Joseph Ratzinger – Professor – Bischof – Präfekt der Glaubenskongregation – Papst

Dieser kurze Artikel wirft einige Schlaglichter auf das reiche Leben von Joseph Ratzinger, den späteren Heiligen Vater. Wir beschränken uns dabei auf die Zeit seit seiner Ernennung zum Erzbischof von München. Behalten wir ihn in guter Erinnerung und beten wir fest für ihn sowie seinen Nachfolger Papst Franziskus. 1977 wurde Joseph Ratzinger von Papst Paul VI. nach dem überraschenden Tod von Kardinal Julius Döpfner zum Erzbischof von München ernannt, was ihm vom Nuntius bei einem Besuch in Regensburg vertraulich mitgeteilt wurde. Er durfte sich nur mit seinem Beichtvater darüber austauschen. Wegen seiner schwachen Gesundheit war er der Meinung, dass dieser ihm von diesem schweren Amt abraten würde. Joseph Ratzinger war glücklich und ausgelastet mit seiner Aufgabe als Theologieprofessor in dem von ihm so sehr geschätzten Regensburg, wo sein Bruder Georg als Domkapellmeister wirkte und seine Schwester ihm den Haushalt führte. Joseph Ratzinger sehnte sich nicht nach Verwaltungs- und Führungsaufgaben oder Konferenzen, die das Bischofsamt unweigerlich mit sich bringt. Doch sein Beichtvater und Professorenkollege Johann Auer war überraschenderweise der Überzeugung, dass er das Bischofsamt annehmen müsse, wenn der Herr durch Seinen Stellvertreter auf Erden ihn dazu berufen hat. Und so fügte sich Joseph Ratzinger trotz seiner nicht so stabilen Konstitution sowie seiner fehlenden Erfahrung in der Seelsorge und der Verwaltung. Er vertraute auf Gott den Heiligen Geist, der durch uns schwache Menschen in den Sakramenten und der Verkündigung wirkt, wenn wir uns Ihm nur ganz anvertrauen. Der Empfang in München war begeisternd, was Joseph Ratzinger zu Recht nicht in erster Linie auf seine Person, sondern auf das Amt des Bischofs, der in der Nachfolge der Apostel steht, bezogen hat. Gestärkt durch die göttliche Gnade, die ihm im Sakrament der heiligen Bischofsweihe zuteil geworden ist, trat er sein schweres Amt an. Sein Schwerpunkt war die Hinführung der Menschen zu unserem Herrn und Gott Jesus Christus, der für uns Sünder Mensch wurde, gelitten hat, am Kreuz gestorben ist und am dritten Tag in Herrlichkeit auferstanden ist. Um in diese Heilswirklichkeit, die wir in der Taufe geschenkt bekommen haben, eingehen zu können, bedarf es der konkreten Gottes- und Nächstenliebe, was Joseph Ratzinger, den Paul VI. schon 1977 zum Kardinal ernannte, immer wieder betonte. Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi werden sakramental in jeder heiligen Messe gegenwärtig. Jesus ist am Sonntag auferstanden, dem ersten Tag der Woche. Deshalb hob der Kardinal immer wieder die Wichtigkeit der Sonntagsmesse hervor, die nicht durch andere Gottesdienste ersetzt werden kann und unsere Gottesliebe neben dem täglichen Gebet ausdrückt. Diese Liebe muss sich im Alltag in der Nächstenliebe bewähren. Um schon die Kinder zu einem würdigen Empfang Jesu Christi in der heiligen Kommunion hinzuführen, legte Joseph Ratzinger größten Wert auf die zuvor empfangene heilige Beichte. Dort vergibt uns Jesus die Sünden, die auch schon Schulkinder haben, und stärkt uns durch weitere Gnaden wie etwa die Beharrlichkeit. Dies alles muss nach Joseph Ratzinger durch einen umfassenden Religionsunterricht sowie vor allem durch eine vorbildliche Erziehung in der Familie grundgelegt und begleitet werden. Die Vorbildfunktion von Eltern, Großeltern, Priestern und Lehrern ist neben der Gnade Gottes von herausragender Bedeutung. 1981 berief Papst Johannes Paul II. Kardinal Ratzinger an die Spitze der wichtigsten Kongregation in Rom – der Glaubenskongregation. Schon Ende der siebziger Jahre wollte der Papst ihn in Rom haben. Kardinal Ratzinger verwies jedoch darauf, dass er erst vor zwei Jahren in München sein Amt als Erzbischof angetreten habe. 1981 akzeptierte Johannes Paul II. dieses Argument nicht mehr. München sei wichtig, aber Rom mit seinen weltkirchlichen Aufgaben sei noch wichtiger und so ging Joseph Ratzinger 1982 als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom, um wiederum eine Aufgabe anzutreten, die er sich nicht gewünscht hatte. Dieses wichtige Amt hatte er 23 Jahre bis zu seiner Papstwahl inne. Joseph Ratzinger war es ein Anliegen, den Glauben der einfachen Leute zu verteidigen, diese dadurch zu ermutigen und die Menschen zu Jesus Christus zu führen. In verschiedenen, von ihm wesentlich mit geprägten Schreiben wurde die Gottheit Jesu Christi verteidigt, der uns durch sein Leiden, sein Kreuz und seine Auferstehung – und nicht