Buße – Bußgottesdienst – heilige Beichte

Durch unsere Sünden haben wir uns von Gott entfernt. Unter Buße versteht Jesus die Umkehr – die Rückkehr – zu Gott, indem wir an das Evangelium glauben (Mk 1,15) und unsere innere Einstellung ändern: Das heißt Gott und unseren Nächsten von Herzen lieben. Dies äußert sich dann folgerichtig in Werken der Gottes- und Nächstenliebe: Beten, Fasten, Almosengeben. Jesus warnt uns aber eindringlich vor der Heuchelei: Wenn wir beten, sollen wir das nicht auf den öffentlichen Plätzen tun, damit wir gesehen werden, sondern im stillen Kämmerlein unseres Herzens (Mt 6,5). Wenn wir Almosen geben, darf die rechte Hand nicht wissen, was die linke Hand tut (Mt 6,2) – das heißt, wir sollen nicht damit prahlen. Wenn wir fasten, sollen wir nicht in Sack und Asche mit einem finsteren Gesicht umhergehen, sondern unser Haupt salben. Gott, der allwissende und barmherzige Vater, sieht in unser Herz und kennt unsere Einstellung (Mt 6,17).
Johannes der Täufer ruft die Menschen zur Umkehr und Buße auf, das heißt konkret den Armen helfen, nicht mehr Steuern fordern als erlaubt ist, sich mit seinem Sold begnügen und die Menschen nicht ausplündern (Lk 2,11-14). Diese Forderungen lassen sich leicht auf die heutige Zeit anwenden: den gerechten Lohn zahlen, nicht betrügen, nicht stehlen, ehrlich sein und zufrieden sein, mit dem, was man hat. Das Totenhemd hat keine Taschen, aber unsere guten Werke folgen uns in die Ewigkeit. Jesus mahnt uns, Schätze im Himmel zu sammeln, die die Motten nicht zerfressen können (Mt 6,19f).
Schon im Alten Testament ruft Gott die Menschen durch die Propheten zur Umkehr und Buße auf. Der Prophet Jona verwirklicht im zweiten Anlauf, nachdem er vor Gott geflohen ist, diesen Auftrag Gottes in Ninive. Der dortige König ordnet ein Fasten für Mensch und Tier an und Gott verschont in Seiner Barmherzigkeit die große Stadt. Es ist nicht so, dass der unveränderliche und vollkommene Gott sich dabei ändert oder seine Pläne umwirft, sondern die Menschen ändern ihr Verhalten. Sie kehren um, so dass sie nicht mehr durch ihr sündhaftes Verhalten in ihr selbst gewähltes Verderben laufen.
Der Prophet Nathan hält mit einem Gleichnis im Auftrag Gottes dem König David seinen Mord und seinen Ehebruch vor. David bereut, das heißt er sieht ein, dass er gesündigt hat und will es nicht mehr tun. Seine Sünden tun ihm leid. Den Mord kann er nicht mehr ungeschehen machen, aber er tut Buße, indem er fastet (2 Sam 11f). Gott wird am Ende der Zeiten alles in allem sein und besonders denjenigen, die auf Erden viel Unrecht und Leid erfahren mussten, unendlich viel Gutes tun. Die Propheten Jeremia (Jer 3,21f) und Ezechiel (Ez 2,19) verstehen unter Buße die Abwendung von der Sünde.
Den Auftrag, Buße zu tun, haben wir unser ganzes Leben lang. Immer wieder müssen wir uns von unseren Sünden abwenden, indem wir zu Gott zurückkehren (Umkehr) und Werke der Gottes- und Nächstenliebe (Bußwerke) verrichten.
Eine Form der Buße ist der Bußgottesdienst. Schon im Alten Testament wurden Bußgottesdienste abgehalten (Joe 1 und 2; Nehemia 9). Ein Bußgottesdienst dient der Besinnung: Wir denken darüber nach, wo wir Gutes unterlassen und Böses getan haben. Im Gottesdienst rufen wir durch unsere Gebete den gnädigen und barmherzigen Gott an, damit Er uns die Gnade der Reue über unsere Sünden sowie Hilfen schenkt. Nur mit Gottes Gnade und Hilfe können wir uns bessern. Ein Bußgottesdienst ersetzt aber nicht die heilige Beichte. Dort vergibt uns Jesus unsere Sünden und schenkt uns Gnaden, damit wir gut kämpfen können und stabiler werden. Spielen wir aber nicht mit der heiligen Beichte und den Sünden; denn jede Sünde – auch die sogenannte lässliche Sünde (Wundsünde) – verwundet unser Herz und schwächt uns. Das birgt die Gefahr einer schlechten Gewohnheit in sich und schnell werden diese schlechten Gewohnheiten zu Lastern, die uns von Gott entfernen.
