Karl Marx – eine Herausforderung bis heute. Vor 200 Jahren wurde er geboren

3,3 Millionen Zuschauer haben sich vor einigen Jahren an der Abstimmung „Unsere Besten“ im Zweiten Deutschen Fernsehen beteiligt, 778 984 haben dafür gesorgt, dass Konrad Adenauer auf den ersten Platz kam. Für Karl Marx stimmte über eine halbe Million, was ihm – nach Martin Luther – Rang drei einbrachte. Die Bewohner der neuen Bundesländer halten Marx mehrheitlich sogar für „Unseren Besten“.
Ist daran etwas anstößig? Bevor man mit Ja oder Nein antwortet, ist es geboten, über Marx und seine Auswirkungen nachzudenken. Schließlich haben – wie heute weitgehend unbestritten – bekennende Marxisten über 85 Millionen Menschen geopfert. Das „Schwarzbuch des Kommunismus“ bietet die Beweise.
Im Folgenden sollen der Mann und sein Werk in der gebotenen Kürze vorgestellt werden. Als Leitfaden diene eine Ansprache Engels. Bei der Bestattung seines Freundes äußerte er:
„Am 14. März nachmittags ein Viertel vor drei [1883] hat der größte lebende Denker aufgehört zu denken. … Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte … [Histomat]
Damit nicht genug. Marx entdeckte auch das spezielle Entwicklungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. … So war der Mann der Wissenschaft. Aber das war noch lange nicht der halbe Mann. Denn Marx war vor allem Revolutionär.“
Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren. 1844 begann die lebenslange Freundschaft mit Engels. Nach Zwischenstationen in Brüssel und Paris begab sich Marx 1849 nach London, wo er am 14. März 1883 starb.
Worum geht es im Histomat? Er benennt die „Gesetze“, nach denen sich die Menschheitsgeschichte vollzogen haben soll und vollziehen werde. Auf die unmittelbar bevorstehende Diktatur des Proletariats werde mit eherner Notwendigkeit der Kommunismus folgen. In Wirklichkeit: Die letzten Jahrzehnte haben die Histomat-Vorhersagen total widerlegt.
Marx hat viel geschrieben: Briefe, Aufsätze, Zeitungsartikel, Bücher. Die Bücher sind höchst polemische Auseinandersetzungen mit den Ansichten einzelner Zeitgenossen und wurden jeweils im Verlaufe weniger Monate verfasst. Eine Ausnahme bildet Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Am Kapital arbeitete Marx über Jahrzehnte hinweg, bis dann 1867 der erste Band erscheinen konnte.
Das Werk mit seinen mathematischen Formeln und Gleichungen hat – vom Schlusskapitel abgesehen – ein streng wissenschaftliches Gepräge. Der sensationelle Inhalt lässt sich mit wenigen Sätzen skizzieren: Im Kapitalismus geht alles mit rechten Dingen zu! Trotzdem oder gerade deshalb muss und wird es, wie schon gezeigt, zur Revolution kommen. Zu diesem paradoxen Ergebnis gelangt Marx mit Hilfe seiner „objektiven Wertlehre“. Daraus resultiert die „gerechte Ausbeutung“, die eine Revolution auslöst.
Kritik: Gekauft und verkauft wird nicht nach einem errechneten objektiven Wert, sondern ausschließlich nach subjektiver Wertschätzung. Da die objektive Wertlehre handgreiflich falsch ist, ist es müßig, sie ausführlich zu widerlegen. Nie galt sie auch nur vorübergehend im Alltag eines der sozialistischen Staaten. Damit fällt die Mehrwertlehre wie ein Kartenhaus in sich zusammen, und zugleich Marxens ganzes Gedankengebäude.
Warum füllt Marx mit dem Stoff, der sich auf wenigen Seiten darstellen lässt, ein dickes Buch (950 Seiten), das nicht zuletzt wegen unendlicher Wiederholungen langweilt, ja geradezu ungenießbar ist? Die Antwort, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, ist einem Brief an Engels zu entnehmen: „Ich dehne diesen Band mehr aus, da die deutschen Hunde den Wert der Bücher nach dem Kubikinhalt schätzen.“

Diese und zahlreiche ähnliche Äußerungen machen stutzig, provozieren die Frage nach den Antriebskräften, die das Denken und Handeln des namhaftesten Kommunisten bestimmten. Auch die heiße revolutionäre Sehnsucht, die ihm offenbar seine Theorien und „Gesetze“ eingab, lassen Ausschau halten nach den Motiven, die ihn bestimmten.
Was kann zugunsten des „ganz von Menschlichkeit bestimmten“ Marx vorgebracht werden, außer seinem „kategorische Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist …“
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Der Relativsatz „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes … Wesen ist“, spielt praktisch keine Rolle. Solche „Verhältnisse“ waren für ihn der Staat ganz allgemein und jede Religion, waren die bürgerliche Gesellschaft und das Judentum, waren die Rechtsordnung, insbesondere das Privateigentum, waren Ehe und Familie. Doch die Kampfansage an die alte Welt präzisierte sich erst allmählich. Den Ausgangspunkt bildete maßloses Selbstbewusstsein gepaart mit der Verachtung alles Vorgefundenen, wie bereits dem Abituraufsatz in Deutsch zu entnehmen ist. Er ist in zeitlicher Hinsicht der erste Marx-Text und soll der Veranschaulichung dienen.
Alle Trierer Abiturarbeiten des Jahres 1835 sind erhalten. Karls Aufsatz weist zwei Besonderheiten auf: Er gebraucht sechsmal das Wort „vernichten“, während es in keinem Aufsatz der Mitschüler auch nur einmal Verwendung findet. Ein lebenslängliches Charakteristikum! Ferner meint Karl, wir sollten bei der Wahl des Berufes den Stand anstreben, „der uns die größte Würde gewährt“. „Die Würde ist dasjenige, was den Mann am meisten erhebt, was seinem Handeln, allen seinen Bestrebungen, einen höheren Adel leiht, was ihn unangetastet, von der Menge bewundert und über sie erhaben dastehn lässt.“ Beide Besonderheiten legen den Verdacht nahe, dass er sich selbst maßlos überschätzt und andere als minderwertig eingestuft hat.
Die Zusammenschau aller einschlägigen Tatsachen lässt kaum einen anderen Schluss zu als die Annahme, dass die weltweite Verehrung von Marx nicht dem historischen Marx aus Trier, sondern einem Mythos gezollt wird, an dessen Weiterleben und Entfaltung noch heute Menschen und Institutionen selbst in fernen Ländern (VR China), teils aus Leichtfertigkeit, teils wider besseres Wissen mitwirken.

Prof. Dr. Konrad Löw

Bild: Wikimedia

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Der Fels veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*