Maria, Jungfrau und Gottesmutter. Bericht über die 25. Augsburger Theologische Sommerakademie 2017

„Maria, Jungfrau und Gottesmutter – Ihre Bedeutung für die Kirche und die Menschheit“ war das Thema der diesjährigen 25. Theologischen Sommerakademie, die vom 13. bis zum 16. September in Augsburg stattfand. Es ging diesmal in erster Linie um die Bedeutung, die Maria für unsere Frömmigkeit und unser Leben als Christ hat, die großen dogmatischen Themen wie die Jungfräulichkeit oder der Anteil der Gottesmutter am Erlösungswerk wurden eher am Rande gestreift, was nicht bedeutet, dass sie den Referenten unwichtig waren, denn sie wurden immer mitgedacht. Aber vor allem bot diese Akademie den Teilnehmern die Möglichkeit, der Gottesmutter zu begegnen: Wie können wir dadurch, dass wir auf sie schauen und mit ihr gehen, in unserem Glauben an Gott Stärkung erfahren? Gerade aufgrund dieser Perspektive gab die Augsburger Akademie wieder frische Impulse, den Glauben zu vertiefen und zu leben.
Wegweisende Königin des Himmels und Vorbild im Glauben
Das marianische Thema war gerade auch deshalb gewählt worden, weil es in diesem Jahr 100 Jahre her ist, dass in der portugieischen Ortschaft Fatima die Gottesmutter erschien. So sollte auch Fatima im Mittelpunkt des ersten Vortrags stehen, den der wissenschaftliche Leiter der Akademie Prof. Dr. Dr. Anton Ziegenaus hielt. Der emeritierte Augsburger Dogmatiker und ausgezeichnete Kenner der Geschehnisse in dem bedeutenden Wallfahrtsort sprach zum einen über die Ereignisse des Jahres 1917, deutete dann aber auch die Botschaft von Fatima für unsere Zeit. So verwies er nicht nur auf das im letzten unerklärliche Sonnenwunder, das unzählige Anwesende in maßloses Staunen versetzte, sondern er machte auch deutlich, wie die Wallfahrt dorthin unaufhörlich wuchs, trotz massiver Repressalien durch die portugiesische Regierung und wegen unwegsamen Geländes. Die Mutter Gottes erwies sich letztlich als die Stärkere. Für unsere Zeit hat die Botschaft von Fatima, so Prof. Ziegenaus, gerade im Blick auf die letzten Dinge, also die Themen Himmel, Hölle, Fegefeuer, ihre besondere Bedeutung. Einerseits soll dadurch die Sehnsucht nach dem Himmel geweckt werden – beispielhaft waren die Seherkinder, die trotz ihrer Jugend auf die Ewigkeit hin dachten. Aber sie wollten auch einen Beitrag leisten, damit andere vor der Hölle bewahrt werden und waren daher bereit, ihre Leiden aufzuopfern. Fatima zeigt: Die Bereitschaft zum Sühneleiden ist ein ganz heroischer Akt der Nächstenliebe und vermag auch schwerem Leid einen Sinn abzugewinnen.
Wie umfassend die Gottesmutter in der Kirche gesehen wird, zeigte der Dogmatiker von St. Pölten Prof. Dr. Josef Kreiml. Maria, das ist die zutiefst vertrauende Magd, die zur Gottesmutter erwählt wurde, sie ist aber auch die besondere Frauengestalt, die im Himmel von ihrem Sohn zur Königin gekrönt wurde. Hier griff er eine Beobachtung des ehemaligen Regensburger Bischofs Rudolf Graber auf, der feststellte, dass es auf der einen Seite Gläubige gibt, die sich mit einer Verehrung der Gottesmutter schwer tun, mit der in der Bibel beschriebenen Maria als der gehorsamen Frau des Glaubens aber umso leichter. Auf der anderen Seite gibt es Gläubige, die Maria so sehr verehren, dass sie dabei ihren göttlichen Sohn zu vergessen drohen. Rudolf Graber war schon aus dieser Perspektive überzeugt, dass ein Mittelweg zu gehen sei – Maria Himmelskönigin und Magd des Herrn. Maria gilt – gerade auch entsprechend dem Zweiten Vatikanischen Konzil – als Mutter der Kirche. Aber als Mutter der Kirche wiederum vermag sie uns zu ihrem göttlichen Sohn zu führen. Gerade das ist und bleibt entscheidend für die Marienverehrung, dass Maria nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern immer untrennbar bei ihrem göttlichen Sohn steht. Die Verehrung der Gottesmutter kann so dem oft zerrissenen Menschen Orientierung bieten. Weil sie ihr Leben auf Christus ausrichtet, kann sie, die ohne Sünde war, zur Umkehr und Hinwendung zu Gott bewegen.
Maria in der Literatur und im Brauchtum
