Pfarrer Franz Wohlmuth – ein Opfer der ungarischen Kommunisten

Von vielen verborgenen Helden, die zum Schatz der Kirche gehören, werden wir in diesem Leben nie erfahren. Der Historiker Konrad Haspel hat einige von ihnen aus der Vergessenheit geholt.
Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie 1918 wurde in Ungarn
im März 1919 die kommunistische Räterepublik ausgerufen. Die Folgen waren verheerend.
Selbst die kommunistenfreundliche Berliner „Sozialistische Korrespondenz“ zog die traurige Bilanz: „In den 134 Tagen ist mehr Blut vergossen worden, als ein Jahr des Weltkriegs gekostet hat. Ehrlichen Menschen musste das Bewusstsein kommen, dass ein Regime, das nur vom Terror lebte und eine Korruption von unvergleichlicher Art zeitigte, nicht das versprochene Glück bringen konnte.“
Einer der vielen Ermordeten war Pfarrer Franz Wohlmuth. Er ist 1855 in Neckenmarkt im
österreichischen Burgenland geboren. 1881 wurde er in Raab (Györ) zum Priester geweiht und nach verschiedenen Seelsorgstätigkeiten zum Pfarrer von Csaszar im ungarischen Teil der Diözese Raab ernannt. Dort wirkte er 25 Jahre als vorbildlicher Priester. Er pflegte einen sehr bescheidenen Lebensstil und gründete mit seinen Einkünften aus der Esterhazy-Kirchenstiftung einen Wohltätigkeitsfond, aus dem er die Armen des Ortes gleich welcher Konfession unterstützte. Vor schweren Entscheidungen betete er immer vor dem Tabernakel. Während des Terrorregimes riefen die Priester im ganzen Land zum Bekennermut auf. Und
das zeigte auch Wirkung. Bei einer kommunistischen Schulinspektion bekannte sich eine 16jährige Schülerin furchtlos zur Religion. Darauf sagte der wütende Inspektor: „Genossin, weißt du, dass ich das Recht habe, dich nach diesem Vortrag sofort hängen zu lassen?“ Das Mädchen antwortete: „Ich weiß es. Aber ich fürchte Sie nicht. Wenn Sie mich hängen lassen, dann werde ich in der anderen Welt für Ihre Bekehrung beten!“ Der sonst als Rohling bekannte Inspektor murmelte tief beeindruckt: „Einen solchen Charakter habe ich noch nicht gesehen“ und verließ die Schule.
In den revolutionären Wirren sperrten die Bauern von Csaszar den verhassten Revolutionsrat der Gegend im Rathaus ein, der dort gerade eine Sitzung abhielt. Als Pfarrer Wohlmuth davon hörte, besuchte er die Eingesperrten, forderte sie zur Umkehr und Beichte auf und ordnete ihre Freilassung an. Die Kommunisten dankten ihm das jedoch nicht. Sie inszenierten sofort seine Verhaftung und verlangten sein Todesurteil oder einen hohen Preis für die Freilassung. Da der „Rat“ als korrupt bekannt war, boten calvinische Bauern zwölf Ochsen für die Freilassung des katholischen Pfarrers an. Der kommunistische Rat nahm zwar die zwölf Ochsen, verurteilte aber den Pfarrer dennoch zum Tode und ließ die ganze Gemeinde beim schaurigen Aufhängen zuschauen. Als der Pfarrer auf den bereitgestellten Tisch und Stuhl steigen musste, sagte er: „25 Jahre habe ich mich für euch abgemüht, damit ihr glücklich werdet. Dafür erbitte ich nur eure Gebete. Beim Herrn Jesus werde ich sofort für euch beten. Gott sei mit euch!“ Schon mit dem Strick um den Hals segnete er die Gemeinde; dann wurden Stuhl und Tisch umgestoßen und der Pfarrer verschied röchelnd.
Pfarrer Wohlmuth ist nur ein Märtyrer von Millionen des 20. Jahrhunderts. Wir sollten ihr Opfer würdigen, um der Gefahr einer Wiederholung zu begegnen.

Eduard Werner

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