Die Schauungen der Anna Katharina Emmerick und der Therese Neumann im Vergleich

Die Schauungen von Anna Katharina Emmerich sind von Clemens von Brentano überliefert. Die Schauungen der Therese Neumann finden sich als zeitnahe Protokolle von ihrem Pfarrer Naber und ihrem Bruder Ferdinand. Wissenschafltiche Aussagen dazu lieferten Johannes Steiner und Gino Moretto.
Anna Katharina Emmerich
Clemens von Brentano
Die Krönung und Verspottung Jesu geschah in dem innern Hofe des Wachhauses, das über den Gefängnissen an dem Forum stand. Es war mit Säulen umgeben, und die Eingänge waren geöffnet. Es waren etwa fünfzig niederträchtige Schurken vom Tross, Knechte der Gefängniswärter, Schergen, Buben, Sklaven und Geißelknechte, welche bei dieser Misshandlung Jesu tätigen Anteil nahmen. Anfangs drängte sich das Volk heran, aber bald umgaben tausend römische Soldaten das Gebäude. Sie standen in Reih und Glied, höhnten und lachten und gaben dadurch der Prahlerei der Quäler Jesu allerlei Veranlassung, sein Leiden zu vermehren, denn ihr Gelächter und ihre Späße munterten diese auf, wie der Beifall die Schauspieler. Sie hatten den Fuß einer alten Säule in die Mitte gewälzt, es war ein Loch darin, worin sonst wohl die Säule mochte befestigt gewesen sein, darauf setzten sie einen niederen runden Schemel, der hinten eine Handhabe zum Anfassen hatte, und sie legten aus Bosheit spitzige Steine und Scherben darauf.
Sie rissen Jesus abermals alle Kleidung von seinem verwundeten Leibe und legten ihm einen alten roten, zerrissenen, kurzen Soldatenmantel um, der nicht an die Knie reichte. Es hingen hie und da Fetzen von gelben Quasten daran. Er lag in einem Winkel der Schergenkammer, und sie pflegten ihn den gegeißelten Verbrechern umzutun … Nun schleppten sie Jesu zu dem mit Scherben und Steinen bedeckten Stuhl und stießen ihn mit dem verwundeten, entblößten Leibe darauf nieder. Sie setzten ihm sodann die Dornenkrone auf. Sie war ein paar Hand hoch und dicht und künstlich geflochten und hatte oben einen vorstehenden Rand. Sie legten sie ihm wie eine Binde um die Stirne und banden sie hinten fest zusammen, da bildete sie einen Kronenhut.
Sie war aus dreifingerdicken, im Dickicht grad aufgeschossenen Dornenzweigen künstlich geflochten und die Dornen mit Absicht meist einwärts gedreht. Es waren dreierlei Stechdornen, solcher Art, wie man bei uns Kreuzdorn, Schlehdorn und Hagedorn hat. Oben hatten die Kronflechter einen vorstehenden Rand von einem Dorn wie bei uns von Brombeeren angeflochten, bei welchem sie die Krone anfassten und zerrten. Ich habe die Gegend gesehen, wo die Buben die Dornen geholt haben. – Sie gaben ihm ein dickes Schilfrohr in die Hand mit einem Busche oben. Alles das taten sie mit einer höhnenden Feierlichkeit, als krönten sie ihn wirklich zum König. Sie nahmen ihm das Rohr aus der Hand, schlugen heftig auf die Krone damit, das Blut füllte seine Augen; – sie knieten vor ihm nieder, streckten die Zunge vor ihm aus, schlugen und spien ihm in das Angesicht und schrien: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“ Sie warfen ihn unter Hohngelächter mit dem Stuhle um und stießen ihn wieder von neuem darauf. Ich vermag alle die niederträchtigen Erfindungen dieser Buben, den armen Heiland zu verhöhnen, nicht zu wiederholen. Ach! Er dürstete so entsetzlich, denn er hatte Wundfieber von der Zerfleischung durch die unmenschliche Geißelung, er zitterte, das Fleisch in den Seiten war hie und da bis auf die Rippen zerrissen, seine Zunge war krampfhaft zusammengezogen, nur das niederrinnende heilige Blut seines Hauptes erbarmte sich seines glühenden Mundes, der schmachtend geöffnet war. Die schrecklichen Menschen aber nahmen seinen Mund als Ziel ihres ekelhaften Auswurfes. So wurde Jesus etwa eine halbe Stunde misshandelt, und die Kohorte, welche das Prätorium in Reih und Glied umgeben hatte, lachte und jauchzte dazu.