Eines der bedeutendsten literarischen Werke über die Marienerscheinungen in Lourdes schrieb der jüdische Dichter Franz Werfel mit seinem Roman „Das Lied von Bernadette“. Über die Entstehung und Zielsetzung dieses Buches sprach Frau Dr. Monika Born, die schon häufig bei der Sommerakademie der Hörerschaft christliche Literaten erschlossen hat. Sie zeigte, dass Werfel trotz der dichterischen Freiheit in seinem Roman Tatsachen keineswegs auf den Kopf stellte. Er ging dabei anders vor als Emile Zola, der in seinem Roman tatsächlich geschehene Heilungen als reine Spekulationen ausgab und zudem noch die Personen, die geheilt wurden, falsch und negativ charakterisierte. Werfel erfüllte mit seinem Roman ein Gelübde: Er hielt sich in Lourdes während seiner Flucht vor den Nazis auf und versprach, dieses Buch zu schreiben, wenn er glücklich in den USA ankäme. Tatsächlich stand er dem Christentum sehr nahe, ließ sich aber aufgrund seiner Solidarität mit Israel nicht taufen, doch auch, weil er im Katholizismus antijudaistische Elemente sah sowie keine Vorteile durch die Taufe haben wollte.
Mit dem marianischen Brauchtum befasste sich Prälat Ludwig Gschwind in seinem Vortrag. Dabei plädierte er nicht zuletzt für eine Marienverehrung, die von Herzen kommt und das Herz anspricht: „Der Mensch braucht etwas fürs Herz. Überlassen wir das nicht den Schlagersängern.“ Und so bietet tatsächlich das ganze Kirchenjahr mit seinen Marienfesten die Möglichkeit, das Gemüt religiös anzusprechen. Gschwind erinnerte daran, die Samstage als Marientage zu begehen. Er verwies auf das Glockenläuten zur Mittagszeit, um den Engel des Herrn zu beten und stellte auch die Bedeutung der Kräutersegnung an Mariä Himmelfahrt heraus, die an den wunderbaren Duft erinnere, der nach Mariens leiblicher Auffahrt in den Himmel aus dem leeren Grab strömte. Die gesegneten Kräuter schmücken dann den Herrgottswinkel, und so ist der Glauben auch lebendig in den Familien. Genauso empfahl Gschwind Kommunionkindern einen Rosenkranz zu schenken und bedauerte, dass dieses Gebet bei der jungen Generation kaum noch bekannt sei.
Die Wirkmächtigkeit des Gebetes
Um den Rosenkranz ging es auch im Vortrag von P. Dr. Johannes Nebel FSO. Er bot darin einen theologischen Zugang zum Geheimnis seiner Wirkung. Es ging also um die Frage, ob dieses Gebet tatsächlich wirkmächtig ist, also bei Christus, dem Herrn, Gutes bewirkt. Nebel lenkte in seiner Argumentation den Blick zunächst auf die in der Schöpfung gegebene Beziehung von Mann und Frau und stellte parallel dazu die analoge Beziehung von Christus und Kirche heraus, wobei Maria als Mutter der Kirche gilt. Christus wendet sich der Kirche besonders zu, wenn er sie als seine Braut erkennt, die sich ihm zuwendet. Im Rosenkranz betrachtet der Beter Christus gemeinsam mit Maria, der Mutter der Kirche, und zeigt damit jene Zuwendung, die den Herrn dazu bewegt, sich nun ihr – seiner Kirche – zuzuwenden.
Die Wirkmächtigkeit des Gebetes zur Gottesmutter durfte auch „Radio Horeb“ erfahren. Der christliche Rundfunksender in Balderschwang an der Grenze zu Vorarlberg finanziert sich allein durch Spenden und kann mittlerweile aufgrund des hohen Spendenaufkommens sogar andere christliche Sender in ärmeren Ländern unterstützen. Sabine Römer, Mitarbeiterin im PR-Bereich, wies auch darauf hin, dass „Radio Horeb“ vor allem vom Ehrenamt lebt, es allerdings immer wieder gelingt hochqualifizierte und hochmotivierte Mitarbeiter für Gotteslohn zu gewinnen, sei es als Referenten, die zumeist live sprechen, als Techniker oder für die Werbung für den Sender, sodass neben den Spendern gerade die Ehrenamtlichen wesentliche Stützen sind. Aber Sabine Römer vergaß auch nicht auf das Gebet hinzuweisen, bewirkt gerade dies doch unendlich viel, dass Radio Horeb blüht, wächst und gedeiht.
Mariens Demut und die Heilige Familie
Untrennbar mit der Gottesmutter ist das „Magnificat“ verbunden, das seinen festen Platz im Abendgebet der Kirche, der Vesper, hat. Diesen Hymnus, den die schwangere Gottesmutter bei ihrer Cousine Elisabeth betete, betrachtete der Neutestamentler und Philologe Prof. Dr. Marius Reiser in seinem Vortrag. Er machte deutlich, dass Maria die Heilsgeschichte bis Abraham zurückverfolgt und damit ausdrückt: Was mit Abraham anfing – endet mit Christus.
