Hanns Georg von Heintschel-Heinegg – ein katholischer Gegenpol zur NS-Ideologie

Viele Menschen, die in den KZs und in den Gefängnissen der Nationalsozialisten verbluteten, gehörten zur Elite Deutschlands und Österreichs. Schon der leiseste Widerstand war lebensgefährlich. Das zeigt auch das kurze Leben des Hans Georg von Heintschel-Heinegg. Er wurde 1919 auf Schloss Kneschitz im Sudetenland geboren. 1925 übersiedelte die Familie nach Wien. Das Elite-Gymnasium Theresianum, das er dort besuchte, war ein Hort katholischer Literatur. Hier gab es weder sozialistische noch germanisch-rassistische Einflüsse. Hanns Georg von Heintschel-Heinigg und seine Freunde vom Gymnasium öffneten sich lieber dem Zauber der Stadt Wien. Heintschel-Heinegg widmete dieser Stadt 23 Gedichte. Nach dem Abitur besuchte er die europäischen Kulturmetropolen Paris, Madrid und Rom. Anschließend studierte Hanns Georg von Heintschel-Heinegg an der Universität Innsbruck Theologie mit dem Wunsch, Priester zu werden. Er las mit Begeisterung George Bernanos, Léon Bloy, Paul Claudel und Gertrud von Le Fort sowie Calderon de la Barca. Am 12. März 1938 annektierte Hitler das Land Österreich. Das Priesterseminar in Innsbruck wurde geschlossen, das Haus von der Gestapo durchsucht und Hanns Georg verhaftet. Ein Brief wurde gefunden, in dem er seiner Schwester den Hergang der letzten Tage schildern wollte. Die Innsbrucker Priesterstudenten wussten, was die Kirche von den Nationalsozialisten zu erwarten hatte. Die deutschen Bischöfe hatten wiederholt davor gewarnt, NSDAP zu wählen.
Nach seiner baldigen Freilassung wurde von Heintschel-Heinegg in Wien von der Österreichischen Freiheitsbewegung angeworben. Er sollte an einem Entwurf für die politische Neuordnung Mitteleuropas nach einer Niederlage Hitlers mitwirken. Die wurde jedoch am 17.06.1940 von dem völlig verschuldeten und alkoholabhängigen Wiener Burgschauspieler Otto Hartmann der Gestapo verraten. Daraufhin wurden von Heintschel-Heinegg und 130 Freunde verhaftet und in verschiedenen Gefängnissen Deutschlands untergebracht. Erst im Februar 1944 wurde der Prozess gegen ihn eröffnet, der nach zwei Tagen mit dem Todesurteil wegen angeblicher Vorbereitung zum Hochverrat endete. Die Hinrichtung erfolgte am Abend des 5. Dezember 1944. Der evangelische Gefängnis-Seelsorger berichtete: „Als sich die traurige Eskorte (der zur Hinrichtung bestimmten Gefangenen) in dieser unvergesslichen Dezembernacht in dem nur spärlich erleuchteten und kalten Ganggewölbe des Landgerichts Wien in Bewegung setzte, öffnete der mir liebgewordene Freund und Bruder in Christo zum letzten Mal seine Lippen. Ich dachte, er wolle mit mir reden. Er aber sprach „Credo in unum Deum … Die Hände am Rücken gefesselt ging Heintschel-Heinegg dem Tod entgegen. Sein Blick ging in die Ferne, während er das ganze Credo laut betete. Das Amen erstickte in dem dumpfen Aufschlag des Fallbeils.“ – Im Vermächtnis unseres Helden steht u.a. … „die Ruhe des Christen beginnt erst im Tod … mit der unaussprechlichen Seligkeit …“ Einen solchen heroischen Einsatz brachten damals Tausende. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus sollte ebenso wenig geleugnet werden wie der Holocaust.

Eduard Werner

Foto: Otfrid Pustejovsky in „Zeugen für Christus“ hg. von Helmut Moll, S. 861

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