Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Johannes Eck

Auch in der Erinnerung an die Reformationszeit geht es um Wahrheit. Berichte über die Reformation oder über Martin Luther, nur der Ökumene wegen mit positiven Vorzeichen zu versehen, wird dieser Forderung nicht gerecht.
In der damaligen Auseinandersetzung hatte Luther einen katholischen Gegenspieler, der zugleich ein Reformer der Kirche war, und der gerade in diesem Jahr erwähnt werden muss: Johannes Eck. Er wurde 1486 im schwäbischen Eck an der Günz geboren. Eck war Professor der Theologie an der bayerischen Landesuniversität in Ingolstadt.
Eck verfasste 1517 eine Stellungnahme mit 18 Punkten zu den 95 Ablassthesen Luthers. Das war der Beginn seiner Auseinandersetzung mit ihm. 1519 kam es zur bekannten Disputation in Leipzig zwischen Eck und Luther. Themen waren der Primat des Papstes und die rechte Auslegung der Heiligen Schrift. „Während Luther mit Berufung auf Paulus nur Christus – und nicht Petrus – als Haupt der Kirche ansah (1,Kor 1,12), argumentierte Eck mit Mt 16,18. ‚Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen‘“. Eck bekräftigte seine Aussage mit dem Zeugnis von Kirchenlehrern, Dekreten von Päpsten und Konzilsentscheidungen. Luther ließ sich davon nicht überzeugen. Er blieb bei seiner Behauptung, das Petrusamt sei nicht von Jesus Christus eingesetzt. So stand bereits in Leipzig das protestantische „Sola-Skriptura-Prinzip“ (die Heilige Schrift allein) der katholischen Einheit von Schrift und Tradition unversöhnlich gegenüber. „Die Kirche war für ihn (Eck) notwendig, um die Schrift in rechter Weise auszulegen“. Luther musste zugeben, dass „die Schrift nicht immer eindeutig sei“. „In Leipzig wurden die Fronten geklärt“. Eck kommt nach dem katholischen Kirchenhistoriker Erwin Iserlohn das Verdienst zu, „angesichts der dogmatischen Unklarheit seiner Zeit deutlich gemacht zu haben, dass Luther nicht Reform, sondern Angriff auf die Struktur der Kirche bedeutete“.
Eck sah auch die Missstände, die sich in der Kirche seiner Zeit ausgebreitet hatten und er wurde zum Wegbereiter notwendiger Reformen, z.B. durch Schriften zum Primat des Papstes, zum Bußsakrament, zum Opfercharakter der Messe und insbesondere durch sein Enchiridion (Handbuch). Eck konnte so die Irrtümer Luthers widerlegen. Ecks Strategie war also „Abwehr und Erneuerung“. Auch bei seinen Aufenthalten in Rom setzte sich Eck für die Kirchenreform ein. Er hatte dabei die Unterstützung des bayerischen Herzogs. „In zwölf Denkschriften kritisierte Eck freimütig Missstände der Kurie und des Ablass- und Benefizienwesens und schilderte seine Reformideen: Auf Provinzial- und Diözesansynoden sollten Maßnahmen gegen die korrupten Sitten des Klerus in Gang gesetzt werden. Die Bischöfe sollten Vorbildfunktion haben, theologisch kompetent und fleißig in Predigt und Lehre sein… das moralische Verhalten des Klerus einschärfen und sich gegen die lutherische Häresie einsetzen. Sorgfältig sei auf die Auswahl der künftigen Priester zu achten. Eck schuf eine deutschsprachige Predigthilfe für Gemeindepriester, gab eine deutsche Bibelübersetzung heraus“. Was er in Denkschriften forderte, verlangte er auch von seinen Mitarbeitern in der Seelsorge.
Eck konnte die protestantische Revolution nicht rückgängig machen und die kirchliche Einheit nicht wieder herstellen. Er konnte jedoch in den katholisch gebliebenen Gebieten den Glauben festigen und Voraussetzungen schaffen, dass die Kirche nach dem Reformkonzil von Trient wieder neu aufblühte. 
Quelle: Die Zitate stammen von dem Aufsatz „Gegenspieler Luthers, Reformer der Kirche“ von Marco Benini in „die Tagespost, 4. März 2017, Nr. 27, S. 14“

Hubert Gindert

Bild: (c) R. Fobes (privat)

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Johannes Eck

  1. Mathias Wagener sagt:

    Danke für diesen Beitrag über Dr.Eck, der viel in der Disputation beigetreten hat und dessen Wirken eine breitere Aufmerksamkeit auch unter Gläubigen verdient hätte.
    Mit „Abwehr und Erneuerung“ wurden die Eckpunkte seines Schaffens eindrucksvoll aufgezeigt.

  2. Gottfried Wondrousch sagt:

    Angeblich soll es zu gegenseitigen Verunglimpfungen gekommen sein:
    Das Luder von Wittenberg und im Gegenzug der Dreck (Dr. Eck) von Ingolstadt.

    Dr. Eck hat im Münster zu Unserer Lieben Frau in Ingolstadt seine letzte Ruhestätte gefunden. Der Mesner kann die kleine Grabplatte, die links vom Hochaltar in den Boden eingelassen ist, sicher zeigen. Außerdem erinnern im Canisiuskonvikt der Dr.-Eck-Saal und eine Tafel am Pfarrhof an die herausragende Gestalt der Gegenreformation.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*