Gertrud Luckner – eine mutige Frau. (Christliche Frauen im Widerstand gegen Hitler)

Wenn bei Gott die Werke der Barmherzigkeit hundertfach belohnt werden, dann ist Gertrud Luckner wunderbar belohnt. Sie wurde am 26.09.1900 in Liverpool als Tochter des deutschen Schiffbauingenieurs Hartmann geboren. Die deutschen Freunde Karl und Luise Luckner adoptierten das Kleinkind und gingen nach Deutschland zurück. Gertrud wuchs in Berlin und Königsberg auf. Dort begann sie ihr Studium der Volkswirtschaft, das sie in Frankfurt am Main abschloss. 1934 verließ sie ihre evangelische Konfession und wurde katholisch. Sehr früh erkannte sie die antichristliche Ausrichtung der nationalsozialistischen Ideologie und warnte daher in ihrem Bekanntenkreis vor der politischen Entwicklung. Nach ihrer Promotion 1938 arbeitete sie beim Deutschen Caritasverband. Erzbischof Gröber von Freiburg betraute sie mit der „Durchführung notwendiger Aufgaben der außerordentlichen Seelsorge“. Das war die offizielle Umschreibung ihrer heimlichen Aufgaben im Untergrund. Sie half den politisch oder rassisch Verfolgten zum Untertauchen, besorgte Lebensmittelkarten, ließ Pässe fälschen und half zur Flucht. Dabei kam ihr die Nähe zur französischen und schweizerischen Grenze zustatten. Nach einer Denunzierung wurde sie am 24.März 1943 bei einer Bahnfahrt wegen „projüdischer Betätigung und Verbindungen zu staatsfeindlichen Kreisen“ verhaftet. Im November kam sie in das Frauen-KZ Ravensbrück. Nun war sie selbst dort, wovor sie viele andere Menschen bewahrt hatte.
War schon die Behandlung auf dem Transport entwürdigend, so gab es bei der Einlieferung ins Lager noch eine Steigerung: Schläge mit dem Gewehrkolben und auch Bisse der Wachhunde. Die Frauen wurden ihrer Kleider beraubt, und die Wachleute trieben ihren Spott mit den nackten Frauen. Die „Kapos“ (Leiter der Arbeitskommandos) waren ebenfalls Gefangene, die meist aus dem Kriminellen- Milieu stammten. Neben manchen freundlichen Kapos gab es aber viele, welche die Mithäftlinge schikanierten.. Das Lagerleben war die Hölle. Am 03. Mai 1945 wurde Frau Luckner von der Russischen Armee befreit. Schon wenige Monate später übernahm sie den Aufbau und die Leitung des Referates „Verfolgtenfürsorge“ beim Deutschen Caritasverband. 1948 begann sie ihre Pionierarbeit für die christlich-jüdische Zusammenarbeit. Für ihr Lebenswerk erhielt sie von der israelischen Regierung den Ehrentitel „Botschafterin der Menschlichkeit“. 1961 wurde bei Nazareth ein „Gertrud-Luckner-Hain“ angepflanzt. 1966 erhielt sie die Yad-Vashem-Medaille und den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“. Im Jahr 1969 wurde ihr zu Ehren in der „Allee der Gerechten“ ein Baum gepflanzt. Auch die deutsche Bundesregierung hat die Lebensleistung von Gertrud Luckner gewürdigt mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Band. Am 31. August 1995 starb Gertrud Luckner in Freiburg.
Während der NS-Diktatur von 1933 bis 1945 haben sich viele Deutsche die Gabe der Unterscheidung zwischen Propaganda und Realität bewahrt. Manche aus dieser Elite haben das eigene Leben riskiert, um das Leben Anderer zu retten. Sie sind zeitlose Helden. Andere haben das eigene Leben mehr geliebt und aus Furcht nicht geholfen. Das ist nicht überraschend, vor allem bei jenen, die eine Familie hatten und auf ihre Angehörigen Rücksicht nehmen mussten. Wer möchte ihnen einen Vorwurf machen? Aber es sind immer Einzelne, die sich mutig gegen den Trend stellen und so der Welt den Weg weisen. So war es schon bei den Propheten im Alten Testament.

Eduard Werner

Quellen: Christliche Frauen im Widerstehen gegen den Nationalsozialismus, Morus Verlag
Berlin, 1999, hrsg. Internat. Frauenbegegnungsstätte Ravensbrück .
Verzehrendes Feuer, Salterrae Verlag 1997, von Gotzon V. de Mendizabal.
Foto: Freiburger Rundbriefe. Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung,
Jahrgang 7/2000 Seite 242

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