Wegbereiter in der Kirche: Bernadette Subirous (1844-1879)

Liberté, Egalité, Fraternité hatten sich die starken Männer der französischen Revolution auf ihre Fahnen geschrieben und der Masse des Volkes das Paradies auf Erden versprochen. „Die Minderheit hat überall ein ewiges Recht, nämlich dasjenige, die Wahrheit zu proklamieren, oder das, was sie dafür hält“ (Verteidigungsrede auf die Anklage, er strebe nach der Diktatur, 1792, Robespierre 1758-1794). „Nach dem Brot für das Volk kommt die Bildung“ (Danton), wobei die Inhalte der Bildung ideologisch von der säkularen Macht vorgegeben werden.
55 Jahre nach Beginn der französischen Revolution mit den Folgen einer massiven Entchristlichung wird Bernadette Subirous 1844 als erstes Kind der Familie geboren. Sie erlebt mit der Familie den Abstieg in die Arbeitslosigkeit, ungesunde Wohnverhältnisse, Armut, Krankheit (Tuberkulose) auch als Folge der Armut, mangelhafte Schulbildung und das alles in einem kleinen unbedeutenden Ort am Fuß der Pyrenäen, weitab vom Machtzentrum Paris. Schon vor ihrem 14. Lebensjahr musste sie Schweine hüten, in einer Schänke arbeiten und selbstverständlich die Mutter bei der Hausarbeit und in der Betreuung der Geschwister unterstützen. Sie konnte es nicht in dem Umfang, wie sie es wollte. Denn ihre schwache Gesundheit hemmte ihre physischen Kräfte. Religionsunterricht erhielt sie von einem Pfarrer, der von den Erscheinungen der Muttergottes in La Salette gehört hatte und davon begeistert war.
Was niemand für möglich hielt, wogegen sich Verantwortliche in Kirche, Wissenschaft und Politik sträubten, geschah in diesem unbedeutenden Fleck der Erde. Die Muttergottes erwählte sich das Kind Bernadette, um durch dieses Mädchen Lourdes zu einem Zentrum des Glaubens zu machen und von hier aus dem Glauben der Kirche weltweit eine bedeutende Strahlkraft zu verleihen. Am 11. Februar 1858 erschien die Muttergottes, als Bernadette in der Nähe der Grotte von Massabielle Holz sammelte. Bernadette beschreibt die Muttergottes als wunderschöne Dame, die sich später als die „Unbefleckte Empfängnis“ offenbarte. 17 mal wird ihr Bernadette begegnen. Mit kindlicher Ehrfurcht erlebt Bernadette die Anwesenheit der Muttergottes, mit hohem Respekt widmet sich die Muttergottes dem Kind, mit dem die Erwachsenen so herablassend und despektierlich umgingen.
Das Kind gibt von nun an Zeugnis von dem Geheimnis des vier Jahre zuvor von Papst Pius IX. verkündeten Dogmas, dass die Muttergottes ohne Erbsünde empfangen wurde.
Bernadette war gehorsam, als sie von der „Dame“ aufgefordert wurde, in einer schmutzigen Pfütze mit den Händen zu graben und daraus zu trinken. Was für viele, die inzwischen aus Neugier oder mit Andacht den Ort der Erscheinung besuchten, abschreckend war, tat Bernadette mit größter Selbstverständlichkeit. An diesem Ort entsprang eine Quelle, an der bis heute viele Kranke Heilung erfahren. Nun erhielt das Mädchen den Auftrag zum Priester zu gehen; er solle für den Bau einer Kapelle an dieser Stelle sorgen sowie für die Abhaltung von Prozessionen. Für das Kind kein leichter Auftrag!
1862 bestätigte der Ortsbischof die Echtheit der Visionen. 1864 wurde an der Grotte die berühmte Marienstatue aufgestellt, 1866 daneben die von der Muttergottes erbetene Kapelle gebaut. Lourdes entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte. Schon 1867 kamen knapp fünf Millionen Pilger.
Die Muttergottes hat sich ein Mädchen erwählt, um einen unscheinbaren Ort durch internationale Wallfahrten groß zu machen, um den Kranken und Leidenden einen Horizont der Hoffnung zu schenken und die Erwachsenen auf die Würde der Kinder aufmerksam zu machen. Nach der letzten Erscheinung der Gottesmutter zog sich Bernadette ganz aus der Öffentlichkeit zurück und trat in die Ordensgemeinschaft der Schwestern von Nevers ein. 1879 starb Bernadette, erschöpft und von ihren Krankheiten ausgezehrt. Papst Pius XI. hat Bernadette am 8. Dezember 1933 heilig gesprochen.

Gerhard Stumpf

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2 Antworten auf Wegbereiter in der Kirche: Bernadette Subirous (1844-1879)

  1. Helena sagt:

    Zufall oder Fügung, ich habe vor kurzem den von Franz Werfel verfassten Roman, Das Lied von Bernadette gelesen.

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