Besonders lenkte Reiser auch den Blick auf die Demut der Gottesmutter, die vor allem in dem Satz ausgedrückt wird: „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“ Dabei, so stellte Reiser heraus, ist Demut nicht nur ein Attribut der Gottesmutter, auch ihr göttlicher Sohn zeichnete sich als demütig aus. Gerade im Christentum gilt die Demut als die eigentliche wesentliche Tugend. Erweist sich für den Christen der Hochmut als Wurzel jeder Sünde, so ist die Demut das Heilmittel. Im vorchristlichen Denken galt hingegen auch der Stolz als Tugend.
Über die Bedeutung der Heiligen Familie aus Jesus, dem Gottessohn, Maria und Josef, sprach der Moraltheologe Pfarrer Dr. Christian Schulz. Er machte deutlich, dass diese Familie, die nach Hans Urs von Balthasar aufgrund des göttlichen Heilsplans zusammengesetzt war, alles andere als ein idyllisches Leben hatte: Die Schwangerschaft Mariens bricht über die Eheleute hinein, dann die Flucht nach Ägypten und schließlich die Erfahrung, dass sich der göttliche Sohn von der Familie um seiner Sendung willen distanziert – etwa als Zwölfjähriger im Jerusalemer Tempel, als er Gott als seinen wahren Vater benennt. Das Charakteristikum von Familie ist aber, so machte Schulz deutlich, der Bund von Liebe und Treue. Gleichzeitig soll Familie im christlichen Sinn auch Hauskirche sein. Es soll erfahrbar werden, dass die eheliche Liebe teilhat an der göttlichen Liebe. Darum sind in ihr Gebet, der Empfang der Sakramente und schließlich die tätige Liebe sehr wichtig. Ebenfalls ist es Aufgabe der Familie, Berufungen zu wecken und wachsen zu lassen – gerade auch geistliche Berufungen.
Ein Zeugnis für eine solche Berufung gab Elisabeth Gietl aus dem Säkularinstitut der „Ancillae Domini“. Als begeisterte christliche Pfadfinderin hat sie sich auf den Weg der Nachfolge Christi gemacht und dabei auch eine Marienweihe abgelegt. Heute lebt sie mit einigen Mitschwestern auf einem umgebauten Bauernhof in Blindenmarkt in der Diözese St. Pölten (Niederösterreich). Die Schwestern stellen sich ganz in den Dienst der Verkündigung der Botschaft Christi und erleben immer wieder, wie sie durch ihr Gebet zu Gott auf die Fürsprache der Gottesmutter in vielen ganz schwierigen Situationen Hilfe bekommen haben. Hilfreich erweist sich die Quicknovene zur Muttergottes, die sie von der Mutter Teresa übernommen haben. Tatsächlich hat Elisabeth Gietl – wie es der Titel ihres Vortrags war – mit Maria Abenteuer bestanden und Jesus in die Welt getragen.
Zwei Pontifikalämter
Neben den Vorträgen versammelten sich die Teilnehmer der Akademie auch immer wieder zum Gebet – so einmal zur Eucharistischen Anbetung, aber auch zum Angelus oder Abendgebet nach den Vorträgen – und täglich zur heiligen Messe. Der Eröffnungsgottesdienst wurde vom Moderator der Akademie Prof. Anton Ziegenaus gehalten, der Abschlussgottesdienst von Prof. Josef Kreiml. Darüber hinaus gab es auch zwei Pontifikalgottesdienste. Am Fest „Kreuzerhöhung“ war Weihbischof Florian Wörner von Augsburg in der Basilika St. Ulrich und Afra der Zelebrant. In seiner Predigt machte er deutlich, dass Menschen, die bereit sind, ihr Kreuz zu tragen, im Glauben die Erfahrung machen, getragen zu werden. Die heilige Messe wurde vom Chor „Heimatmelodie“ unter Leitung von Alena Heiser und Anja Hosmann an der Orgel musikalisch gestaltet .
Zum Fest „Mariä Schmerzen“ hielt in der Wallfahrtskirche Bobingen bei Augsburg Bischof Vitus Huonder von Chur die heilige Messe. In seiner Predigt stellte er die Gottesmutter als keuscheste Mutter und Hilfe der Christen vor und wies auf die Notwendigkeit der Keuschheit auch in unserer Zeit hin. Dabei wies er darauf hin, dass man unterscheiden müsse zwischen dem Menschen, „der sich verfehlt“ und dem Menschen, „der nichts mehr hält von Gottes Weisung und Willen“, was das eigentliche Problem ist, denn hier geht es um die unvergebbare Sünde wider den Heiligen Geist.
Abschließend kann gesagt werden: Die Augsburger Sommerakademie bot in diesem Jahr wieder viele wegweisende Hilfen für den Glauben und seine Praxis, diesmal besonders in Bezug auf die Gottesmutter. Dafür sei allen Mitwirkenden ein herzliches Vergelt’s Gott gesagt.

