„Ist einer unter euch krank – dann rufe er die Priester“ (Jak 5,14-15)

Jesu Heilswirken an den Kranken geht tiefer, als ihnen die Gesundheit wieder zu schenken. Durch Seine Zeichen und Machttaten offenbart Er sich als Erlöser und Gott. Jesus will die Menschen von ihrer schwersten Krankheit befreien: der Sünde und Gottverlassenheit. Zudem zeigt uns die Heilige Schrift, dass gerade die Gerechten wie Jesus und die Gottesfürchtigen, wie etwa die Propheten, die Apostel und die Gottesmutter leiden müssen. Sie leiden aus Liebe für die Schuld anderer, die ihnen durch ihre Sünden schwer zusetzen. Im jüdischen Denken waren Sünde und Krankheit eng verbunden. Manche werden krank wegen ihrer Sünden, andere wegen der Sünden ihrer Vorfahren. Niemand werfe hier den ersten Stein, denn wir kennen die genauen Zusammenhänge nicht und sind alle Sünder. Wir alle leiden unter den Folgen der Erbsünde, unserer eigenen Sünden sowie der Sünden anderer Menschen. Wir verbessern hier nichts durch das Anklagen, was wiederum eine Sünde ist, sondern indem wir mit der Gnade und der Hilfe Gottes uns selbst anstrengen und bessern.
Jesus hat uns nicht das Paradies auf Erden versprochen, sondern das ewige Leben beim Vater, das wir durch die Kreuzesnachfolge erlangen. Er lässt uns dabei aber nicht alleine, sondern ist uns als Vorbild vorangegangen. Der Herr begleitet uns durch Seine Gnaden und Sakramente. Jesus sendet die Apostel zu den Menschen. Die Apostel predigen die Umkehr, salben die Kranken mit Öl und heilen sie (Mk 6,12f). Damit ist sicherlich auch im Zusammenhang mit der Predigt von der Umkehr eine innere Heilung intendiert. Die Bischöfe und die Priester stehen in der Nachfolge der Apostel und haben die gleichen Aufgaben. Im Jakobusbrief (5,14f) ist dies deutlich beschrieben: Die Schwerkranken sollen die Presbyter (= Priester) rufen. Diese beten über sie und salben sie mit Öl. Der Herr wird die Kranken retten, aufrichten, sowie die Sünden vergeben. Mit Rettung ist im Neuen Testament neben der Bewahrung vor dem zeitlichen Tod auch die Bewahrung vor dem ewigen Tod gemeint. Aufrichten bedeutet in der schweren Krankheit eine Stärkung durch Gott. Da die von Jesus Christus nach seiner Auferstehung eingesetzte heilige Beichte das Sakrament der Sündenvergebung ist (Joh 20,22f), ist dieses Sakrament vor der Krankensalbung zu spenden, wenn dies dem Kranken möglich ist. Wenn nicht, so ‚muss’ und wird er die heilige Beichte sobald es ihm wieder besser geht, nachholen, um seine Sünden zu bekennen und um die vielen schönen Gnaden, die Gott ihm schenken will, zu empfangen.
Die vorgelegte kurze Beschreibung der heiligen Krankensalbung aus dem Jakobusbrief wird nun im Folgenden ausführlicher erläutert. Im Hintergrund steht dabei die Jahrtausende alte Praxis der von Jesus Christus durch die Apostelberufungen und die Geistsendung an Pfingsten gegründeten katholischen Kirche.
Gültig spenden das Sakrament der Krankensalbung allein die Bischöfe und die Priester. Die Diakone und Laien sind nicht in der Lage, die Krankensalbung gültig zu spenden. Gegenteilige Bräuche und Meinungen sorgen immer wieder für Verwirrung und wurden von der Kirche zu Recht streng verurteilt. Dies dient dem Schutz der Kranken, damit sie nicht getäuscht werden. Rufen Sie deshalb rechtzeitig einen Priester, damit die kranke Person auch noch die heilige Beichte empfangen kann.
Empfänger der heiligen Krankensalbung sind schwer erkrankte Menschen. Man soll nicht zu lange warten, bis man den Priester ruft. Es ist aber wichtig, dass eine schwere Krankheit vorliegen muss, durch die man in Lebensgefahr geraten kann. Die Päpste und die Bischöfe lehnen zu Recht Krankensalbungsgottesdienste an Wallfahrtsorten, in Krankenhäusern oder in Altenheimen ab, wo ungeprüft jedem das Sakrament gespendet wird. Die Beschränkung der Spendung auf die unmittelbare Sterbestunde geht auf die Franziskanertheologen Bonaventura und Duns Scotus zurück. Diese Praxis wird nicht durch das Konzil von Trient gestützt. Auf dem II. Vatikanum wurde ausdrücklich noch einmal betont, dass die heilige Krankensalbung schon den schwer erkrankten Gläubigen zu spenden ist und man im Zweifelsfall nicht warten soll. Selbstverständlich darf und muss das Sakrament auch den Sterbenden gespendet werden. Das eigentliche Sterbesakrament ist die heilige Kommunion, die heilige Wegzehrung. Idealerweise ist nach Möglichkeit die Reihenfolge Beichte, Krankensalbung, Kommunion einzuhalten.
Notwendig für die Gültigkeit der Spendung der heiligen Krankensalbung ist das vom Bischof geweihte Öl, das der Priester im Notfall auch selbst weihen darf.
Die Wirkungen der Krankensalbung sind vielfältig. Im Zentrum steht die innige Verbindung mit dem leidenden Christus, der uns vor dem ewigen Tod errettet. Durch die Spendung des Sakramentes empfängt der Kranke Trost und vor allem Gnaden. Eine schwere Krankheit ist immer existentiell bedrohlich. Bezüglich der im Jakobusbrief angedeuteten Sündenvergebung müssen wir genau unterscheiden. Wir haben schon betont, dass vor der Spendung der Krankensalbung nach Möglichkeit die heilige Beichte zu empfangen ist. Es soll deshalb noch einmal betont werden, dass man nicht zögern soll, einen Priester zu rufen. Die Spendung der Krankensalbung kann auch die körperliche Gesundung fördern oder sogar wiederherstellen. Der Mensch ist eine Einheit aus Leib und Seele. Diese Wirkung muss allerdings nicht unbedingt eintreten – im Mittelpunkt steht die Hinordnung auf Jesus Christus und das Ewige Leben bei Ihm. Dies ist letztlich unser aller Ziel und Lebensinhalt – die Gottes- und die Nächstenliebe, die wir in Worten und noch mehr in Taten leben sollen. Ohne die Hilfen und Gnaden des Herrn ist uns dies nicht möglich. Vertrauen wir auf Ihn und bitten wir Ihn immer wieder um Seine Huld.
Die Begleitung und Betreuung schwer Erkrankter und Sterbender ist ein Werk der Barmherzigkeit2. Deshalb wiederhole ich es jedes Mal mit liebendem und frohem Herzen: Seid gut zueinander. So folgen wir unserem Herrn und Gott Jesus Christus, seiner Mutter Maria und den Heiligen nach.

P. Andreas Hirsch FSSP

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*