Was das „Forum Deutscher Katholiken“ von einer neuen Bundesregierung erwartet

Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD sind in den Wahlen zum Bundestag in der Wählergunst abgestürzt. Parteifunktionäre fragen, wie kann eine Regierung trotz hoher Beschäftigung und boomender Wirtschaft so abgestraft werden? Die Antwort heißt: „Der Mensch lebt nicht von Brot allein“. Er hat noch Bedürfnisse und Sorgen, die für ihn zu kurz kamen, z.B. ausreichende Sicherheit, die Furcht vor Überfremdung durch Massenzuwanderung, drohende Altersarmut.
Das größte Zukunftsproblem stellt die demographische Entwicklung dar. Es kann nicht durch Roboter, Digitalisierung und ein Einwanderungsgesetz aus der Welt geschafft werden, mit dem wir bestimmen, welche Fachkräfte wir ins Land lassen. Global gedacht ist das auch nicht. Es sind nämlich jene Fachkräfte, die wir Ländern wegnehmen, die diese selber dringend brauchen.
Die demographische Entwicklung gehört zu den Fragen, die in einer unheiligen Allianz von Medien und Parteien bei den Wahlanalysen außen vorgelassen wurden, weil hier wesentliche Versäumnisse der Vergangenheit offenkundig geworden wären.
Wo liegt nun das Hauptversäumnis der bisherigen Regierung? In der vernachlässigten Familienpolitik und zwar in doppelter Weise: Die Leistungen der Familie für die Gesellschaft wurden nur brosamenhaft gefördert, das Sozialprestige der Familie wurde von Medien und Politik ausgehöhlt. Ideologen konnten sich austoben nach dem Motto „Frauen weg von Küche und Kind“.
Warum muss die Familie im Zentrum „einer Politik mit Zukunft?“ stehen? Familie ist der Ort, wo sich die Menschen regenerieren. In der Familie erholen sie sich von der Hektik des modernen Lebens und vom Stress des Berufslebens. Hier entsteht die psychische Stabilität, um Sorgen und Zukunftsängste zu bewältigen. In der Familie werden die sogenannten „Sekundärtugenden“ eingeübt, wie Zuversicht, Fleiß, Verzicht, mit denen wir die Aufgaben, die das Leben stellt, meistern.
Ehe und Familie stehen aus gutem Grund „unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ (Art. 6, Abs. 1, GG), weil sie mit ihren Kindern die Zukunft einer Gemeinschaft sichern.
Die Familie kann aber ihrer Aufgabe nur gerecht werden, wenn sie wieder in ihrer Bedeutung anerkannt wird und ihre Leistungen gerecht honoriert werden, z.B. durch Erziehungsbeihilfen und mit einem angemessenen Beitrag der Erziehungszeiten auf die Rente. Und weil sich nicht nur Menschen, sondern die Gesellschaft insgesamt in der Familie erneuert, erwartet das „Forum Deutscher Katholiken“ von der Regierung eine Revolution in der Familienpolitik. Wir sollten ein wachsames Auge darauf werfen, ob Fehler, Versäumnisse und Störfaktoren für die Familie korrigiert werden.
Das schwächste Glied der Gesellschaft sind die Kinder, die geborenen, vor allem die ungeborenen. Sie haben keine Stimme. Wird die neue Bundesregierung das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1993 endlich ernst nehmen? Dort heißt es: „Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, menschliches Leben zu schützen. Zum menschlichen Leben gehört auch das ungeborene. Auch ihm gebührt der Schutz des Staates“ oder wird es bei der Massenabtreibung von jährlich rund 100 000 Kindern bleiben, weil doch alles „gut geregelt ist“, nämlich „gesetzwidrig aber straffrei“? Hier liegt eine der Hauptursachen der demographischen Katastrophe.
