Pfarrer Heinrich Schniers – „Misstraut dieser Propaganda!“

Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten1933 haben die katholischen Bischöfe wiederholt davor gewarnt, die Nationalsozialisten zu wählen. Sie haben auch erklärt, dass die nationalsozialistische Rassenpolitik mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar ist. Aber nach der Machtübernahme mussten die Bischöfe einen modus vivendi suchen, um die Zahl der Verhaftungen von Priestern und Laien nicht noch größer werden zu lassen. Die einzelnen Pfarrer haben jedoch weiterhin das Unrecht und die Lügen der Nationalsozialisten aufgezeigt, so dass Tausende von ihnen ins Gefängnis oder ins KZ kamen. So war es auch bei Pfarrer Heinrich Schniers aus Wippingen im Ostfriesland. Beim Ausbruch des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 war Heinrich Schniers Pfarrer in Leer. Angesichts der Propaganda-Lügen des NS-Systems versuchte er mutig, seinen Mitmenschen die Augen zu öffnen für das Unrecht und für die drohenden Leichenberge. Vor allem während der siegreichen Feldzüge in den ersten Kriegsjahren warnte er in vertraulichen Gesprächen vor Kriegsbegeisterung. Dabei wurde er nach einem Gespräch in einer Familie bei der Gestapo verraten. Deshalb wurde Pfarrer Schniers am 17.12.1941 in so genannte Schutzhaft genommen. Der Ausdruck Schutzhaft ist eine Täuschung, denn geschützt werden sollte nicht der Häftling, sondern das nationalsozialistische System, das der jeweilige Häftling bloßgestellt hatte. Zu einer öffentlichen Demütigung des Pfarrers kam es am 19.03.1942, als Pfarrer Schniers in Sträflingskleidung durch die Straßen seiner Stadt geführt wurde. Bald darauf wurde er in das KZ Dachau gebracht. Dort musste er bei Wind und Wetter ohne jeden Schutz auf der so genannten Plantage arbeiten. Ständiger Hunger und Misshandlungen machten das Leben dort zur Hölle. Eines Tages blieb er am Ende einer Arbeitskolonne völlig erschöpft zurück. Den schon fast Bewusstlosen schoben die Mitgefangenen auf einem Schubkarren ins Krankenrevier, wo er wenige Tage später am 31.August 1942 starb. Die vorangegangenen Gesuche des Osnabrücker Bischofs um Gnade für Pfarrer Schniers beim Reichssicherheitshauptamt waren erfolglos geblieben.
Am 14.10.1942 wurde seine Urne auf dem Friedhof seines Heimatortes Wippingen beigesetzt. Mit seinen Warnungen vor Tod und Massenelend hatte er Recht behalten. Sein Eintreten für Wahrheit und Augenmaß auch unter Lebensgefahr waren zwar ein reines Opfer. Aber wie wahr ist doch der Ausspruch von Erich Kästner auf dem PEN-Kongress 1957 in Hamburg: „Widerstand ist keine Frage des Heroismus, sondern eine Sache des Terminkalenders. Denn wenn eine radikale Partei die Staatsmacht einmal übernommen hat, ist bei offenem Widerstand ein aussichtsloses Blutbad wahrscheinlicher als ein Sieg über den staatlichen Terror.“ Trotz dieser bitteren Erfahrung braucht es immer wieder Zeugen für die Wahrheit, überall wo Menschen sind. Und Pfarrer Heinrich Schniers war ein Zeuge für die Wahrheit.

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Pfarrer Heinrich Schniers – „Misstraut dieser Propaganda!“

  1. Vor dem Bekennermut kann man nur den Hut ziehen, keine Frage. Allerdings: wurde damals das (u.a.) christenfeindliche „Dritte Reich“ offen vor aller Augen geschaffen (etwa wechselten Staatsaufbau, Flagge und die agierenden Politiker), geschieht dies mit der heutigen migrationsaffinen und diversitätsorientierten „formierten Gesellschaft“ versteckter. Zwar auf allen gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Ebenen teilweise putschartig durch Verfassungsorgane „von oben“ umgesetzt (siehe „Ehe für Alle“ oder das angebliche „dritte Geschlecht“ durch das BVerfG), aber eben nicht offen kommuniziert, geschieht die Transformation schleichend, gleichsam „unter dem gesellschaftlichen Radar“.
    Ausführlich unter https://kirchfahrter.wordpress.com/2018/03/17/warum-wird-eigentlich-die-systemtransformation-kaum-wahrgenommen/. Es gibt keinen Aufbruch mit Fanfahrenstößen, sondern lediglich stilles, aber hocheffizientes social engineering, der katholische Bekennermut ist daher noch notwendiger.

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