Albert Coppenrath – ein konsequenter Priester

Während die Priester, die unter dem Nationalsozialismus und unter dem Kommunismus sterben mussten, als Märtyrer im Martyrologium des 20. Jahrhunderts „Zeugen für Christus“dokumentiert sind, sind die überlebenden Helden dieser Katastrophe heute weithin vergessen. Zu diesen vergessenen Helden gehört auch der Münsteraner Pfarrer Albert Coppenrath (1883 – 1960). Als Spross der berühmten Verlegerfamilie Coppenrath wuchs er von Kindheit an in die katholisch geprägte Umwelt Westfalens hinein. Nach dem Abitur studierte er in Innsbruck Theologie und wurde 1908 in Münster zum Priester geweiht. Nach mehreren Kaplansjahren kam er 1929 an die Kirche St. Matthias in Berlin, um dort als Nachfolger seines berühmten Vorgängers Clemens August Graf von Galen zu wirken. Um als Seelsorger alle Gemeindemitglieder ansprechen zu können, gab er sich zunächst als politisch neutral. Aber schon in der zweiten Jahreshälfte 1933 musste er in seinen Kanzelvermeldungen und Predigten gegen Übergriffe der Nationalsozialisten protestieren. Coppenrath kritisierte die Politik der Hitler-Jugend und die Rassenpolitik Alfred Rosenbergs. Die Folgen waren ständige Überwachung, Hausdurchsuchungen und Polizeiverhöre. Dramatisch gestaltete sich seine Situation, als anlässlich des angeblichen Röhm-Putsches am 30. Juni 1934 in Deutschland weit über 100 Personen im Auftrag des NS-Regimes ermordet wurden. Unter den Toten war auch der Berliner Katholikenführer Ministerialdirektor Dr. Erich Klausener, der in Coppenraths Pfarrei lebte und dort auch ehrenamtlich Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Als die Nachricht vom Tod Klauseners eintraf, eilte Pfarrer Coppenrath sofort mit Frau Klausener in das Verkehrsministerium, wo die Leiche lag. Die Polizei verweigerte dem Priester und der Witwe nicht nur den Zutritt ins Büro, sie bedrohte sogar den Priester und die Witwe und streuten gleich das Gerücht aus, Klausener habe Selbstmord verübt. Dagegen protestierte Pfarrer Coppenrath und nannte die Selbstmordversion der Polizei eine Lüge, obwohl sehr rasch auch Adolf Hitler die Selbstmordversion verbreitete. Diese falsche Darstellung des Reichskanzlers Hitler öffentlich eine Lüge zu nennen, war gefährlich. Es ist erstaunlich, dass Pfarrer Coppenrath in diesem ständigen Nervenkrieg mit den National­sozialisten nur kürzere Gefängnisaufenthalte verbüßen musste und der Vernichtung in einem KZ doch entging. Andere Priester kamen schon für „harmlosere Äußerungen“ ins KZ. Den Spitzeln, die im Auftrag der Polizei seine Predigten heimlich mitschrieben, sagte er ganz offen: „Ich will Euch die mühevolle Sonntagsarbeit ersparen. Ihr könnt meine Texte für zehn Pfennig kaufen. Dieses Geld kommt der Armenfürsorge zugute.
Erst am 21. Februar 1941 verfügte das Reichssicherheitshauptamt ein Aufenthaltsverbot für Coppenrath auf dem Gebiet des Bistums Berlin. Coppenrath kam schließlich als Seelsorger an das St. Rochus-Hospital im westfälischen Wallfahrtsort Telgte, wo er bis zu seinem Tod 1960 blieb. In Telgte war Coppenrath auch schriftstellerisch tätig. U.a. veröffentlichte er das Buch: „Meine Kanzelvermeldungen und Erlebnisse im Dritten Reich“. In dieser bedrohlichen NS-Zeit schenkte Gott der Kirche Priester mit außergewöhnlicher Klugheit, Tapferkeit und Glaubenstreue. Dieser Einsatz unter steter Lebensgefahr verdient unser dankbares Gedenken.

Eduard Werner

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