Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Karl Borromäus

Die Bischöfe haben nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die „Aufgabe zu lehren, zu heiligen und zu leiten … In der Kraft des Geistes sollen sie die Menschen zum Glauben rufen oder im lebendigen Glauben stärken“ (Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe, Ziff 11/12). Das war nicht immer so wie Petrus Canisius in seinem Brief vom 2. April 1567 zum Würzburger Bischof sagt: „Sie (Bischöfe) werden durch die erbärmliche Lage eingeschüchtert, sie fürchten immer neue Unruhen, einer wartet auf den anderen, der als erster das Glatteis betreten soll.“ Aber schon damals gab es mutige Bischöfe, die Reformen gegen Widerstände aufgegriffen haben, wie das der Mailänder Bischof Karl Borromäus vorbildhaft getan hat.
Karl Borromäus stammte von einer der vornehmsten Familien im Herzogtum Mailand ab. Er wurde von seinem Vater zum Kleriker bestimmt, um die vielen Kirchengüter verwalten zu können. Schon mit 12 Jahren erhielt er Tonsur und Talar. Mit 16 Jahren wurde er auf die Universität Pavia geschickt und erwarb den Doktorgrad beider Rechte. Nachdem sein naher Verwandter, Gian Angelo Medici, zum Papst gewählt war, wurde sein Neffe Karl nach Rom berufen und zum Kardinaldiakon erhoben. Karl bekam dazu weitere Karriereämter und Protektorate über Orden. Trotzdem erlag Karl Borromäus den Verführungen, die von diesen Machtpositionen ausgingen, nicht. Nachdem Pius IV. das Konzil von Trient erneut einberufen hatte, führte Karl seine Anweisungen „in großer Treue, pflichtverbunden, unerreichbar für Intrigen und mit einer außergewöhnlichen Leistungsfähigkeit“ aus. Er nutzte seine weitreichenden „Beziehungen, um der religiösen Erneuerung allen Widerständen zum Trotz zum Durchbruch zu verhelfen“. Karl gab bei der Erneuerung der Kirche durch seinen einfachen Lebensstil das beste Beispiel ab. Auf der Grundlage der Dekrete des Tridentinischen Konzils führte er die vorgesehenen Reformen durch: in Liturgie, Verwaltung der Kirchengüter, Ausbildung des Klerus, Kontrolle der Wohltätigkeitseinrichtungen, und Führung der Register über Taufe, Firmung und Ehe. Diese Beschlüsse dienten anderen eifrigen Bischöfen als Normen ihrer eigenen Reformtätigkeit. Karl führte einen umfangreichen Briefwechsel, der in hundert Bänden erhalten ist. Sein Reformeifer provozierte erwartungsgemäß Widerstand – innerkirchlich und in der Politik. Karl hatte keine „Illusionen über die Wirksamkeit seiner Gesetze und Strafen, die Missbrauch verhindern sollten“. Daher setzte er bei der Priesterausbildung an, so wie sie das Konzil vorsah. Für das Volk unterstützte er die vom Priester Castellino da Castello gegründeten Glaubensschulen. Seine Haupttätigkeit entfaltete Karl in den Pastoralvisitationen. Er nahm diese damals mühsamen Besuche in dem ausgedehnten Bistum Mailand auf sich, aus der Überzeugung, dass „nur die persönliche Anwesenheit, Aufmunterung und das eigene Beispiel die Missbräuche ausmerzen können“. Karls „Hirteneifer, Großmut und Organisationstalent zeigten sich besonders deutlich während der Pest im Sommer 1576“, als sogar Regierungsmitglieder aus Angst vor Ansteckung Mailand verließen. Karl Borromäus übernahm damals die Organisation der Hilfsmaßnahmen. Er organisierte Lebensmittel, Kleider, Medikamente und Unterkünfte für die Kranken und Sterbenden. Karl verstand seine Bischofsaufgabe als Nachfolge Christi. Als er 1584 vom Wallfahrtsort Monte di Varallo bei Novara nach Mailand zurückkehrte, stellten die Ärzte fest, „dass seine Kräfte hoffnungslos erschöpft waren“. Am 3. November 1584 starb er 46jährig in Mailand.

Hubert Gindert 

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Karl Borromäus

  1. Mathias Wagener sagt:

    Auf den nach ihm benannten Borromäusverein möchte ich doch ergänzend hinweisen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*