… auf dem Weg zur Diasporakirche

Sophie Dannenberg hat in der Septemberausgabe 2017 des „Cicero-Magazins“ ein Bild der evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland mit dem Titel „Bye Bye Transzendenz“ gezeichnet. Im Eingangsstatement heißt es summarisch dazu: „Spirituell ausgezehrt, finanziell gesättigt: Die Kirchen sind politische Akteure geworden. Umweltschutz und Flüchtlingshilfe verdrängen Gebet und Bekenntnis. Muss das so sein?“
Im Text befasst sich Sophie Dannenberg ganz überwiegend mit der evangelischen Kirche. Aber in trauter ökumenischer Gemeinsamkeit – siehe konfessionell gemeinsamer katholischer-evangelischer Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen, außer in der Diözese Köln – greift die beschriebene Tendenz auch auf die katholische Kirche um sich. Den Weg von der Volkskirche zur Diasporakirche kann jeder Interessierte überprüfen. So heißt es bei Sophie Dannenberg: „Es scheint, als befreie sich das neue Christentum von seinem ursprünglichen Referenzsystem. Nicht, dass die Heilige Schrift keine Verwendung mehr fände, aber die Bibel ist jetzt eher eine Hausapotheke für den politischen Alltagsgebrauch. Es spitzt sich auf einen Machtkampf zu – mit Gott. Als hätten sich die Christen von ihrem alten Herrn lange genug die Meinung geigen lassen. Vor allem die ‚Ehe für Alle‘ wirft die Frage auf, ob die Bibel noch à jour ist. Der Kampf innerhalb der Kirchen zu diesem Thema ist nicht ausgestanden, aber Bedford-Strohm wünscht sich auf Facebook schon mal ‚ein neues Bewusstsein‘“ und Dannenberg weiter: „Die Christen sind müde geworden, sie haben vergessen, wer sie sind. Sie retten keine Seelen mehr, nur noch die ganze Welt. Das ist immerhin etwas. Bye Bye Transzendenz.“
Dazu passt die Stellungnahme des Erzbischofs von Köln, Kardinal Wölki zur Bundestagswahl 2017: „Diese Wahl markiert eine Zäsur, fußend auf einem tiefen Vertrauensverlust. Dadurch stellt sich uns dringlicher als je zuvor die Grundsatzfrage: Wie verhindern wir ein Auseinandertriften der Gesellschaft? Was sind die Herausforderungen in unserer Demokratie? Wie bleiben wir dialogfähig? Die Aufgaben sind groß: Eine alternde Gesellschaft; Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt; Gestaltung der Migration; Zukunftsfähige Bildung; Bewahrung der Schöpfung – um nur die dringlichsten zu nennen. Wichtig ist jetzt, dass sich die Parteien in den anstehenden Sondierungs- und Koalitionsgesprächen diesen Sachfragen stellen. Frei von strategischem Kalkül. Die Antwort auf Vertrauensverlust ist die Übernahme von Verantwortung für die Zukunft. Wir leben in unserem Land aus der gestaltenden Kraft des Christentums. Die Kraft dieses Zeugnisses müssen wir einbringen in die Gestaltung dieser Aufgaben, die vor uns liegen. Die Kirche ist dazu bereit. Wir werden weiterhin und notfalls deutlicher vernehmbar unsere Stimme erheben, wenn wir Gerechtigkeit, Menschenwürde, Frieden oder Schöpfung in Gefahr sehen.“ (pek170925)

Hubert Gindert

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2 Antworten auf … auf dem Weg zur Diasporakirche

  1. Es ist eine lauwarme, jegliche Unbequemlichkeit scheuende und daher den Herrschenden Recht gebende Diesseits-„Kirche“ entstanden, die störende biblische Aussagen weichspült oder in ihrem sog. „Lesejahr“ einfach wegläßt. Sie schwimmt einfach im Mainstream mit, lebt gut von der Kirchensteuer und weiß genau, wann sie bei welchen Themen empört die Backen aufzublasen hat – da stört auch das Diaspora-Situation nicht.
    Wenn man die Äußerungen von Kardinal Woelki zum parteipolitischen Tagesgeschäft liest, sucht man am Wahlabend auf dem Bildschirm ab 18:00 Uhr sowieso unwillkürlich das Kürzel „DBK“ und den dazugehörigen Balken der Wählerstimmen…

  2. Mathias Wagener sagt:

    Woelki ist nun nicht gerade derjenige, auf den man besonderes Gewicht legen sollte. seine attacken gegen die AfD, um auf den Punkt zu kommen, dienten nicht gerade einer sachlichen Auseinandersetzung. Es gibt keine gesellschaftliche Einheit um jeden Preis.
    die zerrissenheit durch linke Kräfte wird nie angeprangert. Das ist doch der entscheidende Punkt. Den Grundkonsens kann auch nicht eine einzelne Politikerin vorgeben und alle haben zu kuschen.

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