Aus aktuellem Anlass hier noch einmal: Schuster bleib bei deinen Leisten!

Einige deutsche Bischöfe äußern sich öffentlich zu politischen Parteien, konkret zur Alternative Deutschlands (AfD). Zählen Stellungnahmen zur Parteipolitik zu den bischöflichen Aufgaben? Was sagt die Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil im Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe: „Bei der Erfüllung ihrer Aufgabe zu lehren, sollen sie den Menschen die Frohbotschaft Christi verkünden; Das hat den Vorrang unter den hauptsächlichen Aufgaben der Bischöfe … „Das Geheimnis Christi sollen sie ihnen unverkürzt vorlegen … (Ziff 12)“
Das Zweite Vatikanische Konzil äußert sich auch zu den Aufgaben der Laien, wenn es sagt: „Die Laien aber müssen den Aufbau der zeitlichen Ordnung als die gerade ihnen zukommende Aufgabe auf sich nehmen… unmittelbar und entschieden handeln… den Hirten obliegt es, die Grundsätze über das Ziel der Schöpfung und über den Gebrauch der Welt klar zu verkünden, sittliche und geistliche Hilfen zu gewähren, damit die zeitliche Ordnung auf Christus ausgerichtet werde“. (Dekret über das Apostolat der Laien, Ziff 7)
Es gibt also eine klare Abgrenzung der Zuständigkeitsbereiche und der jeweiligen Verantwortung für Bischöfe und Laien.
Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt warnt die Kirchenvertreter, die AfD pauschal als nicht wählbar für Christen zu bezeichnen. „Viel besser wäre es, wenn sie Maßstäbe und Kriterien herausarbeiten würden, nach denen Christen Parteien beurteilen können“ (Konradsblatt, 4 2017, S. 4). Und Patzelt an anderer Stelle: „Statt dessen habe ich den Eindruck, dass viele Kirchen den institutionellen bequemen Kurzschluss suchen.“ „Kirchenführer verbündeten sich mit politischen Führern und machten sich zu spirituellen und transzendentalen Handlangern politischer Gestaltungsarbeit“ gibt die Tagespost (14.1.17) Patzelt wieder.
Die Päpste haben die Grundsätze politischen Handelns in ihren Sozialbotschaften (Enzykliken) von Leo XIII. bis Papst Franziskus immer wieder vorgelegt. Die Bischöfe müssten sie nur mit den ihnen gebotenen Möglichkeiten unter die Leute bringen! „Politische Aufgaben sind nicht von der Kirche zu bewältigen, sondern Politik ist für andere Bereiche zuständig als die Religion“ (Patzelt, Tagespost, 14.1.17).
Wenn sich die Bürger von den etab¬lierten Parteien nicht mehr verstanden, in ihren Sorgen nicht mehr ernst genommen und vertreten fühlen, rühren sich Proteste und entstehen neue Parteien, die die Probleme ansprechen. Ob sie diese lösen können, ist eine andere Frage. Die Kirche kann hier nur zur fairen Auseinandersetzung – an beide – appellieren.
Der Vorwurf von Bischöfen, die die für sie geltende „Rote Linie“ überschreiten, könnte schnell zum Bumerang für sie werden, wenn ihnen z.B. vorgehalten wird, dass sie ihren primären Aufgaben nicht nachkommen und sich selber populistisch verhalten. Die Gescholtenen könnten zurückfragen, wann diese Bischöfe sich das letzte Mal klar zur Genderideologie und Frühsexualisierung der Kinder in staatlichen Schulen, zur Massenabtreibung, zur beschlossenen aktiven Sterbehilfe, zum Religionsunterricht, zur Präimplantationsdiagnostik etc. geäußert haben. Anders ausgedrückt, ob sie sich nicht selber auf dem Mainstreamzug bequem eingerichtet haben?

Hubert Gindert

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3 Antworten auf Aus aktuellem Anlass hier noch einmal: Schuster bleib bei deinen Leisten!

  1. Eduard Werner sagt:

    Wo steht dieser Kardinal? Parteien mit Kinderverstörung durch Gender-Unterricht, mit Beihilfe zur Sterbehilfe und mit Finanzierung der Massenabtreibung und mit Forderung nach Adoptionsrecht für Lesben und Transsexuelle hält er für wählbar. Diese Ziele von Parteien werden nicht bestritten. Doch der angebliche Antisemitismus, den er der AfD unterstellt, ist gar nicht bewiesen. Diese Verleumdung genügt ihm aber, um mit der Autorität seines Amtes vor der AfD zu warnen. Wo steht dieser Kardinal weltanschaulich? Katholisch ist das nicht!

  2. KH sagt:

    „Einige deutsche Bischöfe äußern sich öffentlich“

    Und was machen die anderen Bischöfe? Sie schweigen.
    Ist schweigen nicht auch Zustimmung?

