Komm, Heiliger Geist und störe uns!

„Gott und Herr, Du heiligst Deine Kirche in jedem Volk und jedem Land. Gieße die Gaben Deines Geistes über die ganze Erde aus. Und was Deine Gnade gewirk hat, als die frohe Botschaft ihren Anfang nahm, das wirke sie jetzt in den Herzen aller Gläubigen. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.“
So betet die Legio Mariae jeden Tag. Mit Novenen und vielen Einzelgebeten haben wir uns auf diesen Tag, den Pfingsttag, vorbereit und uns sehnsuchtsvoll nach dem Heilgen Geist ausgestreckt. Dabei ist der Heilige Geist in der Christenheit nahezu die unbekannte Gottheit. Viele Christen haben von ihm keine rechte Vorstellung und in der Theologie und der Verkündigung mutet er allzu oft als ein geistliches Prinzip an, mit dem man nicht so recht etwas anfangen kann. Aber der Heilige Geist ist Person so wie der Vater und der Sohn Person sind. Die Väter sagen, dass er das personifizierte Band der Liebe zwischen Vater und Sohn ist. Unter allem geschwundenen Glaubenswissen steht das Nichtwissen um den Heiligen Geist an erster Stelle. Wie kann man ihn sich vorstellen und wie soll man mit ihm umgehen? Viele Christen verwechseln das Wirken des Heiligen Geist mit der eigenen sich bildenden Meinung, die oft von ganz irdischen Faktoren bestimmt wird und leider nicht vom Geist Gottes. Wer aber den Heiligen Geist, der vom Vater und vom Sohn ausgeht, erkennen will und seine Stimme hören will, der muß nicht nur einen Blick in die Heilige Schrift tun, sondern in der Bibel, und da besonders im Neuen Testament, zu Hause sein. Er ist es, der uns Christus in unserem Herzen aufleuchtet läßt und uns an alles erinnert, was Er, der ihn uns als Tröster sandte, uns gesagt hat. Der Heilge Geist ist vom Vater und vom Sohn nicht zu trennen. Er ist eins mit ihnen.
Er ist es auch, der das Licht des Glaubens in uns entzündet. In der Apostelgeschichte, die wir in diesen Wochen nach Ostern vernehmen, hören wir: als der heilige Paulus nach Philippi kam und dort predigte, dass eine Purpurhändlerin namens Lydia zum Glauben kam und das geschah so: „Da tat der Herr (der Heilge Geist, der Herr ist und lebendig macht) der Lydia das Herz auf“. Und so kommt man zum Glauben.
Auf dem ersten Kongress der katholischen charismatischen Erneuerung in Friedrichshafen vor über 25 Jahren sprach ein indischer Bischof zu den Anwesenden über den Heiligen Geist. Er sagte, dass die Deutschen wunderbar und perfekt im Organisieren seien. Ihr Fehler sei nur, dass sie sogar den Heiligen Geist zu organisieren versuchten. Aber Er läßt sich nun mal nicht organisieren. Dieser Versuch ist nicht nur typpisch deutsch sondern typisch menschlich. „Wir bauen dem Heiligen Geist immer Geleise, auf denen er laufen soll. Aber Er fliegt immer nebenher“, hat ein Kardinal einmal gesagt.
An unserer Haustüre, der Tür unseres Herzens, klopft es. Wir öffnen und dort steht der Heilige Geist und will eintreten. Wir freuen uns; denn wir wollten doch immer, dass Gottes Geist in uns Wohnung nimmt. Wir begrüßen ihn und sagen: „Es freut mich, dass Du endlich einmal zu mir kommst. Tritt ein und putz dir die Schuhe gut ab. Am besten nimmst du die hier bereit stehenden Hausschuhe und dort ist das Gästezimmer. Bitte sich möglichst dort aufzuhalten. Die Mahlzeiten gibt es um 8 Uhr und 12:30 Uhr und um 19 Uhr. Um 15:00 Uhr trinken wir mit dir Kaffee.“ Aber wenn wir dann im Gästezimmer nachschauen um ihn dann zum Essen zu rufen, merken wir, dass er still wieder gegangen ist. (Der Bischof aus Indien predigte sehr konkret.)
Wir haben uns halt in unserem Leben eingerichtet und unsere Verletzungen und Widerwärtigkeiten nach besten Kräften kompensiert und versuchen nun recht und schlecht damit zurecht zu kommen. Und darin wollen wir nicht gestört werden. Besonders wollen wir nicht, das jemand kommt und unsere Schuld und unsere so mühsam verborgenen Schwächen aufdeckt. Einen Störer in unserer festgefügten Burg können wir nicht gebrauchen. Das Leben ist schon so schwer genug. Ablenkung, Unterhaltung und Wellness sind gefragt, alles was unsere Probleme verdrängt.
Aber der Heilige Geist, der der Lebensodem ist, ist kein Wegnehmer wie die Menschen. Wenn er etwas nimmt, dann gibt er 1000fach Besseres. Er will in unserer Wohnung frei walten und schalten und in alle dunklen Ecken leuchten sowie alles unter den Teppich Gekehrte herausfegen und unsere Herzenswohnung vom Schmutz befreien. Er befreit unsere Wohnung von allem Nippes und dem ganzen Rhein-Ruhr-Barock und läßt Jesus, die Quelle des Lichtes und des Lebens ein. Er räumt unsere Kompensationen ab und legt Jesu Frieden und das göttliche Leben als Teppiche und Möbel in unsere Wohnung. Und dann wird es kommen, das Leben in Fülle. So können wir wirklich in Sicherheit wohnen. „Du tust mir kund den Weg zum Leben. Vor dir ist Freude in Fülle und liebliches Wesen zu Deiner Rechten ewiglich.“ (Ps. 16) Dann hört alle Langeweile auf und unsere so bedrückenden Ängste weichen der Freude am Glauben, der Freude am Herrn.
„In der Unrast schenkst Du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu; spendest Trost in Leid und Tod.“ Was verlangt denn der Heilige Geist von uns? Er verlangt nichts. Er bittet eingelassen zu werden und um Vertrauen.
Ach, so viele Menschen können nicht vertrauen. Zu sehr sind sie immer wieder enttäuscht worden, enttäuscht von Menschen. Aber der Heilige Geist ist Gott. Er entäuscht nie. Die Heilige Schift sagt von ihm, dass er sogar die Tiefen Gottes erforscht. Sollte er nicht unsere Ängste und unsere Sehnsucht erkennen? Wir brauchen sie Ihm nur hinzuhalten. Das genügt ihm. Dann tritt er mit all seinen wunderbaren Gaben ein und wirkt in unserer Herzenswohnug das, was er tat, „als die frohe Botschaft ihren Anfang nahm“. Haben wir keine Angst!
Wir dürfen ihm auch sagen, dass wir uns davor fürchten, dass er unsere so schwer und mühsam erarbeiteten Kompensationen wegnimmt. Er wird es mit seiner göttlichen Kraft sanft und leise nach und nach tun und sogleich für jede Kompensation eine wunderbare Gabe, Kraft und Trost in unser Herz legen.
Laßt uns mutig rufen: „Komm Heiliger Geist und störe uns, bis das wir tun, was Du willst!“
Ein gesegnetes Pfingstfest allen Freunden und Lesern.

Michael Schneider-Flagmeyer

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Komm, Heiliger Geist und störe uns!

  1. S. Moll sagt:

    Danke für diesen äußerst gut geschriebenen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*