Reformer und Wegbereiter in der Kirche – Papst Pius V. 1566 – 1572

Historische Krisen werden bewältigt, wenn beherzte Persönlichkeiten dem Schicksal in die Speichen greifen und Gefahren abwenden. Das hat auch Papst Pius V. getan.
Als er 1504 in Norditalien geboren wurde, war die Kirche durch Verweltlichung und die sich bereits abzeichnenden Spaltungen von innen her bedroht. Und Europa war überdies durch die Angriffe der Türken von außen bedroht. Das zeigten schon die Eroberung Konstantinopels 1453 und die türkischen Massaker im süditalienischen Otranto 1480. Als die Türken 1571 eine riesige Kriegs-flotte ausrüsteten, drohte Europa die endgültige Niederlage und die unaufhaltbare Islamisierung. Papst Pius V. suchte eine Koalition christlicher Staaten zusammenzubringen, die bereit waren Europa zu verteidigen. Bei den langen und mühseligen Verhandlungen mit den europäischen Mächten ließ er sich durch keine Enttäuschung entmutigen. Den glorreichen Sieg, den der päpstliche Heerführer Don Juan de Austria am 7. Oktober 1571 schließlich erzielte, schrieb Papst Pius V. der Hilfe der Gottesmutter zu. Folglich führte er das Fest „Unserer Lieben Frau vom Siege“ ein, das heute noch weltweit am 7. Oktober als Rosenkranzfest gefeiert wird.
Pius V. war schon mit 14 Jahren in den Dominikaner-Orden eingetreten. Dort machte er Karriere in der Ordensleitung, als Inquisitor und bald auch als Bischof von Sustri. Das Endringen von kalvinischen Irrlehren aus der Schweiz verhinderte er erfolgreich. 1566 wurde er auf Vorschlag von Karl Borromäus zum Papst gewählt. Die Aufgaben, die ihm das Konzil von Trient hinterlassen hatte, ging er tatkräftig an. Zuerst gab er den neuen Katechismus, den Catechismus Romanus, heraus. Damit machte er deutlich, was katholische Lehre ist und er sorgte auch dafür, dass diese klar formulierten Glaubenswahrheiten im Volk bekannt wurden. Er gab auch ein neues Messbuch heraus, das für die ganze Kirche verpflichtend wurde. Das Volk sah in diesem Mann einen Heiligen auf dem Stuhl Petri. Pius V. pflegte einen sehr bescheidenen, ja fast ärmlichen Lebensstil. Gegenüber Bedürftigen war er sehr freigebig und gütig. Bei Prozessionen schritt er oft barfuß und ohne Kopfbedeckung mit. Seine erstaunlichen Erfolge in der Lehre sind auf seine Glaubwürdigkeit zurückzuführen. Die Römer meinten, dass es einen so frommen Papst noch nicht gegeben habe. Jeden Tag saß er an seinem Schreibtisch, bereit jeden, der zu ihm kommen wollte zu empfangen. Nepotismus und Korruption hatten in seiner Umgebung keine Chance. Da dieser Papst streng gegen sich war, strahlte er Glaubwürdigkeit aus. Die Priester und der Adel akzeptierten seine Entscheidungen problemlos. Das war auch nötig, um die Gefahren, die der Kirche und ganz Europa drohten, zu bestehen.
Papst Pius V. kämpfte stets mutig an verschiedenen Fronten. Die verfolgten Christen unterstützte er mit Bittprozessionen. Damit rückte er das Leid der Märtyrer und Bekenner in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Und er flehte den Himmel um Hilfe und Erbarmen an. „Er war ein Mann des Gebets, des öffentlichen und des privaten.“ (Richard Niedermeier). Eine Verehrung der hl. Eucharistie und eine strenge aber auch nüchterne Askese brachten dem Papst schon zu Lebzeiten den Ruf der Heiligkeit ein. Dennoch blieb auch er von Fehlentscheidungen nicht verschont. Auf Bitten der Kardinäle unterließ er den Verkauf antiker Kunstwerke, die er als heidnisch und wertlos betrachtete. Als er am 1. Mai 1572 starb, waren seine Mitarbeiter davon überzeugt, dass sich dieser Papst vor der Geschichte und vor Gott bewährt hat. Im Jahre 1712 wurde er heiliggesprochen.

Eduard Werner

Bild: kathpedia

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