Stille oder Geschwätzigkeit?

Die Adventszeit hieß in Bayern einmal die staade (stille) Zeit. Erwartungen und Vorbereitung waren auf die Geburt unseres Erlösers gerichtet. Lärm und Geschwätzigkeit überlagern heute diese Zeit.
Geschwätzigkeit ist zum Kennzeichen unserer Epoche geworden. Robert Kardinal Sarah sagt in seinem Buch „Kraft der Stille“: „Die moderne Kultur kann nicht mehr ohne die Diktatur des Lärms auskommen“ (S. 42) … „Die Stille der Lippen scheint für den Abendländer unmöglich zu sein“ (S. 50). Das wird besonders in der Politik deutlich. Weltwirtschaftsgipfel, Weltwirtschaftskonferenzen etc. jagen einander. Die Ergebnisse erinnern an den Berg, der kreist und ein Mäuslein gebiert.
In Deutschland versuchen die Abgeordneten eine neue Regierung zu bilden. Zu den Sondierungsgesprächen und Konferenzen reichen die Werktage nicht aus. Selbst die Sonntage werden dafür gebraucht. Es fehlt der Kompass. Den hatte auch die bisherige Regierung nicht, wenn es um ethische Fragen ging. Er ist auch jetzt nicht in Sicht. Welches Menschenbild haben unsere Abgeordneten?
Im Wahlkampf spielten Fragen, die mit unserer Zukunft zu tun haben, z.B. die Ursachen der demografischen Entwicklung, – unser Hauptproblem –, ebenso wie andere Fragen des Lebensschutzes keine Rolle. Ziele, wie die Installierung der Genderideologie, getarnt als „sexuelle Vielfalt“ in den Schulen – und jetzt in der Bundeswehr – werden klammheimlich durchgezogen. Wenn machtgefährdende Fragen auftauchen, entsorgt sie die Regie als „Gewissensfragen“, wie bei der „Ehe für alle“, anstatt Führungsstärke zu zeigen.
Eine wirkliche Erneuerung unserer Gesellschaft kann nur über Familien gehen. Das „Forum Deutscher Katholiken“ erwartet deswegen von einer neuen Bundesregierung eine Revolution der Familienpolitik.
Die Geschwätzigkeit ist auch in die Kirche eingedrungen. Auch in der Kirche gibt es eine „falsche Stille“, wenn Bischöfe zu Abtreibung, assistiertem Suizid, Genderideologie schweigen.
In der Bilanz zu 500 Jahre „Reformation“ haben einige hohe katholische Repräsentanten den Dissens, der uns im Sakramentenverständnis, besonders der Eucharistie und in der Ämterfrage trennt, verschwiegen und ausgeklammert. Nach katholischer Lehre besteht Reform in der Erneuerung und Vertiefung der Lehre. In ethischen Fragen, wie Abtreibung, Homosexualität, Genderideologie wird die Kluft nicht enger, sondern weiter. Wer die bestehenden Unterschiede verschweigt, kann nur Enttäuschung ernten.
„Die schönsten Dinge des Lebens ereignen sich“, so Kardinal Sarah, „in der Stille“. Das gilt auch für die Neuevangelisierung, die mit den Marienerscheinungen an die Kinder in Fatima ihren Ausgang genommen hat und schließlich ganz Portugal erfasst hat. Das geschieht in Hauskirchen, geistlichen Gemeinschaften und Klöstern, die sich dem Wort Gottes öffnen, der als Erlöser in der Stille von Nazareth empfangen und in Bethlehem geboren wurde.

Mit den besten Wünschen für einen gesegneten Advent und ein frohes Weihnachtsfest
Ihr Hubert Gindert und Team

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2 Antworten auf Stille oder Geschwätzigkeit?

  1. Gassenreh sagt:

    Man hat das Gefühl, dass die Kirche unter einer Kirchensteuer-Entzugs-Phobie leidet. Anders ist der Kniefall vor linken Strukturen und Zeitgeistansichten nicht zu verstehen.
    Die eigentümliche Reduzierung des Menschen auf seine Sexualität erfasst neuerdings nahezu alle Bereiche, was z. B. auch erkennbar ist am dem von den Gender-Ideologen propagierten “social engineering” in Richtung Früh- und Übersexualisierung im Erziehungsbereich schon der Kleinsten und Jüngsten (Krippe, Kita, staatliche Schule).
    Es kann nicht ernst genug genommen werden, was die Vernichtung des Selbstverständnisses von Mann und Frau für Buben und Mädchen bedeutet, die sich gemäß ihren genetischen Vorgaben an Vorbildern entwickeln müssen [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4 und „Es trifft Frauen und Kinder zuerst – Wie der Genderismus krank machen kann“, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978- 3-945818-01-5]

  2. Mathias Wagener sagt:

    Es wird immer schlimmer. Jetzt wird sogar von der FDP-Jugend noch die Aufhebung des Polygamie-Verbots gefordert. Hirten wie Kardinal Sarah bräuchte auch die hiesige Teilkirche.

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