Das ZdK und die heilige Katharina von Siena

Die heilige Dominikanertertiarin Katharina von Siena ist wohl die Frau in der Kirche, die ohne ein Adelsprädikat den größten Einfluß ausgeübt hat, der je einer Laiin zugekommen ist. Sie ermahnte Päpste, Kaiser, Könige und Fürsten und einen großen Teil des Klerus. Ihr berühmtes „voglio“ (ich will) wurde salopp gesagt zu einem Markenzeichen ihrer Briefe. Wie kam diese aus dem Mittelstand stammende Färberstochter zu diesem großen Einfluß, der darin gipfelte, dass sie den Papst aus der „babylonischen Gefangenschaft“, in die die französischen Könige die Päpste nach Avignon gebracht hatten, befreite und ihn nach Rom zurückführte? Katharina wurde zur Kirchenlehrerin erhoben und ist Patronin Italiens.
Sie wurde dieses nicht, weil sie personliche Ansprüche und Forderungen an die Kirche stellte oder weil sie die „Teilhabe an der Macht im Amt“ von einem Gremium einfordern ließ, das von sich sagt, es würde die katholischen Laien vertreten. Sondern sie wurde das, was sie war, weil sie den mühsamen und dornigen Weg nach oben zur Heiligkeit ging nach dem Gebot des Apostels Paulus: „Wirkt euer Heil mit Zittern“, d.h. mit Demut, Sanftmut und all den geistlichen Tugenden, mit denen Christus in den Seligpreisungen der Bergpredigt (Matth 5) uns allen den Weg zum Himmel gewiesen hat. Sie ging mit heiliger Konsequenz, die auch viele Schmerzen und Opfer mit sich brachte, den Weg zur Heiligkeit, in dem sie sich ganz Christus anvertraute mit allem, was sie war und nichts zurückbehielt. Sie lebte aus der Buße, dem Gebet und der Anbetung und aus dem Wunder der Eucharistie. Ein Teil ihres Geheimnisses war der unbedingte Gehorsam der Kirche gegenüber, den sie unermüdlich von allen einforderte. Sie lebte wie alle Mitglieder des Dominikanerordens, Patres, Schwestern und Laien den apostolischen Auftrag des Predigerordens „contemplare et contemplata aliis tradere“. Sie wurde für die Laien eine Wegweiserin zur Heiligkeit und zur „Macht der Kinder Gottes“, die nur denen gegeben ist, die Christus in ihr Herz aufnahmen und so mit ihm lebten. (Prolog zum Johannesevangelium) Nicht sie lebte mehr, sondern Christus lebte in ihr. Sie war eine wahre Dienerin Christi und der Kirche und damit auch der Menschen.
Was hat das nun alles mit dem Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland zu tun? Am 29.April diese Jahres, dem Fest der heiligen Katharina von Siena, beging das ZdK zum zweiten Mal den Tag der Diakonin und beruft sich damit auf die heilige Dominikanerlaiin für die Einforderung des geistlichen Amtes für Frauen, damit endlich in der Kirche die Gleichberechtigung verwirklicht wird. Das diese Frage der Teilnahme von Frauen am Weiheamt der Kirche endgültig für alle Zeit vom seligen Papst Johannes Paul II. entschieden wurde, stört das ZdK so wenig wie einige Bischöfe, wie die jüngsten Forderungen des Vorsitzenden der DBK nach einem Diakoninnenamt beweisen, die allerdings vom Bischof von Regensburg zurückgewiesen wurden mit Hinweis auf die endgültige Entscheidung des päpstlichen Lehramtes und ihre theologische Begründung und mit Hinweis auf die wichtige Stellung der Frau auch im Herzen der Kirche, wie sie viele geistliche Frauen bekleiden.
Hier soll nun wirklich einmal Klartext geredet werden. Das ZdK wird nach aussen hin von Politikern der verschiedenen Parteien, vor allem aber der mit dem „C“ repräsentiert – zumindest besteht in weiten Kreisen der Bevölkerung dieser Eindruck -, die dort offensichtlich den Ton und die Marschrichtung vorgeben. Sie handeln natürlich wie Politiker und betrachten die Kirche vornehmlich unter gesellschaftspolitischen Blickpunkten. Ihre ständig wiederholten Forderungen ergeben sich aus der gesellschaftspolitischen Diskussion zur Gleichberechtigung der Frau, zur Sexualität und anderen Fragen. Diese Themen werden unter dem Druck der Medien ständig der Kirche und der Bevölkerung wieder serviert und die Politiker des ZdK, die wie alle Politiker sich nach Mehrheiten richten müssen, damit sie bzw. ihre Parteien wieder gewählt werden, reagieren politisch. Das heißt, dieser Zwang, den Blick auf die Mehrheiten und den Zeitgeist zu richten ist den Politikern und allen, die in der Kirche so handeln, zur zweiten Natur geworden. Dabei muß zunächst einmal festgestellt werden, dass hier eine völlig falsche Auffassung vom Weihehamt und seinen Trägern vorliegt. Es geht nicht um weltliche Macht, an der die Frauen beteiligt werden müssen, sondern um das geistliche Handeln in Stellvertretung Christi, zu dem Jesus nur Männer berufen hat. Die Frage der „Teilhabe an der Macht“ ist eine politische Frage und keine Frage des christlichen Glaubens. Papst Johannes Paul II. hat das so ausgedrückt, dass es im Himmel nicht auf die Machthaber und Amtsträger ankommt, sondern nur auf die Heiligen. Wir werden als Christen, Männer wie Frauen, nach dem Maße von Gott beurteilt, nach dem wir uns von Christus haben heiligen lassen.
