Vorbilder braucht unsere Zeit: Es gibt sie!

Am 16. Dezember wurde im Münchner Liebfrauendom der Seligsprechungsprozess für den Journalisten Fritz Gerlich eröffnet. Kardinal Marx verglich Gerlich in seiner Predigt mit Johannes dem Täufer: „Johannes sei kein unbeteiligter Zeuge gewesen, sondern ein Märtyrer, der selbst betroffen gewesen sei und aus tiefer Überzeugung gehandelt habe… Gerlich sei ein Mann auf der Suche gewesen… unter Einsatz seines Lebens habe er sich auf die Seite des Lichts gestellt und sein Leben für die Wahrheit riskiert“ (Tagespost, 19.12.2017).
Fritz Gerlich ist noch nicht selig gesprochen. Er ist trotzdem ein Vorbild. Gerlich wollte immer der Wahrheit auf den Grund gehen. Deshalb fuhr er nach Konnersreuth, um den „Schwindel“ mit Resl aufzudecken. Dort erfuhr er nicht nur die Wahrheit über die Resl, er entdeckte mehr: Die Wahrheit der katholischen Kirche. Aus dem Saulus wurde ein Paulus. Konnersreuth wurde für Fritz Gerlich zum Damaskus seines Lebens. Nach seiner Konversion nahm er den Kampf gegen seine persönlichen Schwächen und Fehler ernst. Damit sagt er auch uns etwas, wenn wir am 14. Februar dem Aschermittwochtag zur Umkehr aufgerufen werden. 1931 schrieb Fritz Gerlich über sich: „Mein Lebensweg… ist durch viele, viele Irrtümer hindurchgegangen… aber unser Herr und Heiland Jesus Christus wird dem Manne, der wegen der offenen Aussprache seiner Überzeugung mit dem Strick um den Hals eines Tages zum letzten Urteil vor ihn hin tritt, sicher vieles verzeihen“ (Tagespost 19.12.2017).
Die Zeitung, für die Gerlich schrieb hieß „Der gerade Weg“. Ein passender Name. Zu Gerlichs Zeit wurde in der politischen Auseinandersetzung die Wahrheit, besonders von den Nationalsozialisten auf den Kopf gestellt. Adolf Hitler, Goebbels und Co stellten die größte Gefahr für das Volk dar. Gerlich war ihr entschiedenster Gegner. Dafür wurde er am 1. Juli 1934 im KZ Dachau ermordet.
Wenn aber Kardinal Marx in seiner Predigt sagte: „Viele, auch viele Christen sind dieser Ideologie gefolgt“, so müsste diese Aussage gerechterweise differenziert werden. Es waren Christen, die in ihrem Glauben heimatlos geworden waren – und es waren, wie das Wahlverhalten nach Konfessionen zeigt, in der großen Mehrheit Protestanten.
Da Fritz Gerlich gegen jede Form von Diktatur auftrat, würde der Gott- und Wahrheitssucher Gerlich heute auch gegen die Diktatur des Relativismus aufstehen, die nach Joseph Ratzinger „nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigen Ich und seine Gelüste gelten lässt“. Dieser Relativismus ist das Credo des heutigen Zeitgeistes. Er ist auch in die Kirche eingedrungen. Deswegen wird sich die Zustimmung für Fritz Gerlich sowohl in den säkularen wie auch in den kirchlichen Medien in Grenzen halten. Gerade deswegen ist das Beispiel von Fritz Gerlich so zeitgemäß!

Hubert Gindert

erscheint auch in unserer Monatszeitschrift „Der Fels“.

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*