Würden Kleinkinder über ihr eigenes Schicksal abstimmen können, so würden sie wohl mit großer Mehrheit in den ersten Lebensjahren für den Verbleib bei ihrer Mutter, aber nicht für die Kita votieren. Werden sich die verantwortlichen Politiker endlich für eine Wahlfreiheit der Eltern mit Kostenausgleich zwischen Kita oder Erziehung durch die Eltern einsetzen? „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ (Art. 6, Abs. 2, GG) sagt unsere Verfassung. Schule hat nicht nur die Aufgabe, Kinder für die spätere berufliche Tätigkeit auszubilden. Der Erziehungsauftrag schließt die Entwicklung einer Persönlichkeit ein. Wir erwarten von der Schulpolitik, dass sie nicht durch sogenannte „Konzepte der sexuellen Vielfalt“ das Schamgefühl unserer Kinder verletzt und statt sexuelle Verantwortung das Lustprinzip propagiert. Zur ganzheitlichen Erziehung der Schule gehören auch die Kenntnis der eigenen Geschichte und Kultur. Wir schließen uns der Forderung des langjährigen Vorsitzenden des deutschen Lehrerverbands Josef Kraus an. Er fordert eine „neue Debatte um Nation und Patriotismus“, weil „Patriotismus der natürliche Feind des Nationalismus ist“ und ein „aufgeklärter Patriotismus mit kultureller Identität und Liebe zum Vaterland und zur Muttersprache einhergeht“. Menschen, die sich bei uns dauerhaft niederlassen wollen, müssen ein lebendiges Kulturbewusstsein vorfinden, in das sie sich integrieren können.
Schließlich sind Kinder kein kommerzielles Produkt, sondern die Frucht der Liebe. Kinder durch Präimplantationsdiagnostik (PID) zu selektieren oder die Möglichkeiten der Gentechnologien einzusetzen um Wunschkinder zu produzieren, halten wir für inhuman und mit menschlicher Würde nicht vereinbar.
Mädchen und Frauen stehen in Deutschland alle Bildungseinrichtungen und Berufswege offen. Von einer neuen Bundesregierung erwarten wir, dass sie die spezifischen Eigenschaften und Aufgaben der Frau in der Familie und Kindererziehung respektiert und Wert und Würde einer Frau nicht vorrangig an ihrer Rolle im Produktionsprozess misst.
In der Leihmutterschaft sehen wir eine moderne Form der Ausbeutung, die unter dem Deckmantel der Vertragsfreiheit, tatsächlich unter Ausnutzung wirtschaftlicher Not Frauen zwingt, ihren Körper gegen Geld zur Verfügung zu stellen. Eine Legalisierung der Leihmutterschaft lehnen wir als inhuman ab. Sie ist kein Beitrag zur Emanzipation der Frau. Wir erwarten, dass das Bundesverfassungsgericht den Parlamentsbeschluss der „Ehe für alle“ korrigiert und eine Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare verbietet.
Zur Familie gehören auch Alte, Behinderte und Menschen, die ihren letzten irdischen Weg gehen. Wir halten das vom Bundestag beschlossene Gesetz zum assistierten Suizid durch Ärzte, Menschen besonderen Vertrauens und Familienangehörige für falsch und verweisen auf Johannes Paul II. „Euthanasie erscheint umso perverser, wenn sie von denen ausgeführt wird, die – wie die Angehörigen – ihrem Verwandten mit Geduld und Liebe beistehen sollten… (Evangelium vitae, Ziff. 66). Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie die Pflege kranker und sterbender Menschen zuhause finanziell unterstützt und – soweit das nicht möglich ist – den Ausbau des Hospizwesens voranbringt.
Unsere politische Zukunft sehen wir im gemeinsamen Europa. Das großartige Werk der Gründerväter Adenauer, Schumann und de Gasperi darf nicht in Gefahr geraten, weil das Gestaltungsprinzip der Subsidiarität nicht genügend beachtet wird.

