Land ohne Glauben – Fernseh-Themenwoche vom 12. bis 17. Juni 2017 bei ARD und ARD alpha

Zu Beginn wurde gezeigt, dass in den Ländern der ehemaligen DDR nur noch 20% der Bevölkerung an Gott glauben, während 80% Atheisten sind. Eine Fernsehreporterin, die in der DDR aufgewachsen war, sagte: in ihrem Leben sei Gott nicht vorgekommen, sie sei vollkommen gottlos aufgewachsen und habe deshalb auch keine Beziehung zu ihm, ja auch kein Bedürfnis nach Gott. Ostdeutschland ist heute die gottloseste Gegend Europas.
Es zeigt sich, dass es den Kommunisten in der DDR gelungen ist, den Menschen mit deutscher Gründlichkeit den Glauben auszutreiben. Aus meiner persönlichen Kenntnis weiß ich, dass es in Russland, wo der Kommunismus schon seit 1917 an die Herrschaft kam, prozentual viel mehr gläubige Christen gibt, als in der DDR, weil in den Familien, besonders von den Müttern und Großmüttern der Glaube bewahrt und weitergegeben wurde. Es wurde in der Fernsehsendung berichtet, dass sich in Westdeutschland, wo sich noch über die Hälfte der Menschen als gläubig bezeichnen, ca. 60% in ehrenamtlichen Tätigkeiten engagieren, während in dem Gebiet der ehemaligen DDR dies nur noch 37% tun.
Es wurde behauptet, eine Wiederkehr der Religion widerspräche allen soziologischen Erkenntnissen. In den Familien wird der Glaube nicht mehr gelebt. Es ist zu einem Traditionsabbruch gekommen und es breitet sich immer mehr eine Kultur der Religionslosigkeit aus. Einzelne Bräuche werden noch ohne Bezug zur Religion fortgeführt. So zündet man beispielsweise noch Osterfeuer an und macht dazu ein Volksfest, aber ohne jeglichen Bezug zum christlichen Osterfest. Man möchte auch in einem feierlichen Gebäude heiraten. Deshalb baut ein Paar in Kallenberg jetzt ein Haus, das aussieht, wie eine kleine Kirche mit Kirchturm, aber ohne christliche Symbole, dafür ist es mit Küche und Toiletten eingerichtet. Sie wollen es Konfessionslosen und Katholiken, die geschieden sind und noch einmal heiraten wollen, für Hochzeitsfeiern zur Verfügung stellen. Hier will man also einen Schein wahren und mit dem Haus Geschäfte machen, aber nicht ein Haus zur Ehre Gottes errichten.
Kirchen, in denen nur noch alle vier bis sechs Wochen ein Gottesdienst oder gar kein Gottesdienst mehr stattfindet, sollen noch als Ortsmittelpunkt eine Bedeutung haben und kulturell für Zusammenkünfte, bei Kaffee und Kuchen, für Konzerte und Lesungen erhalten werden. So sollen Kirchen auch von nicht konfessionell Gebundenen als kultureller Ortsmittelpunkt anerkannt und genutzt werden. Gezeigt wurde eine Kirche, die nach ihrer Profanisierung zuerst als Bauhof diente und heute als Restaurant verwendet wird.
Da die allermeisten Jugendlichen nicht getauft sind und nicht zur ersten heiligen Kommunion, nicht zur Firmung, und bei den Protestanten nicht zur Konfirmation gehen, hat man als Ersatz eine Lebenswendefeier kreiert, auf die sich Schüler sogar an einem katholischen Gymnasium in Leipzig selbst vorbereiten. Die zehn Gebote Gottes werden nicht mehr akzeptiert. Die Schüler überlegen, welche Werte sie heute noch brauchen. Dazu führten sie auf: Menschen sollen einander gerecht behandeln, sie sollen einander Hilfsbereitschaft zeigen. Auch das Umweltbewusstsein gehört zu den heute wichtigen Werten. An diesem katholischen Gymnasium sind 30% der Lehrer nicht kirchlich gebunden. Hier ist nichts von einer missionarischen Kirche zu spüren, nichts von einer so dringend notwendigen Neuevangelisation.
In einer Sendung am 12. Juni kamen hauptsächlich Atheisten zu Wort, ein atheistischer Philosoph, ein Vertreter einer konfessionsfreien Weltanschauung, der Leiter der (atheistischen) Humanistischen Union. Auch der Reporter war ein religionsloser Mann, der immer wieder abfällige Bemerkungen über die überholte Weltanschauung Glaubender machte. Einzig eine evangelische Christin fand in ihrem Glauben an den dreifaltigen Gott einen Sinn in ihrem Leben. Sie bezeugte ihren Glauben.
Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten wurden nur oberflächlich angerissen, aber nicht klar dargestellt. So wurde wohl gezeigt, dass der Kommunionkelch mit den konsekrierten Hostien bei den Katholiken nach der Messfeier im Tabernakel aufbewahrt wird, den es bei den Protestanten nicht gibt.
Ein evangelischer Pastor sagte, dass er nach einer Abendmahlsfeier in einem Krankenhaus an Kranke auf den Stationen das Abendmahl austeilen wollte und sich dabei in Gewissensnöten sah. Er habe dann bei jedem Kranken vor der Austeilung der Hostie noch einmal die Wandlungsworte gesprochen. Hier hätte klar gesagt werden müssen, dass bei uns Katholiken die einmal verwandelten Hostien bis zum Empfang Leib Christi bleiben, auch nach Abschluss des Gottesdienstes, während die Protestanten, sofern sie überhaupt an eine Wandlung in Christi Leib glauben, diese Verwandlung nur bis zum Ende der Abendmahlsfeier gelten lassen und danach die Hostien nicht mehr als in Jesu Leib verwandeltes Brot ansehen. Deshalb haben sie keinen Tabernakel und deshalb haben sie die Schwierigkeiten beim Austeilen der Krankenkommunion. Deshalb haben sie auch keine Bedenken, nicht verbrauchte Hostien einfach wegzuwerfen.
Den Unterschied zwischen dem in apostolischer Sukzession geweihten katholischen Priester und dem einfach ordinierten, aber nicht geweihten evangelischen Pastor hätte man ebenfalls besser herausarbeiten können.
Der Unterton der ersten Sendung war: der christliche Glaube ist überholt, nicht mehr zeitgemäß, ja nicht mehr akzeptabel. Man könne auch gottlos glücklich sein, wie es zu kaufende Aufkleber verkünden. Andere Religionen, das Judentum, der Buddhismus und der Islam, wurden kurz erwähnt und als gleichwertig dargestellt. Wesentliche Unterschiede wurden nicht erwähnt, aber auch nicht die Gemeinsamkeiten von Altem und Neuem Testament.
Tendenziell nicht so negativ war eine am 16. Juni anschließend gebrachte Sendung bei ARD alpha mit dem Titel: „Leiharbeiter im Priestergewand“, in der ein nigerianischer, ein indischer und ein brasilianischer katholischer Priester vorgestellt wurden, die in Bayern an drei verschiedenen Orten im Einsatz sind. Sie haben sich erfreulich gut in diesen Gemeinden eingelebt, sprechen inzwischen gut Deutsch und sind offenbar von den Gemeindemitgliedern akzeptiert. Hier zeigt sich, was für uns „una sancta catholica ecclesia“ bedeutet. Einer der Priester sprach es aus: „Früher sind aus euerm Land Priester zu uns gekommen und haben uns die christliche Botschaft gebracht. Heute kommen wir zu euch und bringen sie euch wieder.“
Nicht in der Sendung zum Ausdruck gebracht wurde, was aber in diesem Zusammenhang doch gesagt werden muss, dass zu unserer heutigen Situation mit zunehmendem Priestermangel und sich rasant ausbreitender Glaubenslosigkeit zwei wesentliche Entwicklungen geführt haben: erstens die modernistische Theologie und zweitens die Aufgabe der Katechese. Prof. Dr. Walter Hoeres stellte 2000 klar zusammen, welche Irrlehren an deutschen katholischen Lehrstühlen verkündet werden. Hier haben unsere Bischöfe versagt, weil sie zugelassen haben, dass Menschen, die nicht mit der Lehre der katholischen Kirche übereinstimmen, mehr und mehr katholische Lehrstühle besetzt haben. Und als Leiter von Priesterseminaren hatten sich Leute in unsere Kirche eingeschlichen, die dafür sorgten, dass Theologiestudenten, die täglich zur Heiligen Messe gingen, den Rosenkranz beteten und sich als papsttreu zu erkennen gaben, als nicht mehr zeitgemäß aus dem Priesterseminar entfernt wurden. Unsere Kirche ist an entscheidenden Stellen unterwandert worden von Leuten, deren Ziel es ist, unsere katholische Kirche von innen heraus zu zerstören.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass auf der Synode in Würzburg auf Betreiben des damaligen Sekretärs der Synode beschlossen wurde, im Religionsunterricht keine Katechese mehr abzuhalten. Diese Tatsache ist durch eine Habilitationsschrift nachgewiesen worden. So bekommen unsere Kinder heute nicht mehr das zum Glauben notwendige Wissen vermittelt. Als Lehrmaterial für den Religionsunterricht wurden vielfach Bücher des laisierten Expriesters Prof. Hubertus Halbfaß verwendet, dem die Venia legendi für katholischen Religionsunterricht 1969 entzogen worden war. Aber seine den Glauben zerstörenden Bücher wurden nicht aus dem Verkehr gezogen. Im Gegenteil: seine häretischen Lehrwerke wurden von der Lehrbuchkommission der Deutschen Bischofskonferenz in den 90er Jahren nach der damals geltenden Verfahrensordnung für die kirchliche Zulassung von Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht zugelassen und von fast allen Bischöfen genehmigt. Noch 2012 wurde Halbfaß vom Schulreferat des Trierer Bistums zu einem Vortrag vor katholischen Religionslehrern eingeladen. In dieser Hinsicht haben unsere Bischöfe in ihrer Aufsichtspflicht versagt.
