Von der verlorenen ewigen Heimat

Ein Kennzeichen des modernen säkularen Menschen ist seine Ortlosigkeit. Er ist ein Leben lang heimatlos unterwegs. Damit ist nicht gemeint, dass er als Jugendlicher aus dem Elternhaus auszieht, an verschiedene Orte geht, weil er eine Familie gründet oder den Arbeitsplatz wechselt und am Lebensende schließlich in ein Seniorenheim kommt. Denn diese Wohnungswechsel spiegeln nur den Lebensablauf wider. Gemeint ist auch nicht die Antwort auf die alte und erste Katechismus-Frage: „Wozu sind wir auf Erden?“. Die Antwort lautet: „Wir sind dazu da, um den Willen Gottes zu tun und dadurch in den Himmel zu kommen“. Es ist vielmehr das verlorengegangene Bewusstsein von der ewigen Heimat, die diese rastlose Heimatlosigkeit ausmacht.
Auch der gläubige Mensch geht auf seiner Wanderung zum Ziel, das uns Christus durch seinen Tod und Auferstehung eröffnet hat, Wegstrecken, die von Dürre und Unsicherheit gekennzeichnet sind. Es geht ihm wie Abraham, der auf den Ruf Gottes hin aufbrach in ein Land, das er nicht kannte. Aber er wusste sich von Gott gerufen und deswegen auch gehalten. Dieses Bewusstsein ist dem modernen Menschen abhandengekommen, und er ist ruhelos auf seiner Jagd nach stets neuen Events, Urlaubsparadiesen – und nach einem Erlöser. Diese säkulare Gesellschaft sehnt sich nicht so sehr nach dem Messias, der vor 2000 Jahren gelebt hat und für uns am Kreuz gestorben ist. Sie kommt aber auch nicht ganz ohne einen solchen aus. Eine politische Partei glaubt jetzt einen gefunden zu haben. Und Medien sprachen tatsächlich vom „neuen Messias“ dieser Partei.
Was der säkulare Mensch von der christlich geprägten Kultur übernimmt, dem nimmt er den ursprünglichen Sinn: Kirchen sind dann nicht Stätten der Anbetung und Verehrung Gottes, sondern Gebäude, in denen hohe Kunst zu bewundern ist – Besichtigungsobjekte. Die staunenden Betrachter lauschen den Worten des Fremdenführers, wie Gläubige den Predigern des Wortes Gottes. Die Fastenzeit befreit nicht mehr von diversen Abhängigkeiten, die uns den Blick auf Gott hin versperren. Sie wird umfunktioniert mit dem Ziel, Pfunde zu verlieren und dadurch zu körperlicher Fitness und guter Figur zu kommen.
Was ist zu tun? Wir sollten uns wieder an die Größe des Menschen und unsere Berufung, wie Gott sie gemeint hat, erinnern. Dann entsteht durch ganz „normale“ Menschen, wie Johannes Bosco, Adolf Kolping oder Mutter Teresa ein großes Werk. Wie kann das geschehen, wird jemand fragen. Die Antwort ist jene, die Maria bekam, als sie den Engel befragte: Durch die Kraft des Heiligen Geistes, der uns an Pfingsten verheißen ist

Hubert Gindert

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