Reformer und Wegbereiter in der Kirche: Romano Guardini (1885 – 1968)

Romano Michele Antonio Maria Guardini wurde am 17. Februar 1885 in Verona geboren. Seine Eltern ließen sich ein Jahr später in Mainz nieder. Hier wuchs Guardini auf. Nach dem Abitur und dem Studium der Philosophie und Theologie wurde er im Mainzer Dom zum Priester geweiht. Es folgten einige Jahre der Kaplans­zeit. In Freiburg promovierte er mit einem Thema zur Erlösungslehre bei Bonaventura.

Seine Schrift „Vom Geist der Liturgie“ (1918) gab der liturgischen Bewegung und Erneuerung starken Auftrieb. Die Kirche und jeder Gottesdienst in der Kirche muss als Gemeinschaftserfahrung begriffen werden. „Das Selbstinteresse muss geöffnet werden, bis es [also: der Mensch, Red.] gelernt hat, die Lebensinhalte der anderen, ihre Heilssorge, ihr Leid, ihre Anliegen, als eigene aufzunehmen“ (Liturgische Bildung, Rothenfels 1923). Als nach dem Tod des Vaters die Familie nach Italien zurückkehrte, blieb Romano Guardini (seit 1911 mit der deutschen Staatsbürgerschaft) in Deutschland. Er habilitierte sich 1922 in Bonn und engagierte sich in der katholischen Jugendbewegung, die ihr Zentrum auf Burg Rothenfels hatte. Dort war er von 1927 bis zur Konfiszierung der Burg durch die Nazis 1939 Burgleiter. Geistlich-geistig trug er dazu bei, die katholische Jugend gegen den Zeitgeist zu immunisieren.
Guardini lehrte 1922 Dogmatik an der Universität Bonn, wurde im folgenden Jahr an die Universität Breslau berufen und von dort dauerhaft zu einer Gastprofessur an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin beurlaubt. Mit der Thematik „Katholische Weltanschauung und Religionsphilosophie“ gewann er viele Zuhörer aus verschiedenen intellektuellen Kreisen, zumal er große Gestalten der abendländischen Philosophie und Dichtung in seinen Vorlesungen behandelte. Mit ihnen blickte er prüfend auf das Christentum und betrachtete aus der Warte des Christentums andere Lebensentwürfe. Die zwischen 1932 und 1936 gehaltenen Predigten veröffentlichte er in dem Buch „Der Herr“, sein erstes Zeugnis des Widerstands gegen die nationalsozialistische Ideologie. 1939 wurde der konfessionell orientierte Lehrstuhl Guardinis vom totalitären Nationalsozialismus abgeschafft, weil man neben der eigenen Weltanschauung keine Konkurrenz duldete. Guardini wählte die Pensionierung. Die nächsten Jahre zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und arbeitete überwiegend literarisch. Ab 1943 bis zum Kriegsende musste er sich verstecken. Nach dem Krieg erhielt er einen Ruf an die Universität in Tübingen und folgte 1948 dem Ruf an die Ludwigs-Maximilians-Universität in München, wo er bis zu seiner Emeritierung 1964 den Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie einnahm und eine große Breitenwirkung erzielte. Am 1. Oktober 1968 starb er. 1997 wurden seine Gebeine in die Universitätskirche St. Ludwig übertragen, wo er als Lehrer und Priester gewirkt hatte. Inzwischen ist der Prozess zur Seligsprechung eröffnet.
Guardini verstand es, die Philosophie und Theologie mit dem Leben so zu verknüpfen, dass die Zuhörer und Leser seiner Schriften zu einer vertieften Betrachtung des eigenen Lebens geführt wurden. Heute noch öffnet er mit seiner Methode und seinen Erkenntnissen den Horizont der Wahrheit über das Menschsein. Ausgangspunkt für die christliche Ethik ist folgender Gedanke:
Jeder Mensch verdankt sein Leben und alle Beziehungen, in denen er lebt, nicht sich selbst, sondern anderen, letztlich Gott. Aus diesem Willen Gottes gilt es, sich immer wieder anzunehmen, dieser Wirklichkeit treu zu bleiben und mit Tapferkeit sich den Aufgaben zu stellen. Dies schließt die Achtung vor sich selbst ein, die Erkenntnis der eigenen Grenzen und den Willen, das Menschsein immer mehr zu verwirklichen, bis es schließlich von Gott zur Vollendung gebracht wird. In allen Phasen des menschlichen Lebens ist der Wert der Person konstant, ihre Würde ist unantastbar.

Gerhard Stumpf

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