Das größte Fest der Christenheit Die liturgischen Feiern vom Gründonnerstag bis Ostern

Während in unserer westlichen Welt Weihnachten längst Ostern den Rang abgelaufen hat, ist für die Christen im Osten – wie etwa Griechenland und Russland – immer noch Ostern das höchste Fest, so wie es im Festkalender der Kirche sein soll. Selbstverständlich betont auch die Römische Kirche den Vorrang von Ostern. Aber wo begrüßen sich hierzulande schon die Menschen in den Tagen nach Ostern mit dem Ruf „Christus ist auferstanden“, wie es im Osten üblich ist?
Dennoch zeigt in der Kirche des Westens auch die Liturgie der drei österlichen Tage, des Triduums Paschale, dass hier das größte Fest der Christenheit begangen wird. Der Höhepunkt des Triduums ist die Osternacht, doch wird ihre Bedeutung dem Teilnehmenden nur dann wirklich bewusst, wenn er auch die gottesdienstlichen Feiern vorher mit echter innerer Anteilnahme besucht hat.
Der Gründonnerstag ist der Tag der Eucharistie und der Fußwaschung zugleich. Er lässt so die Hingabe Jesu Christi in das Leiden schon erahnen, den die Gläubigen am Karfreitag dann in all seiner Grausamkeit begegnen. Der Wert der Eucharistie wird in der Abendmahlsfeier nicht zuletzt dadurch ins Bewusstsein gebracht, dass an ihrem Ende der Altar leer geräumt wird und bis zur Osternacht keine Hostien mehr konsekriert werden. Nun bleibt für die nächsten Tage alles still, auch keine Wandlung der Gaben Brot und Wein in Christi Leib und Blut wird dann geschehen. Ebenfalls schweigen die Glocken und die Orgel.
Mit knarrenden Ratschen werden die Gläubigen zur Karfreitagsliturgie gerufen, wo der leere Altar gleich deutlich macht: „Es fehlt etwas“. Die liturgische Feier aber zeigt noch deutlicher: „Nicht etwas fehlt, sondern er, der Herr fehlt uns, weil er in den Tod gegangen ist.“ Sein Leiden wird in der Karfreitagsliturgie augenscheinlich – der Zwischengesang vor der Passion aus dem Philipperbriefhymnus macht es deutlich: „Er war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“, sodann die Johannespassion, die Jesu Weg nach Golgotha als bewusst gewählten Weg Gottes in das Leiden zum Zweck der Erlösung der Menschen beschreibt. Die Kreuzverehrung durch alle Teilnehmenden ist die Antwort des erlösten Menschen auf Gottes Handeln: Erschütterung und Dank.
Die Dunkelheit der Verlassenheit bleibt am Karsamstag bis zum Beginn der Osternacht, wo die Gottesdienstgemeinde sich zunächst um das Osterfeuer versammelt, an dem der Priester die Osterkerze als Zeichen für Christus entzündet. Mit dem Ruf „Lumen Christi“ oder „Christus, das Licht“ des Priesters oder Diakons wird die Kerze in die dunkle Kirche getragen und alle Teilnehmenden zünden von dieser Kerze, von Christus, ihre eigenen Lichter an. So ist die Kirche kaum erhellt, wenn der Priester oder Diakon das „Exsultet“ singt, das Osterlob, das eindrücklich in die Feier der Osternacht einführt und diese deutet.
Wenn der Priester nach den alttestamentlichen Lesungen das Gloria anstimmt, dann erwacht das blühende Leben in der Kirche: Die Orgel spielt mit allen Registern, die Kirchenglocken läuten, die Ministranten mit den Altarglocken – das ist das „Christus ist auferstanden“ in unserer römisch-katholischen Liturgie, das Zeugnis der ganzen Kirche, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, den Tod besiegt hat und lebt.
Weiter folgt die Messe der Osternacht fast dem ganz normalen Ablauf einer Sonntagsmesse – allerdings gibt es einen wichtigen Einschub: die Weihe des Taufwassers mit dem Eintauchen der Osterkerze und das anschließende Taufgedächtnis. Auch wird mitunter in der Osternacht das Sakrament der Taufe gespendet, was deshalb Sinn macht, weil in der frühen Kirche Ostern der generelle Tauftermin war. Aber auch das Taufgedächtnis mit dem Beten des Glaubensbekenntnisses – dieses hat auch in der Sonntagsmesse seinen Platz – macht am Ostersonntag neu bewusst, dass wir uns an jedem Sonntag durch das gemeinsame Sprechen des „Credo“ an unsere Taufe erinnern – eben durch das Bekenntnis, das im Grunde die Vorrausetzung für die Taufe ist.
Und nach den Fürbitten folgt wie in jeder heiligen Messe der Eucharistische Teil (liturgia eucharistica) – wo es gerade auch um Gottes Hingabe bis zum Tod und die Auferstehung geht. Die Hingabe wird nicht zuletzt beim Gebet des „Agnus Dei (dem Brotbrechen des Priesters mit dem Gebet „Lamm Gottes“) bewusst gemacht, doch auch der Sieg Gottes über den Tod und seine Gegenwart unter den Menschen – er ist ja präsent im gewandelten Brot und Wein – durchzieht die ganze Feier der Eucharistie. So ist die Osternacht als Eucharistie auch die Feier von der Hingabe Gottes, dem Tod Jesu, und seiner Auferstehung. Mit dem „Halleluja“ nach dem „Ite missa est – Gehet hin in Frieden“ nach dem Schlusssegen wird jedoch von Ostern bis Pfingsten auf den Sieg des Herrn über den Tod besonders hingewiesen – einen Sieg freilich, der ohne die Hingabe Gottes in Leid und Tod nicht gedacht werden kann.

Diakon Raymund Fobes

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Eine Antwort auf Das größte Fest der Christenheit Die liturgischen Feiern vom Gründonnerstag bis Ostern

  1. Weber sagt:

    In unserer westlichen Welt hat nicht Weihnachten Ostern den Rang abgelaufen, sondern beide christlichen Hochfeste sind von ihrer christlichen Bedeutung her für viele Zeitgenossen zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Weihnachten wie Ostern bedeuten für die meisten Menschen bezahlte Urlaubstage,Geschenke und gutes Essen, die Geburt unseres Herrn Jesus,seinen Tod und seine Auferstehung und deren zentrale Bedeutung für die Menschheit, werden nur noch von einer Minderheit emphatisch und mit Dankbarkeit nachempfunden. Selbst Christen, oder solche die sich dafür halten, kennen oft nicht mehr den Sinn dieser Hochfeste weil ihnen ihr Taufglaube nichts mehr bedeutet. Nein,nicht Weihnachten hat Ostern den Rang abgelaufen, sondern die Gleichgültigkeit und der Atheismus hat beide Hochfeste und ihre Botschaften durch Zeitgeistige Vergnügungen ersetzt und aus dem Bewusstsein der Menschen entfernt.

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