  3. Johannes sagt:

    Deutsche Bischöfe gehen auf Distanz zur AfD

    Die katholische Bischofskonferenz hat das Programm der AfD scharf kritisiert. „Das populistische Vorgehen und viele inhaltliche Haltungen“ seien „nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx im Anschluss an die am Donnerstag beendete, viertägige Zusammenkunft.

    Aber das ist wohl mit dem christlichen Glauben vereinbar:

    Tötung tausender von Kindern vor der Geburt
    „Ehe für alle“ incl. Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare
    Erziehung der Kinder vom Kindergarten an zu Pornosklaven durch die Genderideologie

    Warum nennt Kardinal Marx nicht auch die Parteien beim Namen, die das zu verantworten haben?

    Man kann es nicht anders nennen: Verlogen! Verlogen Verlogen!

    Um den Preis, von einer dekadenten Gesellschaft akzeptiert zu werden, verraten die deutschen Bischöfe den christlichen Glauben.

    Es gibt aber noch weitere Aspekte zu bedenken:

    Auf katholisch.de konnte man lesen: Marx präzisierte, „das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen“ seien mit einer christlichen Perspektive nicht vereinbar: „Wir lehnen eine politische Einseitigkeit ab, die Antworten auf drängende Fragen in einer globalisierten Welt stets so gibt, dass es auf Abschottung und Rückkehr in längst vergangene Zeiten hinausläuft, die vermeintlich Sicherheit gewährleisten.“

    Was heißt denn „Schüren von Fremdenfeindlichkeit“? Wenn ich einen Fremden, aus welchem Grund auch immer, nicht in meine Wohnung lasse, dann bin ich doch nicht automatisch sein Feind.

    Gerade Kardinal Marx muss von Ängsten reden. Er selbst legt sein Bischofskreuz ab, weil er Angst vor einer Kritik seitens seiner muslimischen Gastgeber hat. Es geht auch nicht um irgendeine Angst, es geht um die Angst vor dem Islam und seiner Tötungsideologie. Soll Herr Marx doch mal den verfolgten Christen in islamischen Ländern sagen, dass sie keine Angst haben müssen. Sie brauchen doch nur ihr Kreuz verstecken, die Kirchen schließen und vielleicht sogar zum Islam übertreten, dann gibt es keinen Grund mehr, Angst zu haben.

    Und was soll denn die Kritik an der einseitigen Betonung nationaler Interessen. Erstens ist es keine einseitige Betonung, und zweitens ist es Pflicht jedes verantwortungsvollen Politikers, die Interessen des eigenen Landes in den Vordergrund zu stellen. Jeder Familienvater sorgt zuerst für die Interessen seiner eigenen Familie, und der hl. Paulus schreibt: „Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind“ (Gal 6,10). Und die Aussage, dass es um „Rückkehr in längst vergangene Zeiten“ geht, ist doch einfach hirnloses Geschwafel. Der Herr Kardinal mag wohl nicht die Zeiten, als Abtreibung noch nicht als Frauenrecht eingefordert wurde, als die „Ehe für alle“ noch als absurd empfunden worden wäre, als Eltern noch das Recht hatten, ihre Kinder nach ihren eigenen Vorstellungen zu erziehen und sie nicht einer menschenunwürdigen Indoktrination ausliefern mussten. Herr Kardinal, warum ziehen hier keine rote Linie?

    Die SPD will mit der Forderung nach der Öffnung der Ehe für Homosexuelle in den Wahlkampf ziehen.

    Das berichtet die „heute.de“-Redaktion des ZDF. Schwule und Lesben sollten nicht nur heiraten, sondern auch Kinder adoptieren können, heißt es aus der SPD-Zentrale. Kanzlerkandidat Martin Schulz (61) unterstütze die Forderung.

    Denn da Herr Kardinal, vermissen wir Ihre „rote Linie“, weil das wohl ganz auf Ihrer Linie liegt.

    Andererseits liest man im Programm der AfD folgendes zum Thema Familie:

    Bekenntnis zur traditionellen Familie als Leitbild
    Mehr Kinder statt Masseneinwanderung
    Diskriminierung der Vollzeit-Mütter stoppen
    Alleinerziehende unterstützen und Familien stärken
    Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene

    Um die deutschen Bischöfe auch nur ein wenig glaubwürdig erscheinen zu lassen, hätte Herr Marx doch diese positiven Ansätze im Programm der AfD erwähnen müssen.

    Aber es ist eben nicht weit her mit der Glaubwürdigkeit der deutschen Bischöfe. Das Motto lautet wohl:

    Kreuz verstecken und den Glauben politisch korrekt verbiegen.

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