Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Pater Rupert Mayer SJ

Pater Rupert Mayer, der Apostel von München, war ein Reformer der modernen Großstadtseelsorge. Rupert wurde am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren. In der Schule tat er sich schwer. Er sagte einmal von sich: „Wenn ich auch meine geistige Begabung nicht hoch anschlage, einen gesunden Menschenverstand kann ich mir nicht absprechen.“ Am 2. Mai 1899 wurde er zum Weltpriester geweiht und entfaltete bereits als Pfarrvikar ein bemerkenswertes caritatives Wirken. Am 1. Oktober 1900 begann er das Noviziat bei den Jesuiten. 1912 wurde er von Kardinal Bettinger nach München gerufen, um eine neue Seelsorgearbeit aufzubauen.
München hatte damals 569.000 Einwohner, zählte aber bis zu 20.000 Zuwanderer pro Jahr. Es waren vor allem Arbeiter, Arbeiterinnen und Dienstmädchen, die aus einem dörflichen Milieu nach München kamen. Sie standen in Gefahr, in der Großstadt den Kontakt zur Kirche zu verlieren. Pater Mayer suchte die Hinzugekommenen auf und sprach mit ihnen über ihre Sorgen und Nöte. Er baute einen Stamm von Helfern auf. In einem Faltblatt „Grüß Gott in unserer Stadt“ teilte er in über 30 Pfarreien die Gottesdienstzeiten mit, informierte aber auch über Arbeitsmöglichkeiten, Krankenhausfürsorge und katholische Zeitschriften. Rupert Mayer kannte den antikirchlichen Einfluss, denen die Zugewanderten ausgesetzt waren. Er besuchte selbst antikirchliche Versammlungen und lernte die Argumente kennen, die gegen Christentum und Kirche vorgebracht wurden. Da es Pater Rupert Mayer um „das Wohl der unsterblichen Seelen“ ging, war er unermüdlich tätig. Auf der 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sprach er über seine bisherigen Erfahrungen in der Großstadtseelsorge: „Wir haben jetzt 5.600 Vertrauensleute des Arbeiterstandes mobil gemacht“, aber „all das ist zum großen Teil wertlos, wenn nicht der Hebel auf dem Land angesetzt wird“. Rupert Mayer forderte, dass die Leute besser religiös vorbereitet in die Stadt kommen. 1912 hielt er im Stadtteil Giesing eine Missionswoche, als deren Ergebnis die regelmäßige Monatskommunion der weiblichen Jugend und dann der Männer eingeführt wurde. Dieses Beispiel wurde in ganz München aufgegriffen. Zusammen mit dem Verbandspräses des süddeutschen katholischen Arbeitervereins gründete er die religiöse Gemeinschaft „Die Schwestern der Heiligen Familie“ für erwerbstätige junge Mädchen, um sie auf ein katholisches Familienleben vorzubereiten.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog Pater Rupert Mayer als Feldgeistlicher in den Krieg. 1916 wird er schwer verwundet. Ein Bein muss amputiert werden. Er kommt nach München zurück und nimmt sofort seine caritative und seelsorgerliche Arbeit wieder auf. Er organisiert Lebensmittelsammlungen auf dem Land für die hungernde Stadtbevölkerung. Die Menschen wenden sich in allen Nöten an ihn. Er sammelt die Männer in der Marianischen Männerkongregation. Die Zahl der Pfarrgruppen der Kongregation stieg von 25 auf 60, die Mitgliederzahl von 2.500 auf 8.000. 1925 richtete er die Bahnhofsmission ein damit die Reisenden und Ausflügler am Sonntag eine Heilige Messe besuchen konnten. In den Wirren und Unruhen der Weimarer Republik versuchte Pater Rupert Mayer die Menschen über die Rattenfänger der Nazis, Kommunisten und Sozialisten aufzuklären. Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler wurde Pater Mayer zuerst verwarnt, dann erhielt er Redeverbot, schließlich wurde er verhaftet und in das KZ Oranienburg eingeliefert. Damit er dort nicht als Märtyrer starb, wurde er im Kloster Ettal interniert. Er durfte dort keine gottesdienstlichen Handlungen vornehmen und nicht Beichte hören. Am 11. Mai 1945 kehrte Rupert Mayer nach München zurück und rief die Menschen zur Mitarbeit am Neuaufbau auf. Am Allerheiligentag 1945 hielt er um 8.00 Uhr seine letzte Heilige Messe in St. Michael. Sein letztes vernehmbares Wort ist: „Es ist der Herr“. Er stand unbeweglich still. Man trug ihn in ein Zimmer. Die Münchner aber sagen: „Pater Rupert Mayer ist nie umgefallen, nicht einmal im Sterben“.

Hubert Gindert

Foto: Archiv

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