Wenn wir die sechs Bs zum Maßstab nehmen, so deckt ein Bußgottesdienst die ersten drei Bs ab: das Beten, Besinnen und Bereuen. Dies geschieht hier in der Gemeinschaft der Gläubigen, muss aber in jedem Fall auch im stillen Kämmerlein bei einer guten Vorbereitung für die heilige Beichte mit einem Beichtspiegel verwirklicht werden. Während der heiligen Beichte bekennen wir unsere Sünden (viertes B) und erhalten die Lossprechung sowie ein Bußwerk (= fünftes B: Gebete, Werke der Nächstenliebe). Den Vorsatz, uns zu bessern (= sechstes B), haben wir vor, während und nach der heiligen Beichte, also immer!
Wir können und dürfen auch für unsere Mitmenschen und die Verstorbenen (die Armen Seelen) Buße tun. Damit folgen wir dem Vorbild der Heiligen. Alle Gnaden gehen auf das Kreuzesopfer Jesu zurück: Er hat aus Liebe zu uns Sein Leben freiwillig hingegeben. Damit aber keine Missverständnisse entstehen: Jesus musste nicht büßen; Er war ohne Sünde – Jesus ist immer ganz heilig und ganz rein!
Für die Verstorbenen empfiehlt sich sehr die Gewinnung von Ablässen. Die Kirche wendet aus den Verdiensten Jesu Christi und der Heiligen unsere Werke der Gottes- und Nächstenliebe den Armen Seelen zu. Mittelpunkt der Ablässe ist die Liebe Gottes, die sich im Sakrament der heiligen Eucharistie und der heiligen Beichte offenbart. Dazu kommt die willentliche Abwendung von der Sünde, ein Gebet nach Meinung des Papstes sowie ein besonderes Werk (wie etwa das gemeinsame Gebet des Rosenkranzes oder eine halbe Stunde Anbetung vor dem Allerheiligsten). Wir erfüllen nicht immer alle Bedingungen, dann gewinnen wir einen Teilablass. Wichtig ist, dass wir dabei nicht wie Kaufleute denken, sondern die Liebe zu Gott und den Nächsten in den Mittelpunkt rücken. Setzen wir uns auch nicht unter Druck, sondern leben wir tagtäglich in der Gottes- und der Nächstenliebe.
Seien wir Gott dankbar, dass wir Buße für unsere Sünden tun dürfen. Schieben wir dies nicht auf die lange Bank, sondern beginnen wir jetzt. Nehmen wir uns dabei den heiligen Petrus und die heilige Maria Magdalena oder andere heiligmäßige Menschen zum Vorbild. Auf Erden war niemand sofort heilig außer unserem Herrn und Gott Jesus Christus sowie seiner Mutter, die Allerseligste Jungfrau Maria. Alle anderen gingen den Weg der Umkehr und der Buße. Niemand muss und kann diesen Weg alleine gehen. Gott wartet auf unsere Bitten – Er weiß, was wir brauchen, aber der Vater will, dass wir im Namen Seines geliebten Sohnes Jesus Christus Ihm unsere Bitten vortragen. Schon bei diesem Bittgebet steht uns der Heilige Geist bei und tritt für uns ein. Unsere Ohren müssen aber hören, was gut für uns ist, sonst vergessen wir Gott und fallen von Ihm ab. Gott wartet auf uns und Jesus hat für uns im Himmel schöne Wohnungen bereitet. Unterlassen wir deshalb nie das Danken: „Ich danke Dir, Herr Jesus Christ, dass Du für mich gestorben bist. Ach, lass Dein Blut und Deine Pein an mir doch nicht verloren sein. Amen.“

P. Andreas Hirsch FSSP

Bild: Johannes der Täufer: Wikimedia

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