Wenn die Herrschaft über die Natur zur Tyrannei für den Menschen wird

Benedikt XVI. spricht in seiner Enzyklika „Über die christliche Hoffnung“ über den Menschen, der zu Beginn der Neuzeit „den Sieg der Kunst über die Natur erreichen möchte“ (Ziff.16). Hinter diesem Bestreben steht der Philosoph Francis Bacon, der in seinem Werk das „Interesse an uneingeschränkter Naturbeherrschung“ als Ziel darlegt. Ein solches Verständnis von Natur kann, wenn es den Menschen nur mehr als Teil der Natur sieht, folgenreich sein. In der Genmanipulation am Menschen wird das deutlich.
In Österreich wird nach 1997 ein zweites „Frauen-Volksbegehren“ für Anfang kommenden Jahres vorbereitet. Zu den Forderungen zählen kostenloser und anonymer Zugang zu Verhütungsmitteln mit Schwangerschaftstest und rechtlich bundesweit zulässigem Schwangerschaftsabbruch. Das bedeutet auch eine Vergewaltigung der Natur, wie es Benedikt XVI. in seiner Sozialenzyklika „Liebe in Wahrheit“ (Caritas in veritate) ausdrückt: „Die Offenheit für das Leben steht im Zentrum der wahren Entwicklung. Wenn eine Gesellschaft den Weg der Lebensverweigerung oder -unterdrückung einschlägt, wird sie schließlich nicht mehr die nötigen Motivationen und Energien finden, um sich für das wahre Wohl des Menschen einzusetzen. Wenn der persönliche und gesellschaftliche Sinn für die Annahme für ein neues Leben verlorengeht, verdorren auch andere für das gesellschaftliche Leben hilfreiche Formen der Annahme.“ (Ziff. 28) Die Folgen des „Frauen-Volksbegehrens“ führen in eine inhumane Gesellschaft.
Das österreichische Frauen-Volksbegehren will sich von Geschlechter-stereotypen und Rollenklischees lösen. Es heißt wörtlich: „Wir fordern vielfältige Buben-, Mädchen- und Geschlechterbilder. Jedes Kind hat ein Recht auf Entfaltung der eigenen Potenziale, ohne konstruierte Geschlechterstereotypen.“ Hier wird die Genderideologie, die die natürliche geschlechtliche Polarität von Mann und Frau nicht anerkennt, deutlich. Spaemann bezeichnet das „Gender-Mainstreaming“ als eine „Emanzipation von unserer Natur“ (Tagespost, 4.5.17). Die „Sprachpolizei“, die regelt, was man heute sagen darf und was nicht, verkauft diese Forderung des Frauen-Volksbegehrens als Befreiung. Spaemann nennt das „nicht Freiheit, sondern Destruktion“. Nun könnte man solche Forderungen als individuellen Irrglauben bezeichnen. Dem ist aber nicht so, weil die Forderung nach „vielfältigen Buben-, Mädchen- und Geschlechterbildern“ nachgeschoben wird: Bildung und Lehrmaterialien müssen „frei sein von sexistischen und homofeindlichen Beispielen“. Die Initiatoren des Volksbegehrens verlangen „eine Reformierung der pädagogischen Ausbildung im Sinne einer kritischen und queeren Pädagogik“ und das Verbot einer Werbung mit Werbeinhalten, die „Mädchen oder Buben eine limitierte Geschlechterrolle zuweisen“ (Tagespost, 3.5.17). Hier geht es um Ausbildung und Pflichtschule, denen die Kinder ausgeliefert sind. Die Eltern werden entmündigt, ihres vorrangigen Erzieherrechtes beraubt und zu Zuschauern degradiert.
Das geplante Frauenvolksbegehren wird in Österreich stattfinden. Die dahinterstehende Ideologie macht aber an keinen Grenzen halt. In Deutschland wird die „Fortschrittliche Sexualpädagogik“ bereits umgesetzt. Bei der vorhandenen Unwissenheit über die Genderideologie besteht die Gefahr, dass sich die Ideologen sich auf den „Volkswillen“ stützen können. Die erste Form des Frauenvolksbegehrens 1997 brachte es auf 644.000 Stimmen. Ähnliche Zahlen sind wieder möglich. Bei über 100.000 Unterschriften muss sich das österreichische Parlament mit solchen Begehren befassen. Die Medien werden einen ideologischen Nebel über das Land legen. Werden die Bischöfe ihre Stimme erheben?
Das „Interesse an einer uneingeschränkten Naturbeherrschung“ (Francis Bacon 1561 – 1626), das einmal verheißungsvoll zu Beginn der Neuzeit stand, droht zur Tyrannei über den Menschen zu werden.

Hubert Gindert

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Wenn die Herrschaft über die Natur zur Tyrannei für den Menschen wird

  1. Dieter Maier sagt:

    Es ist in der Tat sehr unwahrscheinlich, dass das zweite Volksbegehren auch nur annähernd in die Nähe des ersten Frauen-Volksbegehrens von 1997 kommt. Grund dafür ist, dass 1997 gleichzeitig (im April) das Gentechnik-Volksbegehren erfolgreich lief mit über 1,2 Millionen Unterschriften. Viele Personen, die dort hingingen unterschrieben das Frauen-Volksbegehren gleich mit. Außerdem hatte das damalige Volksbegehren wesentlich mehr Inhaltspunkte, die mehrheitstauglich waren, etwa Mindestlohn von 15.000,- Schilling, Einkommensangleichung und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Verwirklicht wurde aber auch davon bislang noch nicht viel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*