Hubert Gindert

Diese Erklärung des Forums Deutscher Katholiken wurde am Samstag dem 28.10,2017 in der katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“ auf S. 3 veröffentlicht und am Sonntag dem 29.10.2017 auf ihrer Facebook-Seite.
Siehe auch unsere Facebook-Seite.

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4 Antworten auf Was das „Forum Deutscher Katholiken“ von einer neuen Bundesregierung erwartet

  1. G. Küpper-Sondermann sagt:

    Katholiken, die vor dem „Kommunismus“ Angst haben oder sich nach altbackenen Geschlechtstrennungsgesetzen der 50er Jahre zurücksehnen, haben irgendwie den Anschluss an die Gegenwart verpasst. Wer Adenauer zu links findet, denkt in den Schablonen der rechtskatholischen Bünde von 1932, die sich über die Absetzung des rheinischen „Reformkatholiken“ durch die Nazis freuten und die Bischöfe für ihre zögerliche Unterstützung des nationalen Umschwungs anfeindeten. Das ist also schon 85 Jahre her.

    Antikommunismus gabs (biografisch bedingt) zuletzt bei Papst Johannes Paul II., heute ist das völlig schräg und völliger Unsinn. Kommunismus und Christentum sind doch Verbündete gegen Unmenschlichkeit und Geldvergötterung. Das gilt heute viel stärker als früher, als es wirklich noch unmenschliche kommunistische Systeme gab. Bis auf Venezuela ist da heute nichts mehr, selbst Kuba hat sich mit dem Papst und mit den USA ausgesöhnt.
    Die Feinde des Glaubens stehen hier bei uns jedenfalls klar auf der rechten Seite. Die Pegida-Anhänger verhöhnen die katholischen Bischöfe und bemächtigen sich des Luther-Gedächtnisses für ihre ideologischen Zwecke. Die AfD will Religionsunterricht, Kirchensteuer, religiöse Feiertage und Religionsfreiheit abschaffen. Die linken Parteien ziehen dagegen mit der Kirche an einem Strang.
    Wer Katholik sein will, sollte also lieber den Glaubensgenossen Lafontaine wählen als die antikatholischen AfD-Führer.

    • Ulrich S. sagt:

      Was soll das? Wer findet denn Adenauer als zu links? Das ist doch lachhaft.
      Es steht Ihnen ja völlig frei, solche Sätze zu formulieren, dass Kommunismus und Christentum Verbündete gegen Unmenschlichkeit und Geldvergötterung sind. Sie hängen wohl immer noch der DDR-Romantik nach. Geschichtliche Tatsachen wie die Ermordung von Millionen Menschen durch den Kommunismus, die Gulags, das Treten der Menschenrechte durch die kommunistischen Regime mit Füßen, den Trümmerhaufen, den sie hinterlassen haben, das ist Ihnen wohl fremd.
      Ich spreche als Christdemokrat nun wirklich NICHT für die AfD. Aber woher haben Sie denn die abenteuerliche These, dass diese die Religionsfreiheit abschaffen wollen? Wählen Sie ruhig Ihren Genossen Lafontaine, aber bedenken Sie auch, dass der mit seiner derzeitigen Frau Sarah Wagenknecht sich vehement gegen Angela Merkels Migrantenpolitik ausspricht. Und träumen Sie weiter Ihre sozialistischen Träume.
      PS. Ich finde es sehr großzügig vom Forum Deutscher Katholiken, dass man Sie hier diesen Unsinn veröffentlichen lässt.

  2. Christian Baumgarten sagt:

    Ja, wir gehen einer Katastrophe, sprich Kommunismus, entgegen! Wozu eben auch die Einfügung der Frauen neben den Männern in die organisierte, Steuer an die politische Klasse zahlende Arbeitsklasse gehört. Wird Deutschland nach 2 verlorenen Kriegen nun endgültig verschwinden?Meine letzte Hoffnung ist die AfD!

  3. Zuerst einmal dem Autor herzlichen Dank für 2 Hinweise. Zum einen ist es ethisch höchst fragwürdig, bedürftigeren Ländern deren (i.d.R. mit westlichen Finanzmitteln ausgebildeten) heimische Fachkräfte zu entziehen. Dies fehlt mir in der Debatte allzu oft. Zum andern kann man nicht oft genug in Erinnerung rufen, dass der Westen seine eigene Zukunft in Gestalt der nachfolgenden Generationen von Ärzten, Ingenieuren etc. bewußt „verhütet“ bzw. abgetrieben hat. Dies wird vom politisch-medialen Komplex jedoch nach wie vor konsequent als Ursache der „demographischen Katastrophe“ ausgeblendet.

    Die Ausführungen zur Familie: alles d’accord. Allerdings sollte man auch bedenken, dass es die allerchristlichste Dauerregierungspartei war, die 1985 im Hinblick auf linksliberale jungen Wählerinnen in Essen einen sog. „Frauenparteitag“ inszenierte, bei dem mitnichten ein christliches Familienbild im Vordergrund stand, sondern allein die Frage, wie man wirtschaftskompatibel Familie und Berufstätigkeit bei Frauen vereinbaren könne. Samt einer „besseren Ausbildung von Frauen zur Weiterentwicklung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt“. Wenn man so will, wurde in der CDU so durchaus der Boden für die heutigen U3-Gruppen und Rund-um-die-Uhr-Kitas bereitet.

    Und auch in den Zeiten des von Ihnen angesprochenen „Gründervaters Adenauer“ – also bereits in den 50er und 60er Jahren (!) – hat die CDU die Grundlagen der heute triumphierenden Gender- und Homosexualismus-Revolution in der „Großen Strafrechtsreform“ mitgelegt und damit quasi den Samen der heute in Blüte stehenden permissiven Gesellschaft säte. Dass die sog. „geistig-moralische Wende“ 1982 – näher besehen – lediglich eine leere Sprachschablone zur Beruhigung konservativer Wählerschichten blieb, ist ja bestens bekannt.

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