Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Gabriel Possenti (1838 – 1862)

Wie muss der Mensch sein, wenn er in unserer Welt etwas bewegen will? Wie viele Jahre braucht er, um sein Leben abzurunden und Vorbild für die Jugend zu sein?
Die Helden in der griechischen Frühzeit erwarben, wie Homer schildert, ihren Ruhm, wenn sie in der Blüte ihrer Jahre ihr Leben einsetzten und im Kampf verloren. Niemand hatte vor Alexander ein so großes Reich regiert wie er, der mit 33 Jahren starb. Adenauer zog sich 87jährig aus den politischen Ämtern zurück, als man den Wahlkampf mit dem Slogan „Der Alte muss weg“ führte. Menschen hatten die Maßstäbe für menschliche Größe festgelegt und nach menschlichen Messlatten strecken sich heute Menschen.
Anders ist es in der Kirche, die Jesus gegründet hat und der er sich eingestiftet hat. Jesus selbst ist der Maßstab für die Größe des Menschen für Zeit und Ewigkeit. Zu diesem Maßstab ist Maria die Pforte des Himmels.
Gabriel Possenti erblickte als elftes von 13 Kindern 1838 das Licht der Welt und wurde auf den Namen des hl. Franziskus im Dom San Rufino in Assisi getauft. Als er drei Jahren alt war, zog die Familie nach Spoleto. Im folgenden Jahr starb seine Mutter. Francesco erwählte sich jetzt Maria, die Mutter Jesu, zu seiner Mutter. Später wird er schreiben: „Ich glaube, dass alle Gnaden, die Gott uns zuteilt, durch Mariens Hände gehen und dass keiner in den Himmel kommt als nur durch sie, die die Pforte des Himmels ist… Ich glaube, dass die Verehrung Mariens ein ganz sicheres Zeichen des ewigen Heiles ist.“ In seiner Jugendzeit blieb er der Muttergottes treu und freute sich seines Lebens als Jugendlicher unter Jugendlichen. Mit seiner körperlichen Haltung und seiner sprühenden Intelligenz wusste er zu imponieren. Er ging mit der Mode, was die Kleidung anging, und fügte sich kameradschaftlich mit Freude und Fröhlichkeit in die ihn umgebende Gesellschaft ein. Er wusste seine Rolle als Stimmungsmacher, als Theaterspieler und Tänzer zu spielen und genoss seine Rolle im Zentrum der örtlichen Jugend. Für ihn schwärmten die Mädchen. Und viele sagten ihm eine große Karriere voraus.
Mit 16 Jahren erkrankte Francesco lebensgefährlich an einer Halsentzündung. Die Familie versammelte sich um den Kranken und flehte um Heilung. Francesco versprach, sich ganz Gott zu weihen, wenn er wieder gesund würde. Gott erhörte ihn.
Kurze Zeit darauf traf die Familie die Nachricht vom Tod seines Bruders Lorenzo und der Tod seiner Lieblingsschwester Maria Luisa. Francesco wurde nachdenklicher. Er erinnerte sich an sein Versprechen.
Am Oktavtag des Festes Mariä Himmelfahrt 1856 wurde die „hl. Ikone“, das hochverehrte Marienbild Spoletos, vom Erzbischof in feierlicher Prozession durch die Straßen und Gassen der Stadt getragen. Francesco befand sich unter den Menschen, die die Wege säumten. Als das Bild an ihm vorübergetragen wurde, glaubte Francesco, die Augen der Madonna würden plötzlich lebendig und schauten ihn an. In seinem Innern hörte er eine Stimme: „Auf was wartest du? Folge deiner Berufung!“ Nun war er fest entschlossen, ins Kloster einzutreten. Der Vater, voller Bedenken, beugte sich schließlich dem entschiedenen Willen des Sohnes. 1856 wurde Francesco mit dem Habit der Passionisten bekleidet und erhielt den Ordensnamen Gabriel von der schmerzhaften Muttergottes
Er legte mit 19 Jahren die erste Ordensprofess ab und begann das Studium der Philosophie. Bald litt er wieder an schweren Halschmerzen. Das Theologiestudium in Isola di Gran Sasso konnte er nicht mehr zu Ende bringen. Er empfing noch die die vier niederen Weihen und starb am 27. Februar 1862 an Tuberkulose. „Ja, es wird in den Himmel gehen, um uns im Himmel mit Jesus und mit unserer lieben Mutter ewig zu freuen. O selige Zeit, wann wird sie kommen?“ (Zitiert nacg Ferdinand Holböck, Geführt von Maria. Marianische Heilige aus allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte, S. 490). Früh kam diese ersehnte Zeit für ihn.
1920: von Benedikt XV. heilig gesprochen. 
Quelle: http://www.passionisten.de/heilige/index_possenti.htm;

Gerhard Stumpf

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