Nightfever am Pfingstsonntag in Saarlouis

Was kann unserer besonderer Beitrag zum Jahr des Glaubens sein, hatten wir uns im Pfarrgemeinderat von St. Ludwig in Saarlouis gefragt? Und die Antwort war „Nightfever“. Die zentrale Gemeinde St. Ludwig in der Saarlouiser Innenstadt am Großen Markt gelegen war mit dem schönen, schon zum Kirchenbesuch einladenden großen Marienbrunnen vor der Kirche von ihrer Größe und Lage, ihrer Nähe zur Altstadt, bestens dafür geeignet. Saarlouis, eine ehemalige Festung Ludwigs XIV. von Frankreich und in ihrer Zentralpfarrei dem heiligen König Ludwig IX. von Frankreich geweiht, hat eine historische Altstadt, die zwar nicht über eine so lange aber dafür eine genauso berühmte Theke verfügt wie die Düsseldorfer Altstadt, an der sich Abend für Abend die Jugend des Saarlandes und der westlichen Pfalz und dem Nordteil Lothringens versammelt besonders an den Sonn- und Feiertagen. Nightfever war uns bekannt aus den Abenden in der Basilika St. Johann in der nahen Landeshauptstadt Saarbrücken. Ausserdem hatte ich auf dem Kongress „Freude am Glauben“ des „Forums Deutscher Katholiken“ 2012 in Aschaffenburg den Mitbegründer Kaplan Andreas Süß, heute Subregens am Kölner Priesterseminar, mit einer Reihe seiner Mitstreiter kennengelernt. Entstanden war die Idee dazu nach dem Weltjugendtag 2005 in Köln mit Papst Benedikt XVI. durch die damalige Studentin Katharina Fassler Maloney und dem jungen Geistlichen Andreas Süß. In diesen geistlichen Abenden sollte die Flamme, die der Heilige Geist in Köln entzündet hatte, weitergetragen werden.
Und da der Heilige Geist keine halben Sachen macht, entstand daraus eine große Bewegung, die sich schnell in 40 Städten und Orten in Deutschland und bald darüber hinaus auf allen fünf Kontinenten ausbreitete. Und seit diesem Pfingstsonntag gehört Saarlouis auch dazu.
Einige aus unserem Pfarrgemeinderat waren mit dem Pfarrer Ralf Hiebert zuversichtlich, dass ein Nightfever auch in Saarlouis gelingen könnte, weil sie es von Saarbrücken her kannten. So bildete sich ein Team aus Pfarrgemeinderäten, Kommunionhelfern, Gebetsgruppenleiterinnen und Messdiener und Messdienerinnen und freiwilligen Helfern, die unter tatkräftiger Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates die Vorbereitung übernahmen. Durch das treue Gebet vieler, dass der Herr die in unser, Sein Nightfever schicken möchte, die es nötig haben und die Er will, gedieh alles gut: Plakate, Information der Gemeinde durch den Pfarrbrief, Informationen an die Presse und den Saarländischen Rundfunk (Fernsehen) und die Verteilung von vielen Flyern. Der Regionalkantor Armin Lamar hatte die musikalische Begleitung der ersten Halbzeit mit der Orgel und dem Frauenchor übernommen. Dem Pfarrer war es gelungen, Jungen und Mädchen aus dem Max-Plack-Gymnasium mit ihrem Religionslehrer Wilhelmy für die zweite Halbzeit zu gewinnen. Und diese Jungen und Mädchen waren es auch, die in die nahe Altstadt ausschwärmen sollten mit Kerzenlichtern, um die Leute einzuladen in die Kirche zu kommen und ein wenig auszuruhen und zu verweilen und das Licht vor dem im Allerheiligsten anwesenden Christus anzuzünden.
Der Pfingstsonntag kam und mit ihm der Dauerregen. Es regnete wirklich Bindfäden und manchem von uns sank das Herz in die Hose. Na ja, ein paar von den Treuen werden schon kommen.
Und so erteilte uns der Heilige Geist freundlich die 1.Lehre. Wenn man Ihm etwas übergibt, dann sorgt Er auch für den Ablauf. Der Abend begann mit ca. 400 Menschen in der abendlichen Messe zu Pfingsten um 18:30 Uhr. Die Hälfte davon blieb nach der Aussetzung des eucharistischen Herrn auf dem Altar. Und dann geschah eben das, was uns die Sprache verschlug.
Die Jungen und Mädchen waren trotz strömenden Regens unverdrossen in die Altstadt ausgerückt zu ihrer Lichtermission. Und das war die 2. Lehre. Die Unbefangenheit der Jugendlichen bewirkte etwas, was wir Erwachsenen nicht so gut gekonnt hätten. Jung und nicht mehr ganz so jung, kam aus der Altstadt aber auch aus ihren Wohnungen auch mit Kindern in Scharen herbei und verweilten erstaunlich lange. Zwei Priester hörten Beichte. Dort fanden sich besonders junge Menschen ein. Der Kaplan war eingeteilt zur persönlichen Segnung mit einer Monstranz. Aber die Menschen strömten so, dass er es gar nicht alleine bewältigen konnte. Und so besetzte Pfarrer Hiebert noch schnell ein weitere Monstranz , so dass sich in der großen Kirche eine weitere Schlange bilden konnte. Alle wollten von dem eucharistischen Herrn gesegnet werden. Bis zum Schluß der Komplet dauerten die Segnungen an, weil es ein ständiges Kommen, Verweilen und Gehen und Wiederkommen war. Deshalb ist es auch so schwer, die gesamte Zahl der Besucher einzuschätzen. Die meiste Zeit waren in der Kirche ungefähr 300 Menschen anwesend.