mit Gewalt – erlöst hat. Jesus Christus hat eine Kirche gegründet – die katholische Kirche – und den Männern, die dazu berufen sind, das Priestertum vorbehalten. Dabei vergaß Joseph Ratzinger aber nicht die Einzigartigkeit der Stellung der Jungfrau und Gottesmutter Maria, die als Königin der Apostel am Throne Gottes für uns Sünder eintritt. Weiterhin war ihm sehr wohl die Wichtigkeit der stillen Beter und Helfer in der Kirche bewusst, deren Glauben er hoch schätzte und schützen wollte, was schon erwähnt wurde. Joseph Ratzinger setzte sich für den umfassenden Schutz des von Gott gewollten Lebens von der Empfängnis bis zum Tod ein. Er legte sehr großen Wert auf eine würdige Feier der Gottesdienste1, wo wir den allmächtigen, gütigen, barmherzigen und vollkommenen Gott besonders im Opfer der heiligen Messe anbeten. Gott braucht uns nicht, aber wir brauchen Ihn und Er schenkt sich uns ohne Vorbehalt. Nach dem Tod Johannes Pauls II., der die Rücktrittsgesuche von Joseph Ratzinger ignorierte, wurde er 2005 von den Kardinälen im Konklave sehr schnell zum Papst gewählt. Joseph Ratzinger wollte sich eigentlich in die Stille zurückziehen, um auch noch etwas wissenschaftlich zu arbeiten, wozu ihm seit 1977 wenig Zeit blieb. Auch als Papst führte er die Menschen zu Christus, vor allem durch seine Predigten und Rundschreiben. Bezeichnenderweise trug seine Antrittsenzyklika die Worte „Deus Caritas est“ (Gott ist die Liebe) aus dem ersten Johannesbrief. Papst Benedikt XVI. betonte, dass wir mit unserer Ganzhingabe an Christus nichts verlieren; denn Jesus Christus, unser Herr und Gott, schenkt uns alles – sich selbst, die unendliche Liebe. Deshalb sollen wir keine Angst vor Christus haben und dürfen uns Ihm ohne Vorbehalte vertrauensvoll schenken wie Kinder, die Ihren Eltern Geschenke machen von dem, was sie von ihnen empfangen haben, worüber sich die Eltern wiederum sehr freuen. Wenn wir durch die Gottes- und die Nächstenliebe unseren Egoismus bekämpfen, so erlangen wir die wahre Freiheit der Kinder Gottes. Benedikt XVI. förderte schon als Kardinal die Feier der heiligen Messe wie sie bis zur Reform unter Paul VI. üblich war. Er betonte, dass der lateinische Ritus, der auch noch auf dem II. Vatikanischen Konzil zelebriert wurde, nicht erst nach dem Konzil von Trient entstanden ist, sondern im Wesentlichen seine Wurzel in der Antike unter anderem bei den heiligen Päpsten Leo dem Großen und Gregor dem Großen hat. Benedikt XVI. betont, dass die Kirche dieses Erbe bewahren muss; denn was unseren Vorfahren heilig gewesen ist, kann jetzt nicht auf einmal schlecht sein. Alles geschah von seiner Seite aus in Liebe und ohne Polemik. Nehmen wir uns bei unseren Handlungen daran ein Beispiel: Wahrheit ohne Liebe tötet und Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit wird zur Grausamkeit. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass wir weder die Wahrheit noch die Gerechtigkeit aufgeben dürfen. Alle sind Eigenschaften des vollkommenen Gottes, der unter dem Schirm der Liebe unser Heil unter der Respektierung unserer menschlichen Freiheit wirken will: Gott will keine Marionetten, sondern freie Menschen, die Ihm als Seine geliebten Kinder, für die Er sich in Jesus Christus am Kreuz geopfert hat, freiwillig und gehorsam folgen, um ihr Ewiges Glück bei Ihm zu erlangen. 2013 trat Papst Benedikt XVI. für viele überraschend zurück, weil ein so wichtiges und schwieriges Amt nach einem gesunden Inhaber verlange und er sich dazu nicht mehr in der Lage sah. Er zog sich im Vatikan zurück und hilft der Kirche in seinem letzten Lebensabschnitt durch sein Gebet – sein Gespräch mit dem allmächtigen und barmherzigen Gott, auf den Papst Franziskus immer hinweist. Dies ist die zentrale Aufgabe eines Bischofs und dies war auch der Grund, warum die Apostel sieben Diakone für den Dienst an den Armen (Nächstenliebe) geweiht haben, um mehr Zeit zum Gebet zu haben. Damit ist nicht gesagt, dass die Apostel die Nächstenliebe nicht mehr gelebt haben, die jeder von uns an seinem Platz immer wieder neu leben und einüben soll: Deshalb wiederhole ich es jedes Mal mit liebendem Herzen: Sind wir gut zueinander! Wir haben in Papst Benedikt XVI. darin ein Vorbild.

P. Andreas Hirsch FSSP

Foto: Wikipedia

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Eine Antwort auf Joseph Ratzinger – Professor – Bischof – Präfekt der Glaubenskongregation – Papst

  1. manfred meixner sagt:

    Für Mich ein Wahrer Hl. und Christ sollte es einen Gott oder Himmel geben!

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