Fortschrittsglaube statt gläubiger Hoffnung?

Wer in der Allerseelenzeit Friedhöfe aufsucht, findet viele Grabinschriften, die Hoffnung und Zuversicht auf ein Wiedersehen ausdrücken. Das war schon bei den ersten Christen so, denen Paulus zurief: „Unsere Hoffnung für euch steht fest!“ (2 Kor 1,7) oder wie es in der Todesanzeige für den verstorbenen Bischof von Köln heißt: „Christus, der den Tod überwunden hat, rief Joachim Kardinal Meisner in sein Reich des Lebens und des Friedens“.
Der Glaube, der sich hier als Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott ausdrückt, ist heute für viele nicht mehr nachvollziehbar, weil sie – wie Ergebnisse von Befragungen auch bei praktizierenden (!) Christen zeigen – gar nicht mit einem Weiterleben nach dem Tod rechnen. Sie wollen nicht das ewige, sondern das diesseitige Leben.
Das Wort … „denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt. Denn das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube“ (1 Joh 5,4) ist vielen unverständlich geworden. Deswegen ist ihnen auch nicht einsichtig, dass Christen ihres Glaubens wegen in KZs und Gulags gegangen sind und heute aus dem gleichen Grund in China oder Nordkorea im Untergrund ausharren oder in westlichen Ländern gesellschaftliche Nachteile dafür auf sich nehmen. Was die Leugner des jenseitigen Lebens tatsächlich wollen, ist die Wiederherstellung eines irdischen Paradieses.
Sie erwarten dieses Paradies nicht mehr von den Ideologien des 20. Jahrhunderts, sondern von den Wissenschaften und dem technologischen Fortschritt in Naturwissenschaften, Medizin, der Entschlüsselung der Gene, der Psychologie …
Dieser gottabgewandte Fortschrittsglaube ist in mehrfacher Hinsicht einäugig. Er lässt die negativen „Errungenschaften“ vom Giftgas bis zur Wasserstoffbombe außer Acht. Er blickt weg von nicht heilbarem Leid und vom Tod. Was er anzubieten hat, ist eine schmerzlose Entsorgung per assistiertem Suizid. Das sind die Kennzeichen einer vereinsamten Singlegesellschaft ohne Gott.
Aufgabe der Christen ist es, die Hoffnung und die Freude aus dem Glauben in Erinnerung zu bringen: „Diese große Hoffnung kann nur“ – wie Benedikt XVI. in seiner Enzyklika ‚Über die christliche Hoffnung‘ (Spe salvi) sagt „Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen“ (Ziff 31) … „Es ist die verlässliche Hoffnung, von der her wir unsere Gegenwart bewältigen können“.

Hubert Gindert

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2 Antworten auf Fortschrittsglaube statt gläubiger Hoffnung?

  1. Lutz Schnelle sagt:

    Der Fortschrittsglaube hat schon eine Epoche geprägt und sich als grober Irrtum erwiesen. Nach dem 2. Weltkrieg war es opportun, die Gründerzeit prüfend zu untersuchen und sie als Narretei zu stigmatisieren. Nun ist alles vergessen und wir wiederholen die Fehler der Väter, als seien es keine.
    Wir sollten zwar so leben, als sei das irdische Paradies machbar, aber den Verstand sollten auch Christen benutzen. Für das irdische Paradies leben wir wohl 300 Jahr zu spät. Und wer bestimmt, wie das Paradies auszusehen hat? Ich finde die Menschen äußerst disharmonisch. Die behaupten Fähigkeiten, die sie nicht haben, wie der schlechte Handwerke, der immer mehr zerstört, als er repariert und dann nicht einsieht, daß er zwei linke Hände hat. Oder der Journalist, der in seiner geschlossenen Digital-Kammer zum Autisten mutiert ist.
    Äußerlich mögen sie hübsch sein und gesund wirken, aber in einem gesunden Körper wohnt nicht zwangsläufig ein gesunder Geist. Ich habe allzumal das Gefühl, von geistigen Spastikern umzingelt zu sein.

    Vorgestern habe ich mir eine Arte-Dokumentation angesehen. Die Meere sind verseucht vom Giftgas, welches die Alliierte nach dem 2. Weltkrieg einfach über Bord geworfen haben. Die Ostsee ist ein totes Meer. Dieses Wissen alleine reicht mir, um mir jedes paradiesische Gefühl zu vergiften.

    Ich denke, die Kinder hätten schon in sehr jungen Jahre musisch erzogen werden sollen und Harmonie gelehrt.

    Ich halte aber auch den Papst für disharmonisch. Er tut und sagt Dinge, die sich weder mit der Heiligen Schrift noch mit dem tieferen Wesen des Menschen vereinbaren lassen.

    Nur der Gedanke an das Jenseits ist in der Lage, mich tapfer und aufrecht leben zu lassen. So auch diejenigen, die für ihren Glauben ins KZ oder den GULag gesperrt worden sind.

    Gott ist allwissend und allmächtig, unwandelbar, allgegenwärtig und ewig. Ich meine, der Horizont der meisten hat sich verengt und die Arroganz die Demut ersetzt. Deshalb klammern sie sich an so groteske Vorstellungen wie ein irdisches Paradies.

    P.S. Mose 3 19,18 – was steht da – im Lehrbuch für Priester?

  2. Alles hier Aufgeführte ist zweifellos richtig. Umso dringender ist die Verkündigung des Wortes Gottes. Um der Redlichkeit Willen sollte man allerdings klarstellen, dass jemand, der „nicht mit einem Weiterleben nach dem Tod rechnet“ und nicht das ewige, „sondern das diesseitige Leben“ anstrebt, schlichtweg kein Christ ist. Über die Frage „praktizierend“ oder nicht, muß man sich dann auch nicht mehr aufhalten.

    Erschütternd ist, dass nach jahrzehntelang fortdauernden „liturgischen Reformen bzw. Experimenten“ in der Kirche sich nun allen Ernstes Menschen für „praktizierende Katholiken“ halten, welche weder an die Realpräsenz Christi im allerheiligsten Altarsakrament noch an das Weiterleben nach dem Tod glauben. Auf der anderen Seite jedoch durchaus folgerichtig: ein zu einer Art „vergleichenden Religionenkunde“ degenerierter Religionsunterricht, eine in der Regel lachhafte Erstkommunion- und Firmvorbereitung samt verschwundenem Katechismus-Unterricht verursachen die Implosion des Glaubens.

    Schlag nach bei Jeremia 23,2: „Darum spricht der HERR, der Gott Israels, von den Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Herde zerstreut und verstoßen und nicht besucht.“

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