Raymund Fobes

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Eine Antwort auf Maria, Jungfrau und Gottesmutter. Bericht über die 25. Augsburger Theologische Sommerakademie 2017

  1. Jürg Rückert sagt:

    Interessant ist das ambivalente Verhalten von Christen zu Fatima. Einerseits wird versichert, dass Russland vorschriftsmäßig geweiht worden sei und alles gerettet, andererseits erwarten sie die große Katastrophe. Was nun?
    Wird der schnelle Brüter Europa explodieren oder eher in einem qualvollen Schwelbrand enden? Wie hätten`s wir denn gern? Ein guter „Ausstieg“ ist inzwischen ausgeschlossen.
    Der Historiker Hesemann wies kürzlich daraufhin, dass der Papst 1984 (ganz im Geheimen) Russland dem Herzen Mariens nach der Vorgabe der Erscheinung in Fatima geweiht habe. Sr. Luzia habe dies bestätigt. Die Drohung eines von Russland ausgehenden Weltkrieges sei damit gebannt, so die Schlussfolgerung. Aber der Kommunismus konnte seine Irrtümer über die Welt viel zu lange ungehemmt verbreiten. Sogar der Vatikan blieb davon in jüngster Zeit nicht verschont, so sagt man. Und die Antifa in Europa und den USA als Urenkel der Oktoberrevolution sind ein beredtes Zeugnis.

    Im Bistum Innsbruck sprach ein Pfarrer zu den Schulkindern „von den letzten Dingen“. Dabei erwähnte er auch das Fegefeuer. Er wurde denunziert und sofort vom Bischof vom Religionsunterricht entbunden.

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