Es ist geradezu eine unglaubliche Pervertierung ( auf deutsch: Verkehrung) der Sendung und von Wort und Tat der heiligen Katharina von Siena, die streng den Gehorsam der Kirche gegenüber von allen eingefordert hat und dafür bereit war, ihr Leben hinzugeben, weil sie eben durch die Tür, die Christus allein ist, eintrat und somit ihr Ziel, den Himmel erreichte.
Das ZdK will mit vielen in der Gesellschaft die politische Türe benutzen und kommt damit auf den Weg, der nach unten führt.
Hier hat Papst Franziskus am 22. April in der morgentlichen Messe in der Kapelle des „Domus Sanctae Marthae“ vor Angehörigen des vatikanischen Presseamtes und Technikern von Radio Vatikan überdeutliche und drastische Worte gebraucht in der Auslegung des Evangeliums vom guten Hirten und der Tür zu den Schafen. „Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.“ (Joh10,1-10)
Die einzige Tür zum Himmelreich, zur Kirche ist Jesus selbst, sagt der Papst. „Wer anderswo einsteigt, will nur den Profit für sich selbst: einer ( eine) der (die) aufsteigen will.“
„Auch in den christlichen Gemeinden gibt es diese Aufsteiger, nicht? Karrieristen, die nur das Ihre suchen und bewusst oder unbewusst so tun, als träten sie ein. Doch sie sind Diebe und Räuber. Warum? Weil sie Jesus die Herrlichkeit stehlen, ihre Herrlichkeit wollen, und das ist es, was er den Pharisäern sagte: Ìhr reicht euch die Herrlichkeit gegenseitig herum´. eine Religion, die ein wenig wie eine Geschäftemacherei ist, nicht? Ich gebe dir die Herrlichkeit und du gibst sie mir. Doch diese Leute sind nicht durch die wahre Tür eingetreten. Die Tür ist Jesus und wer nicht durch diese Tür eintritt, macht einen Fehler“, so Papst Franziskus und er fährt fort: „Und wie weiß ich, dass diese Tür die Tür Jesus ist? Nun, nimm die Seligpreisungen und tu, was sie sagen. Sei demütig, sei arm, sei sanftmütig, sei gerecht….Jesus ist nicht nur die Tür. Er ist der Weg, die Straße. Es gibt viele Pfade, die vielleicht vorteilhafter sind, um anzukommen. Doch sie täuschen sich, sie sind nicht wahr, sie sind falsch. Die Straße ist alleine Jesus.“
Das ZdK benutzt die Heiligkeit Katharinas ,um auf der vorteilhafteren Strasse und um Umgehung ihres Weges zu einem ähnlichen Ziel zu kommen, dass nicht durch die Tür, die Jesus ist, erreicht werden soll und kann, sondern durch Druck auf der gesellschaftspolitischen Straße. Aber diese führt nicht zum Ziel sondern ganz woanders hin. Auch dieses Vorgehen ist eine Art von Diebstahl und Raub. Man will die Heiligkeit von Katharina von Siena stehlen und sie für die eigenen Zwecke und „politischen“ Ziele zu verwenden, für den eigenen Profit, wie der Papst sagt.
Christus hat sich mit seiner Kirche identifiziert; nicht nur dem Saulus gegenüber vor Damaskus sondern auch ausdrücklich seinen zwölf Aposteln gegenüber: „Wer euch hört, hört mich.“
Es ist erschütternd, dass Mitglieder von katholischen Gremien dieses nicht mehr wissen oder wissen wollen. Oder ist Ihnen das Wort Christi und seines Stellvertreters auf Erden nicht mehr so wichtig? Wer immer noch glaubt, dass solche Ziele und solches Vorgehen in der Kirche Zukunft haben, der sollte dringend das Buch des sehr erfahrenen und für einen Beobachter der römischen Kirche ungewöhnlich kenntnisreichen Vatikanisten John.L.Allen lesen: „Das neue Gesicht der Kirche. Die Zukunft des Katholizismus“. Dort wird schlüssig dargelegt, dass die Kirche in unseren Breiten mit solchen Zielen auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit ist und die Kirche sich mehr und mehr auf die südliche Erdhalbkugel konzentrieren wird, wo sie blüht und wächst.
Die Kardinäle haben sicher deswegen einen Papst aus Lateinamerika gewählt, damit dieser die Kirche auch bei uns wieder auf den Weg, der Christus ist, den Weg der Nachfolge führt wie seine Vorgänger aber aus dem aussereuropäischen Blickwinkel heraus. Und täglich weist uns Papst Franziskus mit deutlichen und sehr volksnahen Worten den Weg aus unseren Fehlhaltungen heraus. Wir wollen hoffen, dass sie auch im ZdK gehört und befolgt werden.

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Das ZdK und die heilige Katharina von Siena

  1. Marianne Jöst sagt:

    Sehr geehrtes Team, Forum deutscher Katholiken !
    Dieses ganze Querdenken hat einen Grund. Sie hören nicht mehr auf den Nachfolger des hl. Petrus, sie wollen machen was sie wollen, selber machen. Sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist mit dabei. Ich leide oft in Gedanken darunter. Nur der hl. Geist, wenn wir ihn anrufen, jeden Tag ,wird uns aus dieser Verwüstung herausführen. Ich bin froh, dass es das Forum Deutscher Katholiken gibt. Gott sei Dank. Ich lese den “ Fels “ in der Brandung. Es grüßt und bittet um den hl. Geist
    Ihre Marianne Jöst

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