Therese Neumann
Ferdinand Neumann
Resl: Die haben, weißt, das habe ich schon herausgekriegt, die haben gehetzt, weißt, die Gscheidseinwollerer, die haben denen etwas zum Trinken gekauft, dass die recht besoffen gewesen sind. Das hat man gesehen, ja, das ist mir nicht ausgekommen … Da ist dann so ein Gang hinter, da ist so ein Stein dagewesen. Da haben sie ihn hinauf gestellt. Dann haben sie ihm so einen Fetzen Mantel hinüber gehängt. Seine Montur (Kleidung) nicht angelegt. Den haben sie nur so darüber gehängt. So einen Fetzen Mantel hin. So die Hände zusammen gebunden, dann so einen langen gewachsenen Stengel in die Hände gegeben und dann hat sich der Heiland hinsetzen müssen. Da ist er recht matsch gewesen. Ach geh! Dann haben sie ihm die Dörner auf den Kopf hinauf. Die haben sie nicht angelangt. Das ist gewesen wie eine ganze Haube, nur oben ein bisschen offen.
Naber: Wie lange sind die Dörner gewesen?
Resl: Na ja, da ist eines, das hat man gesehen, sogar beim Auge heraus gestanden. Ach! Weißt, die sind auch da hinein gestochen worden bei der Stirne, das ist so herein gegangen. Hauptsächlich da halt haben sie so hinein gedrückt. Am Kopf, ach geh! Da hat mich der Heiland so arg gereut. Und da haben sie allerweil geschrien und gespöttelt. Oh, da sind auch viele Leute dabei gewesen.
Naber: Was haben sie denn geschrien?
Resl: Chela malka, chela malka de Judae (= Heil dir, König der Juden) schela sabodaeh meschech (sabodach messechie = dein Geschenk Messias) einfach fortan so geschrien. Oh! Und da hat der Heiland so gezittert, weißt, da sind die Hände so zusammen gebunden gewesen und da hat er so gezittert. Weißt, gefroren und wie Durst hat er gehabt. Da hat er allweil das Maul aufgemacht, der Heiland, da haben sie ihn einfach angespeit, spöttisch geredet alleweil, das hat ihm so weh getan.

31. Vision. Dornenkrönung
Die Dornenkrone besteht nicht, wie in den Darstellungen üblich, nur aus einem Kranz von Dornzweigen, sondern sieht orientalischen Kronen ähnlich, die nicht wie die bei uns üblichen offen, sondern geschlossen sind, einer Art Korb gleich, mit vielen spitzigen langen Dornen, der Jesus über das Haupt gestülpt und, damit sich die Knechte selbst nicht an den Dornen verletzen, mit Stöcken eingetrieben wird. Bei Therese durchbluten von da an die Wunden der Dornenkrönung das Kopftuch, auf dem neun besonders große Trocknungshöfe bei jedem Freitagsleiden an der gleichen Stelle auftraten.
(J. Steiner: Visionen der Therese Neumann S. 206f )
Forschung
Ergänzend zum gleichen Thema nach gerichtsmedizinischen Untersuchungen am Turiner Grabtuch:
In Richtung der Stirnmitte sehen wir ein kurzes Blutbächlein aus Venenblut in Form einer umgedrehten 3 (verursacht durch das Zusammenziehen des Stirnmuskels aufgrund des krampfartigen Schmerzes). Dieses Bächlein rührt von einer Verletzung der Stirnvene her (die sogenannte „vorbereitete“ Ader). Der Ablauf aller Verletzungen ist für alle Wunden auf die „Krönung“ des Verurteilten durch eine „Krone“ oder besser gesagt durch einen „Helm“ mit Dornenzweigen zurückzuführen. Diese Dornen sollen die vielen Stichwunden am Haaransatz verursacht haben, die die besagten Blutungen hervorriefen. Es handelt sich dabei um vitale Verletzungen, die als solche voraussetzen, dass der Mann des Grabtuches in dem Augenblick, in dem er von den Dornen verletzt wurde, noch am Leben war.
Weiter: Die Dornen, die den „Helm“ formten, der dem Mann des Grabtuches auf den Kopf gesetzt wurde, waren wahrscheinlich die Dornen, die die Botaniker unter dem Namen „Zizyphus spina Christi“ kennen. Sie sind besonders lang und spitz wie Nadeln. (G. Moretto: Das Grabtuch, S. 60, 66)
Qu: Gerhard Stumpf (Hrsg): Der katholische Glaube, Kraft für den Alltag,
ISBN 978-3-9814138-5-4, S. 185 – 189

Gisela Schinzel-Penth

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