Leitkultur? Warum nicht

Bundesinnenminister Lothar de Maizier hat mit seiner Forderung nach einer Leitkultur eine Diskussion losgetreten, die überfällig ist. Vorausgegangen waren entsprechende Forderungen in der CSU und im Bayrischen Kabinett. In der CDU werden die Bestrebungen vom „freiheitlich-konservativen Aufbruch in der Union“ mitgetragen.
Was ist eine Leitkultur? Eine Kultur, die in eine Richtung weist. Die aufbaut auf der Geschichte und einer gewachsenen Kultur. Die die Tradition in die Zukunft hineinnimmt. Musikalisch ausgedrückt, eine Grundmelodie, die aber Töne von anderen Kulturen integrieren kann. Weil sie nicht abgeschottet ist, kann sie Fortschritte auf verschiedenen Gebieten aufnehmen, was an das Schlagwort von Laptop und Lederhose in Bayern erinnert.
Die Kultur ist nicht elitär. Sie hebt sich aber durch Formschönheit vom Alltäglichen ab. Auch handwerkliche Instrumente können Kultur haben. Kultur hat viele Ausdrucksformen, Sprache ist eine besonders wichtige. Sie hilft andere Kulturen zu erschließen und sie ist wesentliche Voraussetzung für Integration in eine andere Kultur.
Gegen die Forderung für eine Leitkultur erhob sich sofort heftiger Gegenwind, am stärksten von Seiten der Grünen. Das verwundert nicht. Als Partei, die ihr Credo aus der Kulturrevolution der 68er Bewegung bezieht, hatte sie schon immer ihre Schwierigkeiten mit der Geschichte und der überkommenen Kultur, nicht nur mit den moralischen und sittlichen Prinzipien der Vergangenheit.
Die Grünen reklamieren gerne die „Errungenschaften“ der französischen Revolution für sich. Vergessen aber hinzuzufügen, dass der Versuch diesen Himmel von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ auf Erden zu erreichen bisher mit einem Meer von Blut errichtet wurde. Die 68er Bewegung atmete „keineswegs einen Geist der Freiheit, sondern den Ungeist von Tribunal und Hybris“ (Harald Seubert, Diakrisis 1/2017, S. 23) Auch die Linke, Radikal-Liberale und Sozialdemokraten lehnen eine Leitkultur ab. Das hängt, neben ideologischen Gründen, auch mit Befürchtungen zusammen, die Vertreter der Leitkultur könnten damit bei jenen Wählern punkten, denen der Verlust der kulturellen Beheimatung ein Anliegen ist.
Mit der Diskussion über die Leitkultur hängt auch die über die doppelte Staatsbürgerschaft (Doppelpass) zusammen. „Wie viele Menschen in Deutschland eine doppelte Staatsbürgerschaft haben, ist nicht bekannt. Die Zahlen schwanken zwischen 1,6 Mio. (Ergebnis des Mikrozensus von 2014) und 4,3 Mio. (Auswertung der Melderegister aus dem Jahr 2011).“ (Augsburger Allgemeine Zeitung 4.5.2017) „Ein gutes Drittel der Menschen mit einem Doppelpass kommt danach aus einem Mitgliedsland der EU“. Nun macht die Zeitung aber doch präzise Angaben: Die meisten kommen aus Polen (690.000), bei den Doppelstaatlern aus den Nicht-EU-Mitgliedsstaaten stehen die Menschen aus Russland (570.000) und aus der Türkei (530.000) an der Spitze“.
Am Interessantesten sind die „Doppelstaatler“, die aus einem anderen Kulturkreis stammen, z.B. aus dem des Islam, bei dem es keine Trennung von Staat und Kirche, besser von Staat und Moschee, gibt. In diesem Fall ist die Loyalität gegenüber einem säkularen Staat nicht gewährleistet. Wie viele Moslems gibt es, die für die Trennung zwischen einem freiheitlichen Rechtsstaat und der Moschee a la Tibi Bassam, dem Göttinger Professor, sind? Wir wissen es nicht. Bekannt ist aber, was eine Studie der Universität Münster, die vom Religionssoziologen Detlef Pollak geleitet wurde, ans Licht gefördert hat (AZ 17.6.2016): „Islam ist für viele Türken wichtiger als Gesetze“ (der BRD), „Wenn es um die Regeln für das Leben geht, fühlt sich aber fast jeder zweite eher an die Religion gebunden als an die deutsche Verfassung“. Wenn aber fast jeder zweite Türke versucht, sein Leben gemäß dem Koran und den Rechtsvorschriften der Scharia mit der Benachteiligung der Frau, der Zwangsverheiratung der Kinder zu führen, dann ist Integration in die Bundesrepublikanische Verfassung nicht möglich. Im Bericht der AZ (17.6.16) heißt es: „Generell ist der Studie zufolge die zweite und dritte Generation besser integriert … allerdings pocht die zweite und dritte Generation weit mehr auf kulturelle Selbstbehauptung als die erste … so sagten 72% der ersten Generation, Muslime sollten sich an die deutsche Kultur anpassen, jedoch nur 52% der Folgegeneration. Ein Zweites kommt hinzu: Rund zwei Drittel der türkischen Doppelstaatler in der Bundesrepublik haben sich beim Referendum über die Verfassungsreform in der Türkei zugunsten von Erdogan ausgesprochen, d.h. sie räumen ihm diktatorische Vollmachten ein. Alexander Mitsch vom freiheitlich-konservativen Aufbruch in der CDU hat Recht, wenn er fordert, man könne Menschen mit 21 Jahren „durchaus zumuten, sich zu entscheiden, wo sie hingehören wollen“ (AZ, 4.5.2017).

