Minister Paul von Eltz – Rübenach: Er widerstand dem Tyrannen ins Angesicht!

Es braucht schon Mut, einem Despoten in großer Entfernung heimlich Widerstand entgegenzusetzen. Aber einem Despoten ins Angesicht zu widerstehen, verlangt noch mehr Mut. Paul von Eltz-Rübenach widerstand Hitler ins Angesicht, obwohl er wusste, dass das schlimme Folgen haben könnte.
Er wurde am 09.02.1875 auf Schloss Wahn im Rheinland geboren. Den jungen Paul prägte eine streng katholische Erziehung. Nach einer ausgezeichneten Abiturprüfung absolvierte er Praktika in verschiedenen Eisenbahnwerkstätten und studierte dann an den Technischen Hochschulen in Aachen und Berlin Maschinenbauwesen. Den Eintritt in eine studentische Corps – Verbindung lehnte er ab, weil für ihn als Katholiken das Mensur-Schlagen von der Kirche verboten war. Da von Eltz nicht nur gute Zeugnisse vorweisen konnte, sondern auch ihm übertragene Aufgaben stets hervorragend löste, stieg er in der Eisenbahnverwaltung rasch zum Ministerialrat auf. Am 20. 10.1921 wurde er in der Berliner Hedwigskathedrale mit Marion von Hutier getraut. Auch dem privaten Glück stand zunächst nichts mehr im Wege. Am 1.Juni 1932 wurde er auf Vorschlag des Kanzlers von Papen vom damaligen Reichspräsidenten von Hindenburg als parteiloser Fachmann zum Reichsminister für das Post- und Verkehrswesen berufen. Er leitete dieses Doppelministerium so erfolgreich, dass ihm auch die folgenden Reichskanzler Schleicher und Adolf Hitler diese Aufgabe überließen. Wegen weltanschaulichen Gegensätzen wurde von Eltz immer wieder bei Hitler vorstellig. Dieser reagierte aber nur mit nebulösen Monologen.
Am 27.11.1936 lag dem Reichskabinett ein Gesetzentwurf vor, der die gesamte deutsche Jugend der Hitler-Jugend zur Indoktrinierung auslieferte. Als einziger Minister protestierte von Eltz gegen dieses Gesetz. Zum Eklat kam es in der Kabinettssitzung am 30. Januar 1937.
Hitler wollte allen Ministern und Staatssekretären, die noch nicht Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei waren, das Goldene Parteiabzeichen verleihen. Hitler ging um den großen Kabinettstisch und überreichte den einzelnen Herren das Abzeichen. Als er zu Herrn von Eltz kam, sagte dieser: „Mein Führer, ich habe Ihnen unlängst all meine Sorgen und Nöte wegen der Angriffe der Partei gegen die christlichen Konfessionen vorgetragen. Der Druck hat sich in der Zwischenzeit nur noch vermehrt.“ Da unterbrach ihn Hitler: „ Was wollen Sie damit sagen?“ Darauf Herr von Eltz: „Wenn ich nun in die Partei eintreten soll, so bitte ich mir zu bestätigen, dass Sie den Kampf, den gewisse Parteistellen gegen die Kirchen führen, nicht gutheißen.“ Hitlers Antwort war: „Ich kann die Überreichung dieses Ehrenzeichens nicht an Bedingungen knüpfen.“ Darauf Herr von Eltz: „Dann bitte ich um meine Entlassung!“ Nun ging Hitler wortlos weiter. Die Sitzung wurde rasch beendet. Hitler verabschiedete sich von jedem einzeln, nicht aber von Minister von Eltz. Er empfand die Ablehnung des Goldenen Parteiabzeichens als Affront gegen seine Person und gegen seine Politik. Göring folgte Hitler in dessen angrenzendes Arbeitszimmer und schlug die sofortige Verhaftung des Herrn von Eltz und seine Einlieferung in ein KZ vor. Dagegen versuchte Staatssekretär Meißner die Wogen zu glätten und wenigstens eine spontane Entscheidung zu verhindern. Er lief Herrn von Eltz nach und bat ihn noch auf der Treppe, das Entlassungsgesuch sofort zu schreiben. Dann lief er zu Hitler und meldete, dass das Entlassungsgesuch heute Abend noch einträfe und bat um Milde für Herrn von Eltz. Finanzminister Schacht wagte halblaut zu sagen: „Ich habe nicht gewusst, dass es noch solche Männer im Deutschen Reich gibt.“ Hitler, der sonst in seiner dämonischen Ausstrahlung andere lähmte und Bedenken schon im Keim erstickte, war dieses Mal so irritiert, dass er sich nicht äußerte. Nach der Entlassung folgten für Herrn von Eltz verschiedene Schikanen wie der vorübergehende Entzug der Pension. Seine Arbeit im Verkehrswesen hätte vielleicht auch ein anderer Ingenieur erbringen können. Aber seine Geradlinigkeit vor dem Tyrannen war seine heroische Größe. Er starb am 25.08.1943 im Kreise seiner Familie.

Eduard Werner

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