Lucca – Stadt der 100 Kirchen: Tipp für den religiös interessierten Toskanareisenden

Die Toskana steht für unzählige kulturelle und vor allem auch religiöse Kunstwerke in Italien. Die bekanntesten Städte sind wohl Florenz, Siena und Pisa.
Weniger bekannt, doch für den religiös interessierten Urlauber ein wirklicher Geheimtipp, ist Lucca, auch die Stadt der 100 Kirchen genannt. Tatsächlich findet man in Lucca eine Vielzahl von Gotteshäusern.
Die wohl größte Kirche ist der Dom zum heiligen Martin, der allerdings auch ein Touristenmagnet ist. Verehrt wird in der Domkirche, mit deren Bau um 1000 begonnen wurde, das „Volto Santo“, ein geschnitztes Bild des Gekreuzigten, das angeblich auf Nikodemus zurückgeht. Nikodemus wird im Johannesevangelium als ein Gesetzeslehrer beschrieben, der mit Jesus lange Gespräche führte und ihn schließlich gemeinsam mit Josef von Arimatäa nach dem Kreuzestod begraben hat. Er soll auf Anleitung von Engeln das „Volto Santo“, das den Gekreuzigten in einen Mantel gehüllt und mit einer Krone auf dem Haupt zeigt, gestaltet haben. Zu Ehren des Kreuzbildes findet immer am 13. September, dem Abend vor dem Fest Kreuzerhöhung, eine Prozession statt, die an einer weiteren bedeutenden Kirche in Lucca ihren Anfang nimmt: in San Frediano.
San Frediano fällt dem Besucher bereits durch seine außergewöhnliche Fassade auf, an der ein großes Mosaik mit dem erhöhten Christus bei seiner Himmelfahrt zu sehen ist. Im Innern der Kirche ist die heilige Zita von Lucca bestattet, eine Magd, die sich vor allem durch ihre Liebe gegenüber den Armen auszeichnete. Sie lebte im 13. Jahrhundert, und als sie rund 300 Jahre nach ihrem Tod selig gesprochen wurde, war ihr Leichnam nicht verwest, sondern weitgehend erhalten.
Außerdem fand der Angelsachse Richard von Wessex hier seine letzte Ruhestätte. Er war der Vater von Willibald, Wunibald und Walburga, den Patronen des Bistums Eichstätt. Richard von Wessex war mit seinen Söhnen als Fußpilger unterwegs nach Rom und ist 721 in Lucca verstorben, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. Willibald zog dann mit Wunibald weiter nach Rom, kam später im Auftrag des Papstes und auf Geheiß seines Verwandten Bonifatius in die Umgebung des heutigen Eichstätt und gründete dort ein Kloster, den Anfang der Diözese Eichstätt.
Das dritte bekannte Gotteshaus in Lucca ist die vom 12. bis Ende des 13. Jahrhunderts entstandene Kirche „San Michele in Foro“, deren Äußeres in Carrara-Marmor gestaltet ist. Auffallend ist vor allem die Fassade, die aus einer Vielzahl von kleinen Säulen besteht. Im Inneren ist die Kirche reich mit Kunstwerken bestückt, zu den bekanntesten gehört eine „Madonna mit dem Kind“ von Andrea della Robbia.
In Lucca ist auch eine in Italien hoch verehrte Mystikerin bestattet, die heilige Gemma Galgani (1878-1903). Ihre letzte Ruhestätte fand sie in einem Santuario der Passionistenschwestern außerhalb des historischen Zentrums. Gemma Galgani hatte schon als Kind Christusvisionen – zum ersten Mal bei ihrer Firmung in San Michele in Foro am 26. Mai 1885, als sie von einer inneren Stimme her die Frage hörte, ob sie bereit sei, Gott ihre Mutter zu geben. Im Gehorsam sagte das Mädchen „Ja“. Tatsächlich starb die Mutter bald darauf, und für Gemma begann ein Weg mit dem leidenden Christus, der sich bis zu ihrem Tod fortsetzte. Mehr und mehr lässt sie sich in die Liebe zum gekreuzigten Herrn hineinnehmen. Sie wird immer wieder mit Schicksalsschlägen konfrontiert: dem Tod lieber Verwandter und einer schweren Tuberkulose, von der sie aber nach der Anrufung der heiligen Marguerite Marie Alacocque geheilt wird. Im Jahr 1899 empfängt sie die Wundmale Christi, einige Jahre später erklärt sie sich bereit, ihre immer neuen Leiden aufzuopfern zum Wohl der Kirche. Sie möchte dem Orden der Passionistinnen beitreten, was ihr verwehrt wird, weil sie eine Mystikerin ist, doch sie erkennt ihr Leben außerhalb des Ordens tatsächlich als ihr wahres Apostolat. Am 11. Mai 1903 stirbt sie in Lucca, 1933 wird sie selig-, 1940 heiliggesprochen.
Man kann also sagen, dass sich Lucca für den religiös interessierten Toskanareisenden wirklich lohnt. Neben den genannten Kirchen gibt es auch weitere kleine Gotteshäuser, die keine Touristenmagnete sind und gerade deshalb während der Öffnungszeiten (von 12 bis gegen 15 Uhr sind – wie auch sonst in Italien – fast alle Kirchen geschlossen) zum Gebet und zur Andacht einladen.

Diakon Raymund Forbes

Foto: Myrabella Wikimedia Commons

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