Zur Schmerzensmutter von Telgte – Auf den Spuren von Kardinal von Galen

Wallfahrten sind für immer mehr Menschen eine ansprechende Chance, um ihren Glauben zu bekennen, Gemeinschaft zu erleben und verschiedene Pilgerstätten kennenzulernen. Meist führt der Weg zum frommen Ziel über Bus, Bahn oder den eigenen PKW. Die Fußwallfahrt des diözesanen Fatima-Weltapostolats am Samstag, den 13. Mai 2017, führte über den bewährten Pilgerweg von Münster nach Telgte. Die Route über Waldwege, Straßen und Fluren nahm viereinhalb Stunden in Anspruch und verlangte von den Gläubigen erheblich mehr Einsatz und Ausdauer als üblich.
Auch deshalb hat die Teilnahme von ca. 120 Männern, Frauen und Kindern von 4 bis 90 Jahren, die aus nah und fern angereist kamen, die Erwartungen der beiden Leiterinnen des Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster wohl erheblich übertroffen: Sonja Kaufmann und Irmgard Greive aus Sendenhorst freuten sich zudem über die Begeisterung und innere Anteilnahme der Wallfahrer, über das gute Miteinander und den intensiven Gebetsgeist. So bewahrheitete sich, was die beiden Organisatorinnen in ihrer Einladung als Schlussappell formuliert hatten: „Möge sich das Gute vermehren, das Böse und Sinnlose uns aber fernbleiben.“
Für die „Vermehrung des Guten“, vor allem die Verkündigung des Evangeliums, plädierte auch Weihbischof Dr. Stefan Zekorn in seiner Predigt während des Pontifikalamts im Kloster zum Guten Hirten in Münster. Dort hatten sich um zehn Uhr zum Auftakt der Wallfahrt weit über 100 Gläubige eingefunden. Die Kapelle war derart überfüllt, dass der Weihbischof persönlich eine große Gruppe aus Cloppenburg im Oldenburger Münsterland auf restliche Kirchenstühle und sogar auf Ministranten-Sitzhocker verteilte.
Dr. Zekorn überbrachte die Grüße und Segenswünsche von Bischof Dr. Felix Genn an die Pilger und dankte dem Fatima-Weltapostolat in der Diözese Münster für ihren jahrzehntelangen Einsatz für Kirche, Gebet und Frieden. Zudem betonte der Zelebrant die Verbundenheit mit Papst Franziskus, der sich am selben Tage im portugiesischen Fatima befand, wo das hundertjährige Jubiläum der dortigen Marienerscheinungen begangen wurde. Als Konzelebrant nahm der Seelsorger der portugiesischen Katholiken in Münster, Pfarrer Almeida Medeiros, am feierlichen Pontifikalamt teil.
Der Weihbischof verwies in seiner eindringlichen Predigt auf die große Bedeutung Fatimas für viele Gläubige und Pilger in aller Welt. Jährlich strömen, so berichtete er, vier bis sechs Millionen Katholiken nach Fatima. Das Entscheidende seien aber nicht so sehr die enormen Pilgerzahlen, sondern die Kernpunkte der Marienbotschaft, die zugleich wesentliche Gedanken des Evangeliums aufgreifen würden, nämlich Frieden, Sühne und Gebet.
Dr. Zekorn erinnerte in bewegenden Worten an das Attentat auf Johannes Paul II. am Fatima-Tag des 13. Mai 1981, von dem er damals im Priesterseminar in Rom erfahren habe. Es handle sich um ein einschneidendes Ereignis für Papst und Kirche, in das erwiesenermaßen der kommunistische Geheimdienst unter Federführung Leonid Breschnews verstrickt gewesen sei, wie eine italienische Untersuchungskommission im Jahre 2006 bestätigt habe. Aus Sicht von Johannes Paul II. sei die weitgehende Heilung seiner aus dem Attentat herrührenden Verwundung auf die Fürsprache Mariens zurückzuführen.
Die Gottesmutter habe in Fatima zum Gebet für den Frieden in der Welt aufgefordert. Diese Botschaft sei angesichts des heute bedrohten Weltfriedens sehr aktuell, führte der Weihbischof weiter aus. Auch der zentrale Gedanke der Sühne sei keineswegs überholt. Hier gehe es nicht etwa um eine „Drohbotschaft“, sondern um die biblischen Gedanken des Einstehens für andere vor Gott, um Geduld im Leiden, um den Wert der – auch stellvertretenden – Wiedergutmachung, um Fürbitte und Opferbereitschaft für den Nächsten. Leider werde der Sühnegedanken in der heutigen Theologie bisweilen an den Rand gedrängt.
Der dritte Kernpunkt der Marienbotschaft sei das Gebet, wobei der Weihbischof an das Motto des Fatima-Weltapostolats erinnerte: Orbis Unus Orans – „Das Gebet eint die Welt“. – Dieses Leitwort verwirkliche sich auch in der Weltkirche. Dr. Zekorn berichtete von einem armen, hart arbeitenden Fischer, mit dem er auf einer Reise nach Fernasien gesprochen habe. Dieser habe ihn auf die innere Kraft seines Lebens hingewiesen: „Was mich trägt, ist der Blick auf das Kreuz und das Gebet.“
Außerdem wies der Zelebrant, der sich seit sechs Jahren häufiger mit Christen aus dem Irak trifft, darauf hin, dass diese bedrängten Gläubigen nicht in erster Linie um materielle Hilfe bitten, sondern zuerst den Wunsch aussprechen: „Betet für uns!“
Nach diesem ergreifenden Pontifikalamt begann die Fußwallfahrt der Gläubigen auf dem alten Pilgerweg nach Telgte auf den Spuren des seligen Kardinals von Galen. Schon Graf Clemens August von Galen ging einst – auch noch als Bischof – regelmäßig zu Fuß zur Schmerzensmutter von Telgte, um sich in der Gnadenkapelle Kraft und Trost für seine Aufgaben in schweren Zeiten zu holen.
Die Wallfahrt führte über den Prozessionsweg zum Pleistermühlenweg, der Straße „Am Jägerhaus“ zum St. Rochus-Hospital, dann von dort bis zur Kirche St. Clemens inmitten von Telgte. Dort erwartete Propst Michael Langenfeld die Pilgerschar um 16 Uhr freundlich vor dem Kirchenportal und feierte mit ihnen eine gehaltvolle Andacht, wobei er an das Pilgervorbild des Kardinals von Galen erinnerte.
Die weit über vier Stunden dauernde Fußwallfahrt war besonders vom opferbereiten Einsatz jener Männer geprägt, welche die blumengeschmückte Madonnenstatue auf einem Tragegestell auf ihre Schultern nahmen oder die den Lautsprecher bzw. die Fahnen trugen.
Die Mehrzahl der etwa 120 Wallfahrer war die gesamte Strecke zu Fuß unterwegs, darunter mehrere Kinder und zahlreiche ältere Menschen. Der jüngste Teilnehmer war vier Jahre alt, der älteste, ein rüstiger Münsteraner, feierte im Vorjahr seinen 90. Geburtstag; er war auf dem ersten großen Wegabschnitt mit seinem Rollator dabei. Ein Teil der Pilgerschar, zumal gehbehinderte Personen, nahmen die Gelegenheit wahr und stiegen während der Strecke an bestimmten Punkten in den Bus oder in zwei mitfahrende Autos ein.
Der Weg führte bei angenehm sonnigem Wetter über die Werse an zahlreichen Bildstöcken, Kreuzwegstationen und Hofkreuzen vorbei. Die Wallfahrer sangen Hymnen und bewährte Marienlieder, beteten Litaneien und den Rosenkranz, richteten Fürbitten an die Gottesmutter und vertieften sich in Kreuzweg-Betrachtungen. Zudem informierte Sonja Kaufmann über bedeutsame Ereignisse aus der Geschichte ihres Verbandes und berichtete auch von der Verbundenheit Konrad Adenauers mit dem Fatima-Weltapostolat.
Propst Michael Langenfeld verstand es mit seinem Gottesdienst in der Sankt-Clemens-Kirche von Telgte, die Pilgerreise der Gläubigen stimmungsvoll ausklingen zu lassen. In seiner Ansprache erinnerte er an die Gottesmutter, wie sie inmitten der Apostel um den Heiligen Geist betete. Maria sei das Urbild der Kirche und das Vorbild des pilgernden Gottesvolkes auf dem Weg zur ewigen Heimat. Der Geistliche forderte dazu auf, sich auch mit den „Kleinigkeiten“ des Lebens der Madonna anzuvertrauen. Immerhin habe Christus bei seinem ersten öffentlichen Wunder auf der Hochzeit zu Kana keine spektakuläre Heilung bewirkt, keine Totenerweckung vorgenommen, sondern – angeregt durch die Fürbitte seiner Mutter – einem Ehepaar, dem der Wein ausgegangen war, aus seiner peinlichen Situation geholfen. Der Propst betonte, dass Maria durch ihre Fürsprache sehr viel in der Welt und in den Herzen bewegen könne.
Nach einem gemeinsamen Weihegebet an Christus durch Maria und einer eucharistischen Andacht segnete der Propst die Wallfahrer mit der Monstranz und bat sie um ihr „kräftiges Gebet“ für die Kirche. Anschließend durften die Gläubigen sich an den vielfältigen Blumen bedienen, von denen die Fatima-Madonnenstatue an den Stufen des Altares umkränzt war. – Eine Chance, die von vielen Pilgern mit großer Freude und Anteilnahme wahrgenommen wurde.

