Dekan Johannes Aeltermann aus Danzig: Ein Märtyrer der verbotenen Polen-Seelsorge

An Allerheiligen gedenken die Katholiken zunächst ihrer verstorbenen Angehörigen. Der Blick richtet sich aber an diesem Tag auch auf die vielen Verstorbenen und Ermordeten, die ein vorbildliches Leben geführt haben oder heldenhaft gestorben sind. Die Zahl der Christen, die wegen ihrer Glaubenstreue oder wegen ihres Eintretens für gefährdete Mitmenschen im 20.Jahrhundert ihr eigenes Leben lassen mussten, ist unüberschaubar.
Ein Beispiel für Viele ist Dekan Johannes Aeltermann aus Danzig. Er ist am 26.06.1876 geboren. 1904 empfing er das Sakrament der Priesterweihe. Als Seelsorger half er der armen Landbevölkerung auch in materieller Hinsicht und geißelte von der Kanzel herab die unkorrekte Amtsführung mancher Gemeindevorsteher und das Benehmen mancher Gutsherren, „die ihren Arbeitern kein menschenwürdiges Leben ermöglichten“. Mit Beginn der nationalsozialistischen Ära in Danzig begann für Johannes Aeltermann ein Opferleben. Die NSDAP versuchte zunächst, den weithin geschätzten Priester für sich zu gewinnen. Aber Aeltermann lehnte entschieden ab, sich diesen Zeitgeist zu beugen, und hielt bald darauf eine grundsätzliche Predigt über „Hakenkreuz und Christentum“, in der er fundamentale Gegensätze aufzeigte. Für einen Christen sei es zwar selbstverständlich, seine Heimat zu lieben und die staatsbürgerlichen Pflichten gegenüber dem eigenen Volk zu erfüllen. Aber deshalb dürfe man noch lange nicht Angehörige anderer Völker hassen; denn auch diese seien von Gott geschaffen und von Christus erlöst. Rosenbergs Ras¬senlehre sei daher mit der Bibel unvereinbar. Diese Predigt ließ er sogar drucken und auch im Ausland verbreiten, was verständlicherweise den Hass der Hitler-Anhänger gegen diesen Priester anheizte.
Aeltermann stand immer wieder Verhöre und kurzfristige Verhaftungen durch. Aber am 21.11.1939 erschien morgens um 4.00 Uhr ein SS-Kommando in seiner Wohnung, um den Dekan zu verhaften. Der Priester hatte am Tag vorher eine junge Polin beerdigt, die infolge von Drangsalierungen vorzeitig niedergekommen und dabei gestorben war. Dekan Aeltermann hatte am Grab öffentlich für sie gebetet. Das hatte die Nationalsozialisten erzürnt. Am 22. November 1939 wurde er deshalb zusammen mit 42 Polen erschossen. Die Todgeweihten mussten ihr Grab selbst ausheben, in das sie dann hinein geschossen wurden. Der Danziger Bischof Carl Maria Splett hatte sich vergeblich für seinen Priester eingesetzt.
Angesichts der 4000 Priester, die von Hitlers Schergen umgebracht wurden, wundert man sich immer wieder, wie die Legende von der angeblichen Zusammenarbeit der Katholischen Kirche mit dem NS-Regime so an Boden gewinnen konnte. Das Fest Allerheiligen wird einmal auch diesen Schmerz tilgen.

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Dekan Johannes Aeltermann aus Danzig: Ein Märtyrer der verbotenen Polen-Seelsorge

  1. Hubert Krebser sagt:

    Die tiefere Bosheit des Systems der Nazis wird deutlicher an der jungen Frau, die durch die erlittene Misshandlung vorzeitig niederkommt und daran stirbt.

    Man muss sich vor Augen halten, dass es nicht einfach die Nazis waren, sondern Menschen, die sich haben verführen lassen von den Ideen der Nazis – und von ihrer eigenen Lust und Bosheit, die sie zu willigen Erfüllern der Naziideologie gemacht haben.

    Dabei gehörten zum Kern jener Partei nach kundigen Schätzungen nur etwa siebentausend Personen. Die meisten davon und es waren viele, die das System überlebt hatten und später wieder oben saßen, brauchten zu ihrer Rechtfertigung einen Sündenbock – das Heer der unmitelbar Schuldigen, das der Drangsalierer und der Schergen brauchte das sowieso. In der Regel ist das wer, an dessen So-und-anders-Sein die eigene Verfehlung deutlich wird; in diesem Fall war und ist es die Katholische Kirche. Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, ist dann jede Verdrehung der Wahrheit recht.

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