Hubert Gindert

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Eine Antwort auf Leitkultur? Warum nicht

  1. Gilt im Regierungsalltag ein dubioser „humanitärer Imperativ“, der zur unkontrollierten Masseninvasion des Gemeinwesens führte, darf in der Vorwahlzeit Innenminister Thomas de Maizière (so heißt der Mann) den kernigen Hardliner geben, um neben den (vor Kraft kaum laufen könnenden) CSU-Granden Sie-wissen-schon-wem Stimmen abzujagen.
    Um den rudimentären Sprachkenntnissen „derer, die noch nicht so lange hier sind“ und dem immer infantileren Sprachgebrauch „derjenigen, die schon länger hier sind“ gerecht zu werden, sprach er im perfekten Neudeutsch: „Wir sind nicht Burka!“. Ein Windei, um verloren gegangene Wählerschichten zurück zu holen. Ein Volk (also in Deutschland: die noch überwiegend deutsch sprechende Wohnbevölkerung) muß eine „Leitkultur“ unbewußt im Alltag leben, ist die Notwendigkeit gegeben, den Begriff zu definieren, zu zergrübeln und sich dabei zu zerstreiten, ist es ein kulturloses, bereits in Auflösung befindliches Volk. Wäre dem nicht so, würde sein kraftvolles Volkstum einfach vollendete Tatsachen schaffen, ohne Politiker und Juristen bemühen zu müssen. Voraussetzung für eine kulturelle Entwicklung ist allerdings ein lebendiges, organisches Volkstum. Ein solches existiert nicht mehr in Deutschland, es ist verdunstet und versiegt – auch wenn kein einziger Nichtdeutscher hier leben würde. In Umkehrung des NS-Slogans „Du bist nichts, dein Volk ist alles!“ wurde hierorts seit Jahrzehnten (medial und schulisch) das Ideal ist des hedonistischen Egomanen mit dem Ziel der eigenen Triebbefriedigung proklamiert, sozusagen „Dein Volk ist nichts, du bist alles!“.

    Da folgenloser Geschlechtsverkehr die Triebbefriedigung fördert, nahmen vorgeburtliche Kindstötung und Verhütung massiv zu. Als Ergebnis dieser egoistischen Sichtweise sind genau die Generationen abgetrieben oder verhütet worden, die heute zum Überleben des Volkes nötig wären.
    Das „Deutsche Volk“ als Träger des Volkstums ist mittlerweile zur rechtlichen Fiktion geworden. Wenn die eigene Kanzlerin folgenlos (und rotzig) das Volk als „diejenigen, die schon länger hier leben“ umschreiben kann, ist es wohl bereits „fünf nach Zwölf“. Die unbedingte Voraussetzung einer „Leitkultur“, nämlich ein deutsches Volk mit gemeinsamer Geschichte und Erlebnissen im Generationengedächtnis, gemeinsamer Sprache und Kultur (natürlich mit regionaler Ausdifferenzierung) existiert heute höchstens noch fragmentarisch. Derzeitig gibt es lediglich eine (noch) größtenteils deutsch sprechende Wohnbevölkerung.

    Die politisch – zuerst verdeckt als „Zusammenführung“ von sog. „Gastarbeiterfamilien“, dann – offen als „Multikulti“ und „Bereicherung“ geförderte Zuwanderung fremdstämmiger Völkerschaften führt lediglich zur Verschärfung der Krise, ist aber beileibe nicht deren Ursache.
    Die heute lebenden Bevölkerungsschichten ohne „Migrationshintergrund“ sind flächendeckend nicht in der Lage oder Willens, eine nennenswerte Kulturkomponente hervorzubringen. Sie begnügen sich in der Regel mit der politisch-medial geförderten Rolle eines kulturell sterilen Fernsehkonsumenten. Anders ist der Erfolg der berüchtigten Vierbuchstabenformate wie „DSDS“, „GNTM“, „GZSZ“ usw. nicht erklärbar. In der heutigen Zeit muss man nichts mehr können, um bekannt zu werden, meistens sind diese Personen nach mehreren Auftritten bei sog. „Castingshows“ oder „Doku-Soaps“ halt dafür bekannt, bekannt zu sein und werden vom „Normalbürger“ dafür kritiklos angehimmelt. Eine „Deutsche Kultur“ findet (bestenfalls) im Museum oder Geschichtsbuch statt, wird aber kaum mehr gelebt oder weiter entwickelt.
    In Radio und Fernsehen sind täglich traurige Beispiele eines noch nie dagewesenen Wissens- und Kulturverfalls in allen Schichten und Altersstufen zu verzeichnen. Auch in älteren Jahrgängen ohne „Migrationswurzeln“ ist die in den 50er Jahren noch Allgemeinwissen genannte Bildung nicht mehr selbstverständlich. Und solange Deutschland seine Leitbilder aus dem Bereich seichter Unterhaltung wählt, wird sich daran auch sicherlich nichts ändern…

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