Felizitas Küble

Foto: (c) Felizitas Kueble

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Eine Antwort auf Zur Schmerzensmutter von Telgte – Auf den Spuren von Kardinal von Galen

  1. Hubert Krebser sagt:

    Dem Bericht will ich nichts hinzufügen, außer dem Hinweis, dass Anfang Juli die Wallfahrt des Osnabrücker Landes ist, wobei mehrere tausend Wallfahrer unterwegs sind. Diese Wallfahrt geht über zwei Tage, Hin-und Rückweg, Samstag und Sonntag. Der Rückweg am Sonntag ist immer am zweiten Sonntag nach Peter und Paul.

    Die Stimmung unter den Teilnehmern ist vielleicht nicht so intim wie bei kleineren Gruppen, doch man kennt sich aus teils langen Jahren, wo man meist um dieselbe Fahne (oft pfarreienweise) versammelt geht; oft richtet man auch seinen Urlaub entsprechend ein.

    Es ist mir eine unglaublich wertvolle Erfahrung und eine Freude diesen Weg zusammen mit anderen zu gehen. In der Mittagshitze mag man beim „Kreuzweg“ fühlen, was ein solcher ist. Ein paar Strapazen sind also gegeben, doch es gibt nichts Schöneres als anzukommen. Vielen geht es so mir. Ich war einmal mehr zufällig dabei, weiß nicht mehr warum. Von vielen wird gesagt, da geht man einmal mit und dann nie mehr oder da geht man einmal mit und dann immer wieder. Ich bin immer wieder gegangen, hatte im letzten Jahr einen gesundheitlichen Aussetzer, traute mich in diesem Jahr auch noch nicht, werde, so Gott will, im nächsten Sommer wieder mitgehen, zumindest ein Stück weit.
    (Infos unter Osnabrück-Telgter-Wallfahrt.)

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