Josef Bordat: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das Sündenregister der katholischen Kirche

In vielen Diskussionen und Medien werden falsche Klischees gegen die katholische Kirche vorgebracht, denen kaum widersprochen wird, weil es weithin an den notwendigen Kenntnissen fehlt. An den deutschen Hochschulen und Universitäten gibt es ja leider keinen Lehrstuhl für Apologetik. Daher ist das jetzt vorliegende Buch von Josef Bordat ein großer Gewinn, um Abhilfe zu schaffen. Auf den Vorwurf, die Kreuzzüge seien imperialistische Eroberungszüge der Kirche gewesen, fällt vielleicht manchem Katholiken zur Verteidigung noch ein, dass die Kreuzfahrer in Wahrheit zur Verteidigung ihrer Glaubensbrüder in den Orient aufgebrochen sind. Die Christen lebten dort ja schon weit über 700 Jahre weitgehend friedlich, bis sie von den Moslems zunehmend bedrängt wurden. Wenn man dazu die historischen Umstände bedenkt, dass beispielsweise zwischen 476 und 800 in Europa außer dem Papst keine weitere zentrale staatliche Macht existierte, die Recht und Ordnung hätte garantieren können, dann erscheint die Ausweitung der Aufgaben des Papstes schon verständlicher. Der Autor zeigt, wie den Päpsten daher die Aufgabe der Schutzmacht für die bedrohten Christen zugefallen ist. Sie konnten nicht tatenlos zusehen, wie ihre Glaubensbrüder von den Moslems bedrängt wurden. Nur wenn man Geschichte kennt, kann man die Kirche vor ungerechtfertigen Angriffen verteidigen. Schwieriger wird es bei den Anschuldigungen der gewaltsamen Missionierung angeblich guter Heiden oder gar der Inquisition gegen Unschuldige. Auch in diesem Bereich zeigt der Autor, dass die geschichtliche Entwicklung anders verlief, als sie gewöhnlich dargestellt wird. In einer Zeit der weitgehenden Rechtlosigkeit war der Beitrag der Kirche zur Findung eines gangbaren Rechtsweges beachtlich, so dass mancher Klient geradezu danach suchte, von der staatlichen Obhut weg in die kirchliche Obhut zu gelangen. Inquisitio heißt Untersuchung. Eine Anklage musste also erst einmal auf ihre Zulässigkeit untersucht werden. Diesen Vorgang hat die Kirche verdienstvollerweise in die Rechtsgeschichte eingeführt und der Staat hat dies später in Form von Staatsanwaltschaften übernommen. Damit wurde die Willkürlichkeit zurückgedrängt. In 36 Kapiteln zeigt der Autor, dass die Kirche nicht so schuldig geworden ist, wie sie von ihren Gegnern dargestellt wurde und wird. Daher ist diesem Buch eine große Verbreitung zu wünschen. Vor allem der Religionsunterricht könnte von diesem Buch profitieren.

Josef  Bordat: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das Sündenregister der katholischen Kirche.  Lepanto Verlag 2017. Seiten 296, ISBN 978-3-942605-16-8. Preis 17;90 Euro 

Eduard Werner

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Eine Antwort auf Josef Bordat: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das Sündenregister der katholischen Kirche

  1. Mathias Wagener sagt:

    Vielen Dank, dass Herr Werner auf dieses wichtige Buch aufmerksam gemacht hat und es den Lesern verständlich näher gebracht hat. In der Tat kann mit solchen Kenntnissen besser gegengesteuert werden.

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