Und nun kam die 3. Lehre durch den Heiligen Geist. Er führte die, die Er wollte in seine Kirche. Wir sahen Menschen allen Alters, die wir noch nie in der Kirche sahen. Darunter waren sicher viele treue Katholiken. Aber gerade vielen von den Jungen merkte man an, dass der Kirchenraum für sie absolutes Neuland war. Sie blieben meist lange. Wir hatten im Mittelgang der Kirche ein Pult mit dem Pfingstevangelium aufgestellt; daneben eine Große Kerze und davor einen Kasten, in den man seine Gebetsanliegen werfen konnte. Hunderte von Gebetsanliegen wurden in den Kasten eingeworfen, die am anderen Tag im Hochamt zu Pfingstmontag in den großen Tabernakel im  Hochaltar gelegt wurden. In den nächsten Wochen werden sie bei den Fürbitten vorgetragen. Manche fragten, ob sie auch mehrer der vorbereiteten Zettel für Gebetsanliegen einwerfen dürften: Aber natürlich! Gott hat ein Ohr für alle unsere Nöte und sein Herz umfaßt den ganzen Kosmos und alle Menschen von Adam und Eva bis heute. Es war einfach wunderbar im wahren Sinne des Wortes, wie die Menschen mitsangen und beteten und in der Stille vor dem eucharistischen Herrn ausharrten. „Schweige und bete, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“ Der Friede Gottes war spürbar in der Stille und dem einzigen Licht in der Kirche von 700 Kerzen in Bechern, die wir ausgegeben hatten. Gerade die Jungen wurden davon so berührt. Die zweite Halbzeit wurde von der Band des Gymnasiums gestaltet. Ich gestehe offen, dass ich meiner Befürchtung Ausdruck gab: o je, hoffentlich gibt es jetzt in diese Gebetsstimmung und heilsamen Ruhe keinen Diskosound. Aber man soll sich – und das war ein ganz persönliche Lehre für mich – nicht ängstigen, wenn so offensichtlich der Heilige Geist am Werk ist und die Regie übernommen hat. Die Songs der Jugendlichen fügten sich naht- und bruchlos in die heilende Gebetsstimmung ein. Die Jungen machten das wirklich wunderbar. Unterbrochen wurde ihre Musik wieder durch Stille und eine sehr tiefe Meditation ihres Lehrers über einen Traum des heiligen Kirchenvaters Augustinus.
Das wunderbare Geschenk dieses Abends an uns alle war, dass wir unmittelbar den Heiligen Geist bei seiner Arbeit erleben durften, und das am Pfingstsonntag. Damit war eine große und tiefgehende Stärkung unseres Vertrauens in den Dreifaltigen Gott verbunden. Und das war die 4. und wichtigste Lehre für uns: Gott bedingungslos zu vertrauen und nach Seinem Wort (Joh.15, 5) zu leben: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“.
Er ist der Handelnde, wir sind seine Mitarbeiter, die tun dürfen, was Er uns sagt.
Nach der Komplet, dem eucharistischen Segen und dem Marienlob konnten wir nicht sofort die Kirche für den nächsten Morgen herrichten. Die Menschen mochten einfach nicht gehen. „Wann kommt das nächste Nightfever?“ Und wir konnten ihnen sagen: noch vor Weihnachten und dann soll es zu einer ständigen Einrichtung werden.
Uns hat sich die Wahrheit in der Aufforderung von Papst Franziskus gezeigt: „Öffnet die Türen der Kirchen und der Beichtstühle! Geht an die Hecken und Zäune zu den Menschen!“ Wir haben am Fest des Heiligen Geistes erlebt, dass dazu gerade die Jungen mit ihrer unverdorbenen Unbefangenheit ohne Wenn und Aber gerufen sind und wir, die Älteren die Kirche als Raum der Gegenwart Gottes bereiten und öffnen sollen, um die der Kirche entfremdeten Menschen von Herzen willkommen zu heißen, für sie da zu sein und ihnen zuzuhören und ihnen den Reichtum Gottes zu erschließen durch unser Zeugnis.
„Dann schreitet Christus durch die Zeit in Seiner Kirche Pilgerkleid, Gott lobend, Halleluja!“

Michael Schneider-Flagmeyer

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Eine Antwort auf Nightfever am Pfingstsonntag in Saarlouis

  1. Eduard Werner sagt:

    Herzlichen Dank für diese Nachricht! Dieses Beispiel macht Mut und sollte in vielen Städten nachgeahmt werden.

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