Das Kreuz Jesu Christi – unsere einzige Hoffnung

In jeder Kirche, am Wegesrand in katholischen Gegenden auf dem Land und hoffentlich in unseren Wohnungen finden wir das Kreuz, das Zeichen unserer Erlösung. Wir wollen in diesem Artikel die vielfältigen Bedeutungen des heiligen Kreuzes Jesu Christi betrachten.
Der Tod am Kreuz bedeutet unsagbares Leiden. Viele Verurteilte verbluteten schon bei der grausamen Geißelung. Die durch die Nägel verursachten Wunden schmerzten furchtbar, der quälende Durst war unmenschlich und das Luftholen kaum möglich. Es dauerte oft Stunden bis der Tod eintrat. Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, nahm dieses Leiden aus Liebe zu uns auf sich. Jesus erlöst uns durch seinen Gehorsam am Kreuz, indem Er sein Leben für uns dahingibt und so die Strafe für unsere Sünden auf sich nimmt. Damit zeigt Gott seine Barmherzigkeit und Liebe und verwirklicht seine Gerechtigkeit. Jesus, der einzig Gerechte, stirbt stellvertretend für die Sünder (vgl. Jes 53). Er selbst kündigte immer wieder sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung (Lk 9,23-27; Mt 20,17-19) als Opfer für die Vielen zur Vergebung der Sünden an (Mk 10,45), damit die Schrift erfüllt werde (Jes 53 und öfter). So bringt Jesus uns Hilfe und Erlösung, indem Er am Holz des Kreuzes den Satan besiegt, der am Holz die ersten Menschen zur Sünde im Ungehorsam gegenüber Gott verführt hatte (Präfation vom heiligen Kreuz aus dem römischen Messbuch).
Diese Hilfe durch Jesus Christus bringt uns Leben durch die Sakramente der Taufe und der Eucharistie: „Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern ein Soldat stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus“ (Joh 19, 33f). So erfüllte Jesus sein Versprechen, das Er seinen Aposteln beim Letzten Abendmahl gegeben hatte: Das Kreuzesopfer Jesu Christi wird in der heiligen Wandlung jeder heiligen Messe sakramental und unblutig gegenwärtig: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (Lk 22,19). „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lk 22,20). Jesus ist gegenwärtig in seinem Leib und in seinem Blut, in seiner Gottheit und in seiner Menschheit. Er schenkt sich uns in der heiligen Kommunion. Das erfordert unsere Ehrerbietung, unsere Achtung und vor allem unsere Anbetung. Folgen wir dem Beispiel der Weisen aus dem Morgenland, die das Jesuskind in der Krippe auf den Knien anbeten (Mt 2,11), folgen wir Mose, der sich vor Jahwe im brennenden Dornbusch auf sein Angesicht wirft (Ex 3,4ff) und folgen wir den Seraphim im Himmel, die den allmächtigen Gott anbeten (Jes 6,1ff). Gehen wir mindestens jeden Sonn- und Feiertag zu unserem Heil in die heilige Messe, um Jesus Christus, unserem Herrn und Gott, die Ehre zu geben.
Die Teilnahme am Gottesdienst setzt sich in unserem Alltag fort: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten“ (Mk 8,34f). Das bedeutet, dass wir an unserem Platz die Nachfolge Jesu durch ein Leben nach seinen Geboten der Gottes- und der Nächstenliebe verwirklichen dürfen. Wir werden gestärkt durch die Sakramente, um einst mit Jesus ewig glücklich sein zu können.
Dafür ist der Glaube des Hauptmannes unter dem Kreuz eine große Hilfe, der auch uns in der heiligen Taufe geschenkt wurde und um dessen Vertiefung wir immer wieder Gott bitten müssen. Der Hauptmann bekannte zu Recht: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (Mk 15,39). In diesem Glauben schenkt uns Gott die Hoffnung, durch das Kreuz zur Auferstehung in der Nachfolge Jesu Christi gelangen zu können. Verbinden wir uns mit Christus und folgen Ihm nach: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,38). Durch seinen Tod am Kreuz offenbart Jesus seine Liebe zu uns Menschen: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage“ (Joh 15,13f).
Wenn wir betrachten, was Christus alles für uns getan hat, gelangen wir zu einer Reue über unsere Sünden wie der heilige Petrus: „Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich“ (Lk 22,62). Die Vergebung der Sünden erbittet uns Jesus vom Vater: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Bekehren wir uns wie der rechte Schächer am Kreuz (der heilige Dismas), den Jesus mit sich in das Paradies nimmt: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Im Glauben an den dreifaltigen Gott und einem entsprechenden Leben in Seiner Gnade dürfen wir die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten haben.
Jesus, der gekreuzigte und auferstandene Herr, will uns gerne diese Gnade schenken: „Dann sagte Er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas antwortete Ihm: „Mein Herr und mein Gott.“ Jesus sagte zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,27-29).
Vergessen wir auch nicht die Sehnsucht der Armen Seelen, die im persönlichen Gericht dem Richter Jesus Christus schon begegnet sind, Ihn aber noch nicht von Angesicht zu Angesicht schauen dürfen, da sie noch wie Gold im Schmelzofen von ihren Schlacken (Sündenstrafen) gereinigt werden müssen und sich vor Schmerz in ihrer Sehnsucht nach Christus verzehren. Ihnen helfen unsere Gebete und vor allem das heilige Messopfer als die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi.
Das Kreuz ist das heilige Siegel Jesu Christi, das Er uns in der heiligen Taufe, der heiligen Firmung und den heiligen Weihen einprägt sowie im Leiden, was wir erst im Himmel sehen dürfen. Dieses heilige Zeichen wird bei Seiner Wiederkunft am Himmel erscheinen: „Dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Mt 24,30). „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe“ (Lk 21,28). Jetzt und in der Zukunft, immer sollen wir wissen und gläubig annehmen, dass uns Jesus am Kreuz erlöst hat und unsere einzige Rettung ist. Vertrauen wir auf Ihn und nicht auf uns selbst. Halten wir uns am Kreuz fest, falls wir böse Versuchungen haben. Wenn Diabolus uns verwirren will, umarmen wir in Gedanken das heilige Kreuz und Gott wird uns immer helfen.
Bitten wir wie Jesus vor dem Ausatmen Seines Leidens: „Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lk 23,46). „Dann hauchte Er den Geist aus“ (Mk 15,37). Unsere Erlösung geschah durch das Leiden des Sohnes, in der Barmherzigkeit des Vaters sowie der Liebe des Heiligen Geistes: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass Er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16).
Wenn wir das Kreuzzeichen mit Innigkeit machen und uns dem dreifaltigen Gott ganz schenken, dürfen wir am Herzen des Vaters ausruhen und Er gibt uns Seinen Schutz: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen“.
„Maria, drück die Wunden, die Dein Sohn am Kreuz empfunden, tief in unsere Seelen ein“.

P. Dr. Andreas Hirsch FSSP

Bild: J.R. Porter: Jesus und seine Zeit, Orbis Verlag S.125

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