Das Ehepaar Bernhard und Maria Kreulich im Widerstand

Die meisten Katholiken blieben in der Zeit des Nationalsozialismus der Kirche treu. Besonders die in der katholischen Arbeiterbewegung organisierten Hütten- und Bergarbeiter des Ruhrgebiets lehnten das heidnische NS-Regime so selbstverständlich ab, dass sie sogar die gebotene Vorsicht vor Verfolgung nicht beachteten. Beispiele hierfür sind u.a. Gottfried Könzgen, Heinrich Imbusch, Nikolaus Groß und Karl August Brinkmann. Auch die Eheleute Bernhard und Maria Kreulich äußerten sich so frei, dass sie verhaftet und hingerichtet wurden. Sie stammten aus Bergarbeiterfamilien in Essen. Maria Kreulich wurde 1889, Bernhard Kreulich 1890 geboren. In der Familie, in der Volksschule und in ihrer Pfarrei erhielten sie die damals übliche religiöse Erziehung. Maria wurde Verkäuferin, Bernhard wurde Bergmann. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde Bernhard Kreulich zum Militär eingezogen und an der Westfront eingesetzt, wo er bald in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Bald nach der Freilassung 1920 heiratete er Maria Budziak. Die Ehe blieb kinderlos. Beide waren neben ihren Berufen in religiösen Vereinen ihrer Pfarrei aktiv. Besonders in der katholischen Arbeiterbewegung taten sie sich hervor. Im Mai 1943 befand sich Bernhard Kreulich zur stationären Behandlung im Knappschaftskrankenhaus. Dort wurden er und seine ihn besuchende Frau in ein Gespräch verwickelt. Dabei äußerte sich Kreulich kritisch zur Lage an der Front und zur Politik Hitlers insgesamt. Auch als die Gesprächspartner widersprachen und Hitler verteidigten, beharrte Kreulich – unterstützt von seiner Frau – auf seinem Standpunkt. Er sagte, er sei nicht bange. Er habe schließlich im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft und durfte dort auch keine Angst haben. „Selbst wenn man mich sofort an die Wand stellt, sage ich es noch einmal.“ Da nahm das Schicksal seinen Lauf, wie es nicht anders zu erwarten war. Im Juli 1943 wurde das Ehepaar verhaftet. Am 28. Januar 1944 erging gegen beide das Todesurteil. Dem Gericht zufolge wurden sie „wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt. Die übliche Schlussformel des Urteils lautete zynisch: „Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihnen auf Lebenszeit aberkannt. Sie tragen die Kosten des Verfahrens.“
Wie konnten diese Eheleute sich so unvorsichtig äußern? Sie waren fest in der Kirche verankert und kannten daher den Gegensatz zwischen der katholischen Kirche und den regierenden Nationalsozialisten. Die Bischöfe hatten ja vor der Machtübernahme wiederholt davor gewarnt, die Nazis zu wählen. „Die NSDAP ist für Katholiken nicht wählbar“ lautete vor 1933 die Devise. Auch die Tatsache, dass das ideologische Hauptbuch der Nationalsozialisten, Alfred Rosenbergs Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher gesetzt wurde, zeigte den unüberbrückbaren Gegensatz. Und diese Widerstandshaltung wurde natürlich durch das päpstliche Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ gestärkt. Sie waren überzeugt davon, dass Hitler und seine Weltanschauung das Übel schlechthin sind und dass dies beim Jüngsten Gericht offenbar werden wird. 1989 enthüllte Bischof Franz Hengsbach an der Heimatkirche St. Christophorus in Essen-Kray eine Gedenktafel für das Ehepaar Kreulich mit folgender Inschrift:
„Zeugen der Wahrheit – Bernhard und Maria Kreulich. Am 17. und 19. März 1944 in Berlin- Plötzensee von NS-Schergen hingerichtet.“

Eduard Werner

Foto: Baldur Hermans in Martyrologium „Zeugen für Christus“, hrsg von Helmut Moll S.15-16

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