Reformer oder Gescheiterter?

„Geht der Papst als Reformer oder Gescheiterter in die Geschichte ein“? fragt der Leitartikler Daniel Wirsching in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (16.1.18). Wirsching möchte nach bald fünf Jahren Amtszeit von Papst Franzskus eine Antwort auf: „Wie genau will er die katholische Kirche reformieren und kann ihm überhaupt eine Reform gelingen?“
Geht es Daniel Wirsching wirklich um die katholische Kirche, um den Papst oder vielmehr um seine Wunschvorstellungen, wie sich die katholische Kirche entwickeln sollte?
Die gelungene Reform sieht Wirsching „in der Neuausrichtung auf eine dem Menschen zugewandtere katholische Kirche“, weiter darin, „wiederverheirateten Geschiedenen die Möglichkeit zur Kommunion zu eröffnen“. Diese „Kirche soll in erster Linie als nahbar erscheinen nicht als ausschließend“, sie „soll Menschen begleiten, nicht Vorschriften machen, soll weg von Patenrezepten“.
„Amoris laetitia“ bewirkte lt. Wirsching „dass der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode jüngst einen sensationellen Vorstoß wagte, die Kirche müsse über eine Segnung homosexueller Paare nachdenken“. Schließlich müssten noch „viri probati“ (angesehene verheiratete Männer) für die Priesterweihe als Reform hinzukommen. „Das Amazonasgebiet als Testgebiet für die Ortskirchen in aller Welt“?
Ob Papst Franziskus in die Geschichte eingeht, zeigt sich also darin, ob die Wünsche von Daniel Wirsching und manchen anderen erfüllt werden. Die entscheidende Frage, ob sich die von ihm beschriebene Kirche an Jesus Christus und seiner Lehre ausrichtet, stellt sich Daniel Wirsching nicht. Ob Franziskus als Reformer in die Geschichte eingeht, wird davon abhängen, ob er in seinem Pontifikat die unverkürzte und unverfälschte Lehre der Kirche neu zum Aufleuchten bringt.

Hubert Gindert

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4 Antworten auf Reformer oder Gescheiterter?

  1. Mathias Wagener sagt:

    Ich bin der Auffassung, dass die Beiträge des gegenwärtigen Papstes zu unserem Glauben seine Demut in der Bescheidenheit widerspiegeln. Vielen wird er durch plakative Äußerungen kurzfristig im Gedächtnis verbleiben und vielleicht auch wegen seiner Weigerung, rote Schuhe anzuziehen.

  2. Wenn man Nebensächlichkeiten wie die Forderungen lokaler Blätter wegläßt und die Angelegenheit ruhig als das betrachtet, was sie ist (nämlich als einen seit den 60er Jahren in die Öffentlichkeit getretenen und seitdem an Geschwindigkeit rapide zunehmenden Prozeß der Umgestaltung des katholischen Glaubens) wird der Blick klarer. Nachdem mit der künstlich am Reißbrett entworfenen sog. „Liturgiereform“ der Kult protestantisch(er) wurde, soll nun auch die Struktur protestantisch werden: Zölibatswegfall, Gemeindereferentin in der Rolle der „Wort-Gottes-Feier“-Gestalterin als de-facto-Pfarrerin, laiengeführte Pfarrgemeinde, interkonfessioneller Religionsunterricht in NRW, Interkommunion. Alles von der DBK angeschoben, von Rom geduldet.
    Hier zu hoffen, dass ausgerechnet der aktuelle Papst die „unverkürzte und unverfälschte Lehre der Kirche neu zum Aufleuchten bringt“, trägt schon tragikomische Züge. Nein, die konzilsprogressive Tendenz der galoppierenden Protestantisierung genießt offenkundig die Protektion des Heiligen Vaters (http://de.radiovaticana.va/news/2016/10/31/die_ökumenische_erklärung_von_lund/1269072). Aufrichtigerweise sollte man sich im konzilskonservativen Spektrum klar machen, dass dies dem Grunde nach durchaus auf konkrete Konzilsdokumente wie etwa die Konzilskonstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ zurückzuführen ist,(vgl. https://kirchfahrter.wordpress.com/2016/04/26/traditionalistisch-konservativ-oder-nur-einfach-katholisch-von-der-muehe-des-begriffes-5/) und sich von eigenen Lebenslügen trennen.

    • Ulrich S. sagt:

      Zunächst einmal ist die Augsburger Allgemeine eine der größten Regionalzeitungen Deutschlands
      In Ginderts Artikel wird nicht gehofft sondern Folgendes festgestellt: „Ob Franziskus als Reformer in die Geschichte eingeht, wird davon abhängen, ob er in seinem Pontifikat die unverkürzte und unverfälschte Lehre der Kirche neu zum Aufleuchten bringt.“

      • Peter Werner sagt:

        Und da man, das von H. Gindert zu Recht gesetzte Kriterium
        zugrundlegend, nach 5 Jahren Dezentralisierung, AL-Fußnoten-Rumeierei, unzähligen unklaren u. verwirrenden Interviewaussagen und vielen fragwürdigen und zum Teil persönlich verletzenden Personalentscheidungen durchaus eine Prognose wagen darf,
        kann diese nur lauten, dass dieses Pontifikat als dasjenige in die Geschichte eingehen wird, welches die größten Zerstörungen an Kirche und Glauben seit den Anfängen vor 2000 Jahren gebracht hat.

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