 21. September 2014 begegnet.
Ernest Simoni ist ein Opfer der kommunistischen Unterdrückung, der die Verfolgung überlebt hat. Er ist ein leuchtendes Vorbild und ein wahrer Held, auf den die Katholiken der Weltkirche stolz sein können! Warum? Glaubenszeugen wie Simoni stellen so existentielle Fragen wie, woher nimmt ein Mensch die Kraft, brutale Unterdrückung, die Verweigerung aller Menschenrechte und selbst Folter zu ertragen ohne einzuknicken – jahrzehntelang? Wir bewundern zurecht die Bezwinger des Nangaparbat. Eine solche Expedition kann Wochen dauern. Wir bewundern die Ironmänner- u. frauen, die in 6-8 Stunden Wettkämpfe absolvieren, die 4 km Schwimmen, die Marathonstrecke von 42 km und noch 200 km Radfahren den Teilnehmern abfordern. Ernest Simoni hat von 1948 bis 1990 die brutale Unterdrückung des ersten atheistischen Staates der Welt ertragen, den der kommunistische Diktator von Albanien Enver Hodscha ausgerufen hat. Übrigens ein Hinweis dafür, was die Menschen in einem gottlosen Staat erwartet. Doch darüber reden die Gutmenschen von heute nicht.
Ernest Simoni wurde am 18. Oktober 1928 in Troshani/Albanien geboren. Mit zehn Jahren trat er in ein Franziskanerkolleg ein und nahm seine Studien auf. Er wollte Priester werden. 1948 wurde das Franziskanerkloster von den Kommunisten geplündert. Die Franziskaner wurden erschossen. Die Novizen wurden vertrieben. Das Kloster wurde in ein Folterzentrum für Gefangene umgewandelt. Simoni wurde vom Regime in ein verlassenes Nest in den Bergen geschickt. Er sollte dort Schulunterricht geben. Er nutzte aber die Möglichkeit, um die Menschen dort religiös zu unterrichten. Nach seiner Militärzeit (1953-1955) schloss er im Untergrund seine theologischen Studien ab und wurde zum Priester geweiht. Am Weihnachtstag 1963 verhafteten ihn die Kommunisten. Sie verurteilten ihn zum Tod, wandelten aber die Strafe in 25jährige Zwangsarbeit um. In der Kerkerhaft wurde Simoni zum geistlichen Vater und zum Bezugspunkt der Mitgefangenen. Am 27. Mai 1973 verurteilten ihn die Kommunisten als „Anstifter einer Revolte“ erneut zum Tode. Wegen des Eintretens seiner Mitgefangenen für ihn wurde aber das Urteil nicht vollstreckt. Kerkeraufenthalt und Zwangsarbeit dauerten insgesamt 18 Jahre. 12 Jahre davon musste er im Bergbau arbeiten. Nach der Haftentlassung 1981 galt er als erklärter „Feind des Volkes“. Er musste in der Kanalisation von Skutari bis zum Untergang des kommunistischen Regimes arbeiten. Nach der Befreiung forderte er nicht die Bestrafung der Unterdrücker, sondern setzte sich in ganz Albanien für die Aussöhnung seiner Landsleute ein.

Hubert Gindert

Bild: Centro Televisivo Vaticano Creative Commons

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