Pfarrer Ludwig: „Gott lässt seiner nicht spotten!“ (Galaterbrief 6,7)

In Österreich wurden Klöster und Kirchen von den Nationalsozialisten schneller und zahlreicher beschlagnahmt als in Deutschland, weil sie dort auf das Konkordat nicht Rücksicht zu nehmen brauchten. Der Kirchenrektor Rudolf Ludwig erzählte, wie dramatisch es bei der Beschlagnahme des kirchlichen Seminars Borromäum in Salzburg- Parsch zuging. Die Nationalsozialisten hatten das Seminar schon aufgelöst und die Räume für den damals so genannten Reichsnährstand eingerichtet. Nun wollten sie plötzlich auch noch die dazugehörende Kirche konfiszieren. Der Kirchenrektor Ludwig wehrte sich mit Bittgesuchen, um wenigstens die Kirche für die Gemeinde zu erhalten. Seine Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Schließlich befahlen ihm die Nationalsozialisten, am nächsten Morgen um 8;00 Uhr zu erscheinen, um die Kirche zu räumen. Er sollte das Allerheiligste selbst aus dem Tabernakel nehmen und das Ewige Licht löschen. Als er am nächsten Morgen um 8;00 Uhr zur Kirchentür kam, war der SS-Obersturmbannführer mit seinen Beamten schon da. Der Priester versuchte noch mal einen Aufschub zu erreichen. Da unterbrach ihn der SS-Mann: „Schluss! Jetzt ist es aus. Fahr ab mit diesem Plunder!“ So ging der Priester schweren Herzens in die Kirche und nach vorne zum Altar, um vor dem Tabernakel noch mal niederzuknien. Da hörte er hinter sich einen dumpfen Fall. Als er sich umdrehte, sah er den SS-Mann regungslos auf dem Boden liegen. Der rasch herbeigerufene Arzt konnte nicht mehr helfen. Nachdem man den Toten abgeholt hatte, ging die Gruppe der Parteibeamten schweigend auseinander. Niemand sprach mehr von der Schließung der Kirche. So blieb sie der Gemeinde erhalten. Bald nach dem Krieg gaben die Amerikaner der Kirche auch das Seminargebäude zurück.
(Nach Pater Siegfried Staudinger ofm in „Geistliche Miniaturen)

Eduard Werner

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