Dem angemaßten Machtanspruch widerstehen!

Mühsam hat sich die Zivilgesellschaft zum Grundsatz durchgerungen: Selbst rechtskräfig Verurteilte sollen eine zweite Chance bekommen und resozialisiert werden. Nach verbüßter Strafe dürfen sie nicht mehr als Kriminelle behandelt werden. Das gilt für kleine Ganoven, ebenso wie für Steuerhinterzieher im großen Stil.
Die Kirche kannte die Rehabilitierung seit Jesus, der Sünder mit dem Spruch: „Gehe hin und sündige nicht mehr!“ in ein neues Leben entlassen hat. Was die Kirche fordert, sind Einsicht, Reue und Wiedergutmachung des Schadens, als Zeichen dafür, dass man auf den rechten Weg zurückzukehrt.
Wer eine zweite Chance verweigert, schließt Resozialisierung und damit die Möglichkeit aus, die Fähigkeiten zu entfalten: Es ist so, wie wenn ein Künstler keine Werke mehr schaffen darf oder ein Literat Schreibverbot bekommt. Insofern kommt das Urteil eines Journalisten: XY „hat sich dauerhaft disqualifiziert“ einer Art Todesurteil gleich. Ist das nicht Anmaßung?
Ob Uli Hoeneß wieder Präsident von Bayern München werden konnte, nachdem er seine Strafe wegen Steuerhinterziehung abgeleistet hatte, hatten die dafür zuständigen Gremien des Fußballclubs Bayern München zu bestimmen, nicht aber die Journalisten. Die Gremien haben das mit deutlicher Mehrheit getan.
Ob ein Politiker, der rehabilitiert ist, auf die politische Bühne zurückkehren kann, entscheiden die zuständigen Gremien und schlussendlich die wahlberechtigten Bürger, nicht aber die Medien. Das gilt auch für den Fall der Christine Haderthauer. Sie wurde in der „Modellbauaffäre“ „voll umfänglich rehabilitiert“, wie der Vizechef des Untersuchungsausschusses erklärte. Dieser Ausschuss hat den Fall in 37 Sitzungen geprüft und 81 Zeugen verhört. „Alle Vorwürfe konnten voll umfänglich ausgeräumt werden“. Dazu Ministerpräsident Horst Seehofer: „Ich sehe keinen Anlass, dass sie ihre politische Karriere beenden soll.“ Das Strafverfahren gegen Haderthauer sei so ausgegangen „dass sie durchaus weiter Politik machen kann, aus meiner Sicht auch machen soll“. (Augsburger Allgemeine Zeitung, 21. Februar 2017).
Wieso kommt der Journalist Henry Stern zu dem Urteil „Haderthauer hat sich dauerhaft disqualifiziert“? (AZ 21.2.17). Da darf spekuliert werden. Sollte der „Ex-Zukunftshoffnung“ der CSU rechtzeitig ein Bein gestellt werden, bevor die Aufstellungsgremien der Partei für die Landtagswahlen das ausschließlich ihnen zuständige Wort darüber sprechen, ob sie Haderthauer für eine geeignete Kandidatin halten? Bei der bekannten Einstellung der Journalisten zu den politischen Parteien könnte es schon eine Rolle spielen, eine „Zukunftshoffnung“ der CSU rechtzeitig auszubremsen. Es gibt einen zweiten denkbaren Grund für das Urteil „dauerhaft disqualifiziert“. Von Haderthauer – wie übrigens auch von Uli Hoeneß – ist bekannt, dass sie nie devot mit Medienleuten umgegangen sind. Nun sehen sich manche Medienvertreter als „vierte Gewalt“, die ex cathedra bestimmt, was sein darf und was keinesfalls geht. Die journalistische Freiheit ist aber dafür gedacht, dass die Medien frei und objektiv berichten können, was ist, nicht aber was aus ihrer Sicht sein soll. Diese selbstangemaßte Macht wird von Bürgern, die nicht vor den Medien katzbuckeln, infrage gestellt. Das ist wohl das eigentliche Problem mancher Medienleute.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Dem angemaßten Machtanspruch widerstehen!

  1. Herbert Klupp sagt:

    Wer kennt sie schon persönlich, den Uli Hoeneß oder die Christine Haderthauer bspw ? Wir alle ( fast alle, sagen wir 99,99% der Menschen ) „kennen“ solche „Promis“ nur aus dem Fernsehen, von ARD, ZDF und den anderen gleichsam „nachgeschalteten“ Medien. Man muß schon sehr ausgefuchst „zwischen den TV-Zeilen“ mitdenken, um die raffiniert zusammengestellten Einseitigkeiten zu durchschauen. Wir machen uns alle gar nicht genug klar, wie mächtig unsere Haupt-TV-Anstalten durch ihre Bildermacht sind. Sie haben das Geld, um ihre Bilder ( filmische Beiträge, wo man ja den „wahren Uli Hoeneß doch sieht, wirklich sieht, nicht wahr ? ) überzeugend zu gestalten. Daß diese Bilder perfekt selektiert sind aus einer hundertfach größeren Menge, daß der dazugehörige im Hintergrund gesprochene Text gar nicht dem Bild entsprechen muß – das ist für Otto Normalverbraucher kaum zu durchschauen. Was der seriöse Sprecher sagt, und wenn dann das Bild dazu paßt, dann wird es geglaubt. Unser Weltbild haben wir nicht mehr durch unser eigenes Erleben gebildet und geformt, sondern immer schon durch die „Brille“ der TV-Macher. Wehe, wenn sie nicht neutral sind ( oder es zu sein versuchen ) Wehe, wenn sie parteilich agieren. Dann haben wir eine extrem wirksame Schieflage bezüglich Wahrheit und Wirklichkeit. Und genau so ist es.

  2. Mathias Wagener sagt:

    Sie haben in den beiden aufgezeigten Fällen den Kern der „Disqualifizierung“ deutlich benannt. Sie hatten sich gegenüber der real existierenden vierten Gewalt nie devot verhalten und Frau Haderthauer hatte das falsche Parteibuch aus Sicht der ganz überwiegenden Linkspresse. Die Mainstreammedien bestimmen, was geschehen ist bzw. was eben nicht geschehen ist, stellen die Sachverhalte in ein ganz queres Licht, das z.B. aus Wahlverlierern Sieger macht und fallen ab und zu gern einmal auf einen Fake hinein.

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