Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Prälat Ludwig Wolker (1887 – 1955)

Jede geschichtliche Epoche hat ihre spezielle Herausforderung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es für die Kirche die Jugendseelsorge. Auf der einen Seite kämpfte der Marxismus um die Jugend, auf der anderen Seite begannen biologistische und rassistische Ideologien die Gedanken der Jugend zu prägen. Diese Strömungen waren der universal geprägten katholischen Kirche fremd. In der Publizistik setzte sich die kämpferische Maxime durch: „Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft.“ Da musste auch die katholische Kirche aktiv werden und eine Jugendseelsorge einrichten. Dem Münchner Kardinal Faulhaber war der junge Priester und Studienrat Ludwig Wolker an der Berufsschule aufgefallen, Deshalb berief er ihn 1926 zum Präses des katholischen Jungmännerverbandes, erst für die Erzdiözese München-Freising, dann für ganz Bayern. Mit einer Zeitschrift begeisterte er die Jugendlichen für ein Bekenntnis zu Christus und zur Kirche. Wolker hatte früh erkannt, dass die Jugend offen ist für Gemeinschaft und für Sport. Deshalb sorgte er sehr schnell dafür, dass das Gemeinschaftserlebnis und fairer Sport in den Jugendgruppen eine große Rolle spielt.
Die Grundlage für jede Jugendseelsorge war jedoch die religiöse Bildung, gemeinsame Bekenntnistage und gemeinsame Liturgiefeiern. Wolker übersetzte lateinische Messtexte und gab Liederbücher heraus. Parallele Initiativen wie die liturgische Erneuerungsbewegung mit Romano Guardini und Initiativen mit dem zweisprachigen Schott-Messbuch nahm er bereitwillig auf. Dabei war Wolker so erfolgreich, dass er kurze Zeit später zum Generalpräses der katholischen Jungmänner Vereine Deutschlands ernannt wurde. Gleichzeitig wurde Wolker Bundespräses der katholischen Jugend in ganz Deutschland. In diesem Zusammenhang wurde ihm auch das legendäre Jugendhaus Altenberg und der Altenberger Dom in der Nähe von Köln anvertraut. Damit hatte er die ersehnte Begegnungsstätte. Der Begriff Jugendseelsorge bekam in ganz Deutschland rasch einen positiven Klang. Als 1933 die Nationalsozialisten plötzlich die Alleinherrschaft in Deutschland an sich rissen, riet Wolker zur Vorsicht, denn in Deutschland herrschte noch die leidvolle Erinnerung an die Zeit des so genannten Kulturkampfes unter Bismarck. Wolker wusste daher, wie schnell Priester und Bischöfe in die Gefängnisse geworfen werden können. Trotz dieser Gefahr stellten sich die Jugendlichen der kirchlichen Abwehrstelle in Köln bei der heimlichen Verteilung kirchlicher Post zur Verfügung. Millionen Broschüren gegen die nationalsozialistische Ideologie brachten die Jugendlich en zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Motorrad in die Pfarreien zur Weiterverbreitung. Trotz großer Vorsicht wurde Wolker am 6. Februar 1936 zusammen mit 57 Mitarbeitern im Jugendhaus Düsseldorf von der Gestapo verhaftet. Obwohl den Jugendlichen und ihrem geistlichen Leiter kein Gesetzesverstoß nachgewiesen werden konnte, wurden sie drei Monate festgehalten. Konfessionelle Jugendgruppen wurden verboten, Jugendhäuser von der Gestapo beschlagnahmt. Jugendseelsorge war nicht mehr möglich. Bei Kriegsbeginn 1939 ging Prälat Wolker zurück nach München und suchte mit Briefen und persönlichen Kontakten mit möglichst vielen Jugendlichen in Verbindung zu bleiben. Weil er ahnte, dass die die Post von der Gestapo überwacht wird, vermied er politische Äußerungen. Nach dem Krieg stellte er sich der Neuorganisation der Jugendseelsorge wieder zur Verfügung. Er wurde sogar Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees. 1955 starb Wolker plötzlich an Herzversagen. Heute spielt Wolker für die vielen DJK-Vereine immer noch eine wichtige Rolle. Jugendseelsorge braucht einen guten Sämann und guten Humus. 

Eduard Werner

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*