Richtig ist, was Papst Johannes Paul II. an den 2001 frisch ernannten Kardinal Lehmann schrieb: „Ich möchte Sie deshalb bitten, Ihre vielfältigen Gaben dafür einzusetzen, dass der katholische Glaube in seiner Fülle und Schönheit mit neuem Elan verkündet wird. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf die theologischen Ausbildungsstätten und Priesterseminare zu richten. Jene, die im Namen der Kirche den Dienst der Lehre und der Leitung ausüben, müssen fest im Glauben verankert sein, um nicht dem Zeitgeist oder der Resignation zu verfallen. „Das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat, unser Glaube“ (1 Joh. 5,4). Die Lehre an den Theologischen Fakultäten ist nicht dem freien Belieben anheimgegeben, sondern muss vom Grundgesetz der „fides quaerens intellectum“ bestimmt sein, vom Glauben kommen und zum Glauben führen. Die Katechese muss auf allen Stufen zum Glauben mit der Kirche verhelfen. Der Katechismus der Katholischen Kirche und der Katechismus Eurer Bischofskonferenz bieten dafür die verlässlichen Grundlagen. Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass die Bischöfe ermutigt werden, ihre persönliche Verantwortung für die katholische Lehre kraftvoll wahrzunehmen, auch und gerade in schwierigen Fragen, in denen sich die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und die Einbindung in die Weltkirche bewähren muss.“ Leider haben unsere Bischöfe dies nicht befolgt.
Wir müssen wieder eine missionarische Kirche werden! Jeder unserer Gläubigen ist dazu aufgerufen, Zeugnis von seinem Glauben abzulegen. Unser Glaube ist nichts Überholtes, nichts, was dem heutigen Wissen widerspricht. Sicher ist der Glaube für viele unbequem, weil er uns zu aktivem Tun und Bekennen herausfordert. Aber die Geborgenheit in Gott ist etwas vielfach Schöneres als das trotzige und überhebliche: „Ich glaube nur an mich selbst.“ So schließe ich mit dem Gebet des Heiligen Justinus de Jakobis (1800-1860):

Herr unser Gott !
Du hast deinen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus, in die Welt gesandt, den Menschen die frohe Botschaft zu verkünden.
Nach seiner Auferstehung hat er die Apostel beauftragt: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker“. Durch die Taufe und Firmung hast du uns berufen, vor den Menschen Zeugnis abzulegen und ihnen zu dienen. Gib uns das rechte Wort, zur rechten Zeit, den Mut, die Geduld und die Freude, die Frohe Botschaft auch denen zu verkünden, die Christus noch nicht kennen.
Segne uns und alle Brüder und Schwestern und schenke uns die Gaben des Heiligen Geistes, damit wir das Wort Gottes immer mehr lieben und es vielen Menschen treu und zuverlässig verkündigen.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Wenn die Herrschaft über die Natur zur Tyrannei für den Menschen wird.
Benedikt XVI. spricht in seiner Enzyklika „Über die christliche Hoffnung“ über den Menschen, der zu Beginn der Neuzeit „den Sieg der Kunst über die Natur erreichen möchte“ (Ziff.16). Hinter diesem Bestreben steht der Philosoph Francis Bacon, der in seinem Werk das „Interesse an uneingeschränkter Naturbeherrschung“ als Ziel darlegt. Ein solches Verständnis von Natur kann, wenn es den Menschen nur mehr als Teil der Natur sieht, folgenreich sein. In der Genmanipulation am Menschen wird das deutlich.
In Österreich wird nach 1997 ein zweites „Frauen-Volksbegehren“ für Anfang kommenden Jahres vorbereitet. Zu den Forderungen zählen kostenloser und anonymer Zugang zu Verhütungsmitteln mit Schwangerschaftstest und rechtlich bundesweit zulässigem Schwangerschaftsabbruch. Das bedeutet auch eine Vergewaltigung der Natur, wie es Benedikt XVI. in seiner Sozialenzyklika „Liebe in Wahrheit“ (Caritas in veritate) ausdrückt: „Die Offenheit für das Leben steht im Zentrum der wahren Entwicklung. Wenn eine Gesellschaft den Weg der Lebensverweigerung oder Lebensunterdrückung einschlägt, wird sie schließlich nicht mehr die nötigen Motivationen und Energien finden, um sich für das wahre Wohl des Menschen einzusetzen. Wenn der persönliche und gesellschaftliche Sinn für die Annahme für ein neues Leben verlorengeht, verdorren auch andere für das gesellschaftliche Leben hilfreiche Formen der Annahme.“ (Ziff. 28) Die Folgen des „Frauen-Volksbegehrens“ führen in eine inhumane Gesellschaft.
Das österreichische Frauen-Volksbegehren will sich von Geschlechter-stereotypen und Rollenklischees lösen. Es heißt wörtlich: „Wir fordern vielfältige Buben-, Mädchen- und Geschlechterbilder. Jedes Kind hat ein Recht auf Entfaltung der eigenen Potenziale, ohne konstruierte Geschlechterstereotypen.“ Hier wird die Genderideologie, die die natürliche geschlechtliche Polarität von Mann und Frau nicht anerkennt, deutlich. Spaemann bezeichnet das „Gender-Mainstreaming“ als eine „Emanzipation von unserer Natur“ (Tagespost, 4.5.17). Die „Sprachpolizei“, die regelt, was man heute sagen darf und was nicht, verkauft diese Forderung des Frauen-Volksbegehrens als Befreiung. Spaemann nennt das „nicht Freiheit, sondern Destruktion“. Nun könnte man solche Forderungen als individuellen Irrglauben bezeichnen. Dem ist aber nicht so, weil die Forderung nach „vielfältigen Buben-, Mädchen- und Geschlechterbildern“ nachgeschoben wird: Bildung und Lehrmaterialien müssen „frei sein von sexistischen und homofeindlichen Beispielen“. Die Initiatoren des Volksbegehrens verlangen „eine Reformierung der pädagogischen Ausbildung im Sinne einer kritischen und queeren Pädagogik“ und das Verbot einer Werbung mit Werbeinhalten, die „Mädchen oder Buben eine limitierte Geschlechterrolle zuweisen“ (Tagespost, 3.5.17). Hier geht es um Ausbildung und Pflichtschule, denen die Kinder ausgeliefert sind. Die Eltern werden entmündigt, ihres vorrangigen Erzieherrechtes beraubt und zu Zuschauern degradiert.
Das geplante Frauenvolksbegehren wird in Österreich stattfinden. Die dahinterstehende Ideologie macht aber an keinen Grenzen halt. In Deutschland wird die „Fortschrittliche Sexualpädagogik“ bereits umgesetzt. Bei der vorhandenen Unwissenheit über die Genderideologie besteht die Gefahr, dass sich die Ideologen sich auf den „Volkswillen“ stützen können. Die erste Form des Frauenvolksbegehrens 1997 brachte es auf 644.000 Stimmen. Ähnliche Zahlen sind wieder möglich. Bei über 100.000 Unterschriften muss sich das österreichische Parlament mit solchen Begehren befassen. Die Medien werden einen ideologischen Nebel über das Land legen. Werden die Bischöfe ihre Stimme erheben?
Das „Interesse an einer uneingeschränkten Naturbeherrschung“ (Francis Bacon 1561 – 1626), das einmal verheißungsvoll zu Beginn der Neuzeit stand, droht zur Tyrannei über den Menschen zu werden.

Dr. med. Karl Maria Heidecker

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