Amen – zur Bedeutung eines vertrauten Wortes

Dieses Wort aus dem Hebräischen, das wir sehr oft (gedankenlos?) beim Beten verwenden, bedeutet so ist es, so sei es, ich will es, ich sage zu, ich liebe es, was ich gebetet habe. Das abschließende Amen ist wie ein Schwur und entspricht unserer persönlichen Unterschrift mit unserer Seele – wir bestätigen unsere Gebetsworte, sind damit einverstanden und schenken Gott, den wir loben, den wir preisen, den wir lieben und den wir anbeten, unseren Eigenwillen: Wir wollen Gott treu sein. Ohne Seine Hilfe wird dies nicht gehen und darum wollen wir Ihn regelmäßig bitten.
Betrachten wir das Gesagte anhand der wichtigsten Gebete, die wir tagtäglich verrichten:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
Wir bekennen mit diesem Stoßgebet die Existenz des einen und dreifaltigen Gottes, beten Ihn an, stellen uns unter Seinen Schutz und nehmen uns ganz fest vor, nach Seinen Gesetzen zu leben, die uns zu Ihm führen. Zusätzlich machen wir dabei das Kreuzzeichen. Das Kreuz weist auf das Erlösungsopfer Jesu Christi hin, das dieser als der ewige Sohn dem Vater im Heiligen Geist aus Liebe darbringt, um uns zu erlösen.
Das Glaubensbekenntnis entfaltet das eben besprochene Stoßgebet: Der allmächtige Vater erschuf die Welt, sein Sohn Jesus Christus wird Mensch aus der Jungfrau Maria und erlöst uns durch sein Leiden, seinen Tod, seine Auferstehung und Himmelfahrt. Jesus sendet den Heiligen Geist, der in der Kirche durch die Verkündigung und die Sakramente wirkt. Am Ende der Welt wird Jesus wiederkommen und die Lebenden und die Verstorbenen richten. Diese Wahrheiten glauben wir und bekräftigen wir durch das schöne Wort Amen.
Im Vater unser bekennen wir uns zur Heiligkeit des göttlichen Namens und zum Willen Gottes. Wir bitten Gott um unser tägliches Brot (die Nahrung und die hl. Kommunion); die Vergebung unserer Schuld, die uns Gott nur gewährt, wenn auch wir verzeihen; die Bewahrung vor Versuchungen sowie die Erlösung von allem Bösen. Wie jedes Gebet endet das Vater unser mit Amen. Beten wir es nicht gedankenlos und vergegenwärtigen wir uns besonders die Bitte, dass der Wille Gottes geschehen soll und wir unseren Schuldnern ehrlich verzeihen müssen, ansonsten kann und wird uns Gott auch nicht verzeihen.
Im Ave Maria preisen wir die Gnadenfülle Mariens, die immer in der Liebe Gottes geborgen war und weder von der Erbschuld noch von einer Sünde befleckt wurde. Sie ist die Mutter Gottes und tritt bei Gott durch ihre Fürsprache für uns ein: Amen – so ist es!
Eine Steigerung in das Unendliche erfährt das Wort Amen durch die häufige Verwendung unseres Herrn und Gottes Jesus Christus. In der Heiligen Schrift sind uns davon sehr viele Stellen überliefert. Wir werden hier einige wichtige Aussagen Jesu Christi vorstellen und kommentieren. Jesus stellt das Amen an den Beginn seiner Verkündigung, um diese mit göttlicher Vollmacht zu unterstreichen: „Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft (Damit meint Jesus den Untergang Jerusalems im Jahre 70). Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24,34f). Die Worte Jesu werden nicht vergehen, weil Jesus Gott ist und damit die unendliche Vollkommenheit selbst ist: Jesus ist allwissend und allmächtig.
Mit den Worten „Amen, Amen, ich sage euch: Ehe Abraham ward, BIN ICH“ (Joh 8,58) offenbart Jesus seine Gottheit, wofür ihn die Juden steinigen wollten, was ihnen aber nicht gelingt, denn die Stunde Jesu war noch nicht gekommen, in der er sich freiwillig im Ölgarten seinen Häschern überliefert und sich für uns aus Liebe ans Kreuz schlagen lässt.
Die eben besprochene Schriftstelle bildet das Fundament der Sätze, die Jesus mit Amen einleitet. Ihm dürfen wir als unserem Herrn und Gott vertrauen und nach Seinen Worten leben.
Wir haben gesehen, dass die mit Amen eingeleitete Verkündigung Jesu Christi eine besondere Bedeutung hat, was im Folgenden an weiteren Beispielen deutlich gemacht werden soll.
Die Wichtigkeit der Taufe erklärt Jesus dem Ratsherrn Nikodemus: „Amen, Amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh 3,3). „Amen, Amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Heiligem Geist geboren wird, kann er in das Reich Gottes nicht hineingehen“ (Joh 3,5). Jesus betont, dass dazu der Glaube an Gott sowie das Halten Seiner Gebote notwendig ist: „Amen, Amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen“ (Joh 5,24). „Amen, Amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat ewiges Leben“ (Joh 6,47): „Wer mich liebt, hält meine Gebote“ (Joh 14,15.21).
Damit wir in der Lage sind, die Gebote der Gottes-, Nächsten- und Feindesliebe (10 Gebote) zu halten, dürfen wir den Vater im Namen seines geliebten Sohnes Jesus Christus um seine Gaben bitten: „Amen, Amen, ich sage euch: Um was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, wird er euch geben“ (Joh 16,23). Damit sind selbstverständlich sinnvolle Bitten im Einklang mit dem Willen Gottes gemeint, die unserer Heiligkeit dienen.
Jesus schenkt uns aber noch mehr: Sich selbst in der heiligen Messe – in der heiligen Kommunion: „Amen, Amen, das sage ich euch: Nicht Moses hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot vom Himmel“ (Joh 6,23) – nämlich Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben“ (Joh 6,54). Jesus schenkt den Aposteln seinen Leib und sein Blut beim Letzten Abendmahl, opfert sich für uns am Kreuz (Joh 6,51) und in jeder heiligen Messe, wo wir Ihn auch in der hl. Kommunion empfangen dürfen, wenn wir ohne schwere Sünde sind. Gehen wir deshalb regelmäßig zur heiligen Beichte, um uns von Jesus reinigen zu lassen und nehmen wir auch die sogenannten lässlichen Sünden, die man besser Wundsünden nennt, ernst. „Der Gerechte fällt siebenmal am Tag“ (Buch der Sprichwörter 24,16). Kein Mensch würde freiwillig seinen Körper verwunden, umso weniger dürfen wir dies mit unserer Seele durch die Sünde tun, sonst entfernen wir uns von Gott! „Amen, Amen, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Knecht“ (Joh 8,34). Wir wollen aber Kinder Gottes sein und folgerichtig immer zu Jesus umkehren. Dafür ist die regelmäßige heilige Beichte das schönste Geschenk und notwendig, weil Jesus uns dort sowohl die Sünden vergibt als auch helfende Gnaden schenkt, die uns auf unserem Weg zu Ihm weiterbringen. Dafür wollen wir dem dreifaltigen Gott danken, Ihn anbeten und alles mit dem Wort Amen bekräftigen.
Das Amen, dieses müssen wir in unserem Herzen ganz innig sagen, weil es alles bestätigt, was wir dem Herrn in unseren Worten darbringen sollen. Es geht schließlich um unser ewiges Leben:

„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.   AMEN“.

P. Andreas Hirsch FSSP

Bild:Biblioteca Apostolica Vaticana

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