Dr. Ludwig Münz – ein Opfer zweier Diktaturen

Schon Franz Werfel stellte in seinen Betrachtungen „(Leben heißt sich mitteilen“ S. Fischer Verlag) fest, dass Kommunismus und Nationalismus zwei antireligiöse Glaubensarten sind. Sie seien gleich gottlos und gleich grausam. Den konkreten Beweis dafür liefern die zahlreichen Opfer, die unter beiden Systemen gelitten haben. Eines dieser Opfer ist der Frankfurter Jurist Dr. Ludwig Münz. Er wurde 1893 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur studierte er in Freiburg und München Rechts- und Staatswissenschaft, wo er auch in der katholischen Studentenverbindung CV aktiv war. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde auch Ludwig Münz Soldat. Erst 1922 konnte er seine Ausbildung beenden. Das Einkommen reichte kaum für den Lebensunterhalt. Schließlich bekam er 1927 beim Reichsversicherungsamt in Berlin eine Anstellung. Jetzt konnte er seine Verlobte Auguste heiraten. 1932 wurde Münz Oberregierungsrat im Reichsarbeitsministerium. In den politischen Wirren zu Beginn der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bekannte er sich privat und dienstlich stets zu den christlichen Grundwerten, wie aus seinen Briefen und erhalten gebliebenen Reden hervorgeht. Die NS-Ideologie lehnte er von vorneherein ab. Daher knüpfte er schon frühzeitig Kontakte zu verschiedenen Persönlichkeiten, bei denen er sicher sein konnte, dass auch sie Hitler grundsätzlich ablehnten. Zu ihnen gehörten der Berliner Bischof Graf von Preysing, der katholische Generaloberst Ludwig Beck, der Jesuitenprovinzial Augustin Rösch und der Abwehrchef Wilhelm Canaris. Sie alle hofften auf einen politischen Umsturz. Diese Absicht zu verfolgen, war lebensgefährlich. Ludwig Beck hatte schon 1938 einen Staatsstreich zur Absetzung Hitlers perfekt geplant. Als jedoch die berüchtigte Münchner Konferenz 1938 Hitler einen grandiosen Erfolg bescherte, war dem Staatsstreich der Boden entzogen. Nach diesem politischen Erfolg Hitlers verlor Generaloberst Beck sofort jeglichen Einfluss. Großbritannien, Frankreich und Italien hatten Hitler das Sudetenland zugesprochen. Nun war eine Verhaftung Hitlers nicht mehr möglich. Das war für Ludwig Münz und seine Freunde eine bedrohliche Lage. Dennoch unterhielt Münz weiterhin heimliche Gesprächskontakte mit Widerständlern.
Im Zusammenhang mit dem Attentat von Oberst Graf Stauffenberg gegen Hitler am 20. Juli 1944 wurden auch Ludwig Münz und seine Frau verhaftet. Münz hatte einen der Verschwörer in seine Wohnung aufgenommen. Die Hauptbeteiligten am Attentat wurden rasch abgeurteilt und hingerichtet. Aber die Prozesse gegen die mutmaßlichen Mitwisser zogen sich wegen ihrer großen Zahl in die Länge. Als im Februar 1945 der Blutrichter Freisler bei einem Bombenangriff ums Leben kam, gerieten sie vollends ins Stocken. Schließlich kamen die sowjetrussischen Truppen so nahe an Berlin heran, dass manche Prozesse einfach ausgesetzt werden mussten. Ludwig Münz schien zunächst Glück zu haben. Als die Wachleute seines Gefängnisses flohen, konnte er nach Hause gehen, wo er auch seine inzwischen heimgekehrte Frau antraf. Aber das Glück war nur von kurzer Dauer. Denn schon einen Tag später wurde Münz wieder verhaftet, dieses mal von den Sowjetrussen. Er kam in das berüchtigte Speziallager Nr. 4 in Landsberg an der Wahrte, wo er schon am 30.09.1945 den harten Haftbedingungen erlag. Offenbar war ein freiheitliches und christliches Leben weder unter dem Nationalsozialismus noch unter dem Kommunismus möglich.

Eduard Werner

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