Adolf Anton Falkowski: „Fragt mich nicht.“

Wie grausam die Nationalsozialisten Katholiken verfolgt haben, zeigt uns das Schicksal von Adolf Anton Falkowski. Sein Leben zeigt uns aber auch, unter welchen Opfern damals Menschen Christus die Treue gehalten haben.
Adolf Anton ist am 30. Juni 1917 in Mainz als Sohn des Schneidermeisters Falkowski und dessen Ehefrau Franziska geboren. Er besuchte die Oberschule. 1934 musste er in die Hitler-Jugend (HJ) eintreten, weil er von der Zahlung des damals üblichen Schulgeldes befreit war. Schule und HJ waren eine Qual für den jungen Mann, weil er ständig wegen seiner Religion verspottet wurde, besonders nachdem er bekannt hatte, dass er Priester werden wolle. In einem Schulaufsatz 1935 hatte Adolf Falkowski geschrieben: „Es ist eine Freude, wenn man hört, dass die Eintritte junger Theologen in die Priesterseminare sich nicht verringern, auch dann nicht, wenn eine falsche Welt von Großsprechern dem Priesterstand erlogene Verbrechen vorwirft.“ Das war eine mutige Kampfansage an die Nationalsozialisten in der Schule. Doch die Schule schlug zurück. Die Schulleitung wollte ihn aufs Glatteis führen und vor Zeugen erklären lassen, wen er mit den Ausdrücken „falsche Welt“ und „Großsprechern“ meine. Da Falkowski auf diese Fangfragen nicht einging, protokollierte der Direktor: „Die Ausführungen seines Aufsatzes beweisen seine gegnerische Einstellung zum nationalsozialistischen Staat, weshalb ich empfehle, auf diesen jungen Mann einzuwirken und ihm den Zugang zu dem in Aussicht genommenen Beruf zu versperren.“
Der Druck auf den Schüler wurde so stark, dass er rasch zu seinem Onkel nach Straßburg fliehen musste. Dort lebte er sich gut ein. Aber als 1936 der Einberufungsbefehl zum Militär bei seinen Eltern eintraf, wagte er nicht, diesen Befehl zu ignorieren. Außerdem hoffte er, dass über die früheren Auseinandersetzungen Gras gewachsen sei. Deshalb kehrte er am 1. Juli 1936 nach Deutschland zurück. Als er am nächsten Tag von der Frühmesse ins Elternhaus zurückkam, warteten dort bereits zwei Polizisten auf ihn. Falkowski wurde umgehend in das KZ Dachau transportiert. Erst im Frühjahr 1939 durfte er kahl geschoren und krank wieder nach Hause. Auf die besorgten Fragen seiner Angehörigen, wie es in Dachau gewesen sei, antwortete er nur kurz: „Fragt mich nicht.“ Wer das Glück hatte, aus dem KZ entlassen zu werden, musste nämlich unterschreiben, dass er über die Zustände dort nichts berichten werde. Andernfalls müsste er sofort wieder zurück ins KZ. Die Nationalsozialisten wollten einerseits, dass ihre Grausamkeiten nicht bekannt würden, andererseits aber sollten sie doch vor einem möglichen aktiven Widerstand abschrecken. Bei Kriegsbeginn 1939 wurde Falkowski zum Militär eingezogen. Er kam eine Strafkompanie für besonders gefährliche Einsätze, wo man kaum eine Überlebenschance hatte. Wann und wo er gefallen ist, wurde nicht bekannt. Sicher ist nur, dass er den Krieg nicht überlebt hat. Seine Angehörigen in Mainz sind bei einem Bombenangriff ebenfalls ums Leben gekommen.
Das Schicksal von Adolf Anton Falkowski zeigt, dass die Nationalsozialisten jeden Widerstand schon im Keim erstickten. Daher bleibt sein Heldenmut bewundernswert. Die Nationalsozialisten konnten sein Leben auslöschen, nicht aber seinen Geist.

Eduard Werner

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