Willi Graf und die Weiße Rose

Zum Kern der Münchner Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ gehörte auch der Medizinstudent Willi Graf. Er ist 1918 in Euskirchen in einer bewusst katholischen Familie geboren und in Saarbrücken aufgewachsen, wo er das Gymnasium besuchte und im katholischen Schülerbund „Neudeutschland“ aktiv war. Als diese Vereinigung 1936 aus politischen Gründen aufgelöst wurde, lehnte er es ab, in die staatliche „Hitler-Jugend“ einzutreten. Nach dem Abitur begann Willi Graf in Bonn sein Medizinstudium. Weil er sich auch dort weigerte in die HJ einzutreten und stattdessen in verbotenen katholischen Jugendgruppen aktiv war, kam er 1938 für drei Wochen in Untersuchungshaft. 1940 wurde er als Sanitäter zum Militär eingezogen. Dort erlebte er die Schrecknisse des Krieges, was seine Abneigung gegen das NS-Regime noch verstärkte. 1942 wurde Graf zur Fortsetzung seines Medizinstudiums nach München abkommandiert. Dort fand er rasch Kontakt zu Menschen, die aus christlicher Weltanschauung heraus das ganze NS-System ablehnten. Neben diesem Kreis um Prof. Kurt Huber, Carl Muth und Theodor Haecker traf Graf an der Universität auch Hans und Sophie Scholl und Alexander Schmorell, der schon seit Jahren mit Christoph Probst befreundet war. Die Studenten waren formal zwar unterschiedlicher Konfession, sie waren jedoch von ihrem Freundeskreis her katholisch geprägt. Daher hatten sie auch den Mut, ihre lebensgefährlichen Gedanken untereinander auszutauschen. Auch Hans Scholl soll noch kurz vor der Hinrichtung vergeblich nach einem katholischen Priester verlangt haben. Die Freunde waren von der Grausamkeit des Krieges und der Verlogenheit der NS-Ideologie so angewidert, dass sie dagegen etwas tun mussten. Sie riskierten für ihre Überzeugung ihr Leben. Das beweist den hohen sittlichen Wert ihres Opfers. Bei ihren höchst vertraulichen Gesprächen reifte der Plan, die Verbrechen der Nationalsozialisten wenigstens einer kleinen Öffentlichkeit bekanntzumachen.
Der einzige Weg dazu waren heimlich hergestellte Flugblätter. „Hitler muss fallen, damit Deutschland lebe“ hatte Christoph Probst auf ein Flugblatt geschrieben. Bei einer Verteilung von Flugblättern wurde Sophie Scholl in der Universität überrascht und verhaftet. In der Folge wurden auch Hans Scholl, Christoph Probst und Willi Graf festgenommen. Im ersten Prozess am 22.2.1943 wurden die Geschwister Scholl und Christoph Probst nach kurzer Verhandlung zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet. Im zweiten Prozess am 19.4.1943 wurden Prof. Kurt Huber und die beiden Medizinstudenten Alexander Schmorell und Willi Graf zum Tode verurteilt. Kurt Huber und Alexander Schmorell wurden am 13.7.1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Willi Graf wurde erst am 12. Oktober 1943 hingerichtet, weil man aus ihm Informationen herauspressen wollte.
Die Münchner Widerstandsgruppen wie die Weiße Rose, der Adolf von Harnier-Kreis und die Freiheitsaktion Bayern und andere waren im Widerstand nur die Spitze des Eisberges. Sie lehnten aus religiöser Überzeugung das NS-System ab und suchten unter Lebensgefahr für Wahrheit und Menschlichkeit einzutreten. Obwohl sie ihr Ziel nicht erreicht haben, sind sie ein bleibendes Vorbild für alle kommenden Generationen. Noch mehr Auflehnung hätte noch mehr Märtyrer bedeutet. Das kann niemand wollen.

Eduard Werner

Foto: G. Schwaiger in: Martyrologium I hrg von H. Moll S. 486-488

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