Brauchen wir Scheidungsrituale?

Im „Fels“ (März 2017, S. 69-73) berichtet Pfarrer Dr. François Reckinger über „Eine katastrophale Bedrohung der Unauflöslichkeit der Ehe“. Der Titel seines Artikels lautet: „Die Scheidung feiern?“ Reckinger bezieht sich auf die Zeitschrift „Gottesdienst“ 2/2017, S.1-3. Sie stellt sich vor als „Information und Handreichung der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz“. Der Artikel, auf den Reckinger eingeht ist in der o.a. Zeitschrift nachzulesen und hat den Titel „Scheidungsrituale“.
Reckinger weist in seinem Felsartikel auf den Grundsatz hin: Kirche kann nicht eine in sich fragwürdige oder gar eindeutig schlechte Handlung für erlaubt erklären und gegebenenfalls für deren Vollzug ein Ritual schaffen, nur, weil viele ihrer Mitglieder das wünschen. Reckinger bringt außerdem das Wort Christi zur Ehescheidung in Erinnerung, wie es die Evangelisten Markus (Mk 10,2-12) und Lukas (Lk 16,18) überliefern.
Weil Überlegungen zu „Scheidungsritualen“ in der katholischen Kirche Kreise ziehen, hat eine Katholikin den Artikel von Pfarrer Reckinger im „Fels“ mit einem Begleitschreiben, in dem sie ihren Protest gegen die Redaktion der Zeitschrift „Gottesdienst“ zum Ausdruck bringt, allen deutschen Diözesanbischöfen zur Kenntnis gebracht. Das Ergebnis: vierzehn Bischöfe haben auf den Brief hin geantwortet, sechs davon in „mehr oder weniger zustimmender Weise“, die übrigen mit „mehr oder weniger höflichen Floskeln und Ausflüchten“.
Dass das Thema angesichts der hohen Scheidungsziffern auch unter Katholiken aktuell ist, braucht nicht näher begründet werden, ebenso wenig, dass es bedeutsam für Kirche und Gesellschaft ist. Trotzdem haben nur sechs Diözesanbischöfe, das ist weniger als ein Viertel, ein Scheidungsritual „mehr oder weniger“ abgelehnt. Gut drei Viertel der deutschen Diözesanbischöfe haben sich nicht festgelegt, bzw. nicht geantwortet.
Ein „Scheidungsritual“ ist die „Perversion des Ehesakraments“. Die Verantwortlichen für die Ehepastoral sollten ihre Bemühungen besser darauf verwenden, das Eheverständnis der katholischen Kirche bekannt zu machen, die Ehevorbereitung zu verbessern, Scheidungswillige zur gegenseitigen Vergebung und zum Neuanfang ermutigen, nicht aber „Scheidungsrituale“ inszenieren